Von zweien, die auszogen das Wandern zu lernen – Selbstversuch Eifelsteig

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HEIMBACH/KLOSTER STEINFELD. Sommerzeit ist Wanderzeit und besonders schön wandert es sich auch auf den Wegen rund um Trier und die Region. 313 Km quer durch die Eifel: das bietet zum Beispiel der Eifelsteig (siehe Hintergrund) unter dem Motto „Wo Fels und Wasser dich begleiten“. Unser Autor machte vom Wetter unbeeindruckt den Selbstversuch und beschritt die 17,5 km lange 5. Etappe des Steiges.

Es war ein verregneter Spätmittag, als ich mich am Dürener Bahnhof mit meinem Freund René C. traf. Seit Anfang des Jahres planten wir unsere Tour, die wir zur Mitte des Jahres – bei schönem Wetter – wandern wollten. Die Rede ist vom Eifelsteig. Obwohl das Wetter alles andere als schön werden sollte, machten wir uns Ende Mai auf den Weg. Nun war der große Tag also gekommen. Ich staunte zunächst nicht schlecht, als ich René sah, beziehungsweise das, was neben ihm stand. Es war ein großer Trolley. „Fliegen wir doch nach Mallorca?“, scherzte ich. „Ich habe leider nur einen Laptop-Rucksack und da passt nicht alles rein“, entgegnete R. Der Trolley sollte einen Tag später der Hauptgrund dafür sein, warum die Tour schneller endete, als sie begonnen hatte. Geplant war, von Heimbach aus nach Gemünd zu laufen und dort mit der 5. Etappe des Eifelsteigs zu beginnen. Als die Rurtalbahn gemütlich in den Heimbacher Bahnhof einfuhr, öffneten sich die Himmelsschleusen und es schüttete wie aus Eimern. Die Regenponchos kamen früher zum Einsatz als befürchtet. Nach einem großen Einkauf im einzigen Supermarkt Heimbachs, starteten wir tollkühn in Richtung Gemünd. Zwei Stunden später stellten wir fest, dass wir in die völlig falsche Richtung gelaufen waren. Auf dem größtenteils nassen und unbefestigten Weg konnte der Trolley nur eine kurze Zeit gezogen werden. Schnell hatte sich ein große Menge Dreck zwischen Stoff und Rädern verfangen, was das Ziehen unmöglich machte. Es hieß also Tragen und Pausieren, Tragen und Pausieren… Nach einer gefühlten Ewigkeit kamen wir tapferen Wandersleut an einem idyllischen Campingplatz in einem kleinen Tal an. Umschlossen von himmelhohen, fichtenbewucherten Bergen bauten wir das eigens mitgebrachte Iglu-Zelt auf. Der Regen hatte zu diesem Zeitpunkt aufgehört. Gegen 22.30 Uhr schlossen wir erschöpft die Augen und schliefen Sekunden später ein. Voller Enthusiasmus zogen wir „Wanderer“ am nächsten Morgen weiter. Kurz vor dem eigenltichen Wanderpfad, der am idyllischen Rursee vorbeiführte, bellte ein heiserer Hund zu Verabschiedung. Nach jedem Kläff-Klaut, klang es so, als hätte er ein quietschendes Spielzeug verschluckt. Bell – Quietsch – Bell – Quietsch. R.: „Kann es sein, dass die Besitzer den Mund des Hundes kastriert habe?“ Soweit hatte ich gar nicht gedacht, die Erklärung war aber einleuchtend. Der Trolley ließ sich nach einer kurzen Zeit schon nicht mehr ziehen. Eine Stunde trug R. ihn tapfer, irgendwann wich die Kraft aber aus seinem Körper. „Ich kann nicht mehr… Röchel Röchel Röchel…“ Zurück in Heimbach frühstückten wir beide noch in einem kleinen gemütlichen Café. Dort beschlossen wir, die Tour abzubrechen und auf einen anderen Zeitpunkt zu verlegen. Trotz aller Widrigkeiten ist der Eifelsteig mit seinen malerischen Landschaften auf jeden Fall eine Wanderung wert. Sollte sich der Sommer doch noch von seiner schönen Seite zeigen, nehmen wir Etappe fünf noch einmal in Angriff. Diesmal allerdings ohne Trolley. (tw)

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