ECE – ein Projektentwickler unter der Lupe (4. Teil)

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Hier an der Ludwigsstraße soll der Mittelpunkt der neuen Mainzer Mall entstehen

Bildquelle: Michael Kretzer

Simone Kaes-Torchiani (CDU): “Unsere Fußgängerzone ist tot.”

TRIER/MAINZ. Ein neues Shoppingcenter in der Mainzer Innenstadt. Das ist der gemeinsame Traum des Hamburger Investors ECE und des Mainzer Oberbürgermeisters Michael Ebling (SPD). Wie in Trier soll dort das jetzige Karstadt-Gelände als Standort für eine neue Mall genutzt werden. Doch die bereits neun Monate andauernden Verhandlungen zeigen bis heute keine Ergebnisse. Nur die Erkenntnis: die Mainzer wollen keine “Stadt in der Stadt”.

„Ich fahre total frustriert nach Hause. Unsere Fußgängerzone ist tot, wir können kaum noch die Grundversorgung sicherstellen, unsere erst vor 25 Jahren komplett sanierte wunderschöne Altstadt verfällt, heute brauchten wir die dreifache Summe, um sie wieder herzurichten.“, so bilanzierte die Technische Beigeordnete der 60.000-Einwohnerstadt Stolberg einen Erfahrungsaustausch aus dem Jahr 2006 zu entstandenen Shoppingcentern in klein- und mittelgroßen deutschen Städten.

Die genannte Dame dürfte den meisten Lesern dieses Artikels zunächst unbekannt erscheinen, was sich  jedoch ändern dürfte, wenn man ihre aktuelle Tätigkeit kennt. Es handelt sich um die aktuelle Baudezernentin der Stadt Trier, Simone Kaes-Torchiani (CDU).

 “Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?”, dürfte sie dabei ganz nach einem Zitat ihres ehemaligen Parteivorsitzenden Konrad Adenauer denken. Denn aktuell bereitet sie mit ihren Kollegen aus dem Stadtvorstand unter Oberbürgermeister Klaus Jensen (SPD) ein Engagement des Investors ECE in der Trierer Innenstadt vor. Eine gemeinsame Entwicklungsvereinbarung soll auf der nächsten Stadtratssitzung verabschiedet werden, trotz Bedenken von mehreren lokalen Initiativen und Verbänden. Diese fürchten sich vor den Auswirkungen, die Kaes-Torchiani in ihrem “Geschwätz” von 2006 beschreibt: dem Aussterben der historisch gewachsenen Innenstadt mit besonderem Flair, das sowohl von Touristen als auch von den Bürgern aus der gesamten Großregion geschätzt wird.

Die Angst vor dem Investor-Giganten – auch in der Landeshauptstadt Mainz seit Monaten ein Reizthema. Seit November laufen dort die Verhandlungen zwischen der Stadt Mainz und der ECE, vertreten durch Gerd Wilhelmus, ebenfalls in Trier involvierter Geschäftsführer des ECE Development. Das Grundstück an der Ludwigsstraße, genauer, der bisherige Karstadt-Standort, ging bereits in das Eigentum der Hamburger über. Problematisch erscheint jedoch zur Zeit der Kauf weiterer Grundstücke, die für die Realisierung der Mall-Pläne nötig sind, beispielsweise von drei Pavillons zwischen Weißliliengasse und Fuststraße. Die jetzigen Eigentümer wollen nicht verkaufen, sogar eine mögliche Enteignung war zwischenzeitlich im Gespräch.

Man merkt: die Mainzer wollen dieses Großprojekt nicht. Eine “Bürgerinitiative Ludwigsstraße” mit bereits über 500 Mitgliedern begleitet die Planungen im Mainzer Rathaus mit Skepsis. “ECE ist offensichtlich nicht der geeignete Partner, um die Ludwigsstraßen-Leitlinien umzusetzen. Nach neun Monaten ergebnisloser Verhandlungen kann darüber kein Zweifel mehr bestehen“, kommentiert ihr Sprecher Hartwig Daniels. Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) kündigte indes an, einen Zwischenstand der aktuellen Planungen bis Mitte Juni bekannt zu geben. Nicht ganz freiwillig, denn die Zusage wurde erst auf Druck der Bürgerinitiative hin erteilt, die auf das Landesinformationsfreiheitsgesetz verwiesen hatte, das Behören verpflichtet auf Anfragen Auskunft zu erteilen. Das Statement der Verhandlungspartner wird in der Landeshauptstadt mit Spannung erwartet. (kk)

 

Ein ausführliches Interview mit einem der Sprecher der Bürgerinitiative Ludwigsstraße, Hartwig Daniels, erscheint in Kürze auf unserem Portal.

1 KOMMENTAR

  1. Interessant, was alles so zum Vorschein kommt, wenn man nur danach sucht.
    Käse-Tortellini scheint ihre Meinung ja scheinbar lediglich mit einem Fingerschnippsen ändern zu können. Wo sie doch sonst so „standhaft“ ist…

  2. was ihr da schreibt,glaubt ihr doch selbst nicht!ich traue frau K-T so ein dummes geschwätz nicht zu. wenn doch sollte sie sofort zurücktreten!!!!

  3. Tja, das ECE-Säckel für technische Beigeordnete scheint halt offenbar ein wenig kleiner zu sein als das für Dezernent/innen…

  4. weiter so ,entlarvt sie mit ihrem geschwätze aus der Vergangenheit! glaubt eigentlich noch irgendjemand,daß dieser stadtvorstand zum wohle dieser Stadt arbeitet?

  5. wenn man das alles über ECE so liest,kann man nur zu dem schluß kommen ,dieser stadtvorstand, zerstört vorsätzlich die Trierer Innenstadt!ich hoffe sie(egger jensen kaes-torrchiani ) müssen irgendwann dafür bezahlen !

  6. ihr dummen preisen,(deutsche)meint ihr wenn ihr noch einen konsumtempel baut, kämen mehr leute aus luxemburg nach Trier ? ja wie sollen sie denn? ihr lasst sie ja aufgrund eurer genialen Verkehrsplanung überhaupt nicht rein in eure schöne Stadt!

  7. normalerweise steht eine Stadt wie Trier bei Firmen wie ECE ganz hinten auf der Liste. Wenn ich aber heute in der Welt am Sonntag den Artikel
    >Alles neu in der Altstadt< lese und erfahre dass Städte wie Frankfurt und Köln ganz andere Wege gehen. Dort will man diese Monster nicht haben bzw. nicht mehr. Also - auf nach Trier da werden in der Verwaltung schon ein paar Pappnasen zu kaufen sein. Unbedingt Welt am Sonntag lesen!

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