ECE – ein Projektentwickler unter der Lupe (3. Teil)

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Bildquelle: Nürnberg

Heute: Fürth – Der Weg vom Exklusivvertrag zum Investorenwettbewerb

FÜRTH. Seit dem 18. April wird in Trier darüber diskutiert, ob es eine so genannte Mall, oder gar zwei geben soll, oder ob die Stadt diese Pläne nicht abschmettern muss. Seitdem beleuchtet lokalo diese Vorgänge und auch die Vorgehensweisen in anderen Städten, in denen der Projektentwickler ECE aktiv ist. Der heutige Teil unserer Serie beschäftigt sich mit den Entwicklungsplänen in der Fürther Innenstadt. Dort erlebten die Bürgerinnen und Bürger ein ständiges Auf und Ab vom Scheitern eines Vorkaufsrechts bis zum Architektenwettbewerb.

Am Anfang der “Erfolgsgeschichte” stand dabei der portugiesische Investor „Sonae Sierra“, der ähnlich wie die ECE, über die wir bereits ausführlich berichteten, europaweit investiert und entwickelt und dessen Flaggschiff das „Alexa“ in Berlin ist. Dieser bekundete im Jahr 2009 Interesse daran, in der Innenstadt eine Mall zu errichten. Die Stadt Fürth (ca. 115 000 Einwohner), allen voran Oberbürgermeister Dr. Thomas Jung (SPD), legte den Portugiesen den roten Teppich aus und trug unter anderem mit dem Verkaufsversprechen über städtische Grundstücke dazu bei, die Realisierung der “Neue Mitte” Fürths voranzutreiben. Nach langen Verhandlungen und Planungen scheiterte das Projekt letztendlich, weil der Eigentümer eines zentralen Grundstücks nicht zum Verkauf bereit war. Die Enttäuschung des OB drückte sich damals in einer öffentlichen Stadtratssitzung in seinem Kommentar aus: „Man kann für jedes Hundeklo enteignen, aber nicht für Arbeitsplätze.“
Eine Entwicklung der Innenstadt stand dennoch weiterhin auf der Prioritätenliste des Stadtvorstandes, allerdings ohne konkreten Projektentwickler. Nun kam der Clou: die Stadt suchte nach einem Investor – inklusive Ausschreibung und bereits feststehenden Vorgaben. Investoren sollten Vorschläge unterbreiten, die sich ins Stadtbild einpflegen und den Denkmalschutz beachten. Im sogenannten Interessensbekundungsverfahren gingen bis zum 31. Januar 2011 acht Bewerbungen ein. Fünf davon beachteten dabei alle Vorgaben. Im Rahmen des Investorenauswahlverfahrens wurde ein Projektbeirat gebildet, der über die Bewerbungen der Investoren beriet. Der Investor MIB (Immobilien und Beteiligungen) machte dabei das Rennen gegenüber anderen namhaften Investoren wie der ECE, ATP/Ten Brinke (Holland) oder Fondara (München). Der Bürgerbeteiligung noch nicht genug, fand sogar zusätzlich ein Architektenwettbewerb zu den Planungen des Investors MIB statt, der verschiedene Umsetzungsmöglichkeiten der Mall aufzeigte. Auch hierzu wurde in einem Projektbeirat beraten und durch ein Jury entschieden. Kürzlich begannen die Abrissarbeiten auf dem Gelände der “Neuen Mitte”.

Natürlich ist die Schilderung des Planungsprozesses zur besseren Verständlichkeit bewusst verknappt dargestellt und umfasst nicht alle Zwischenstufen. Dennoch kann man aus dem Beispiel Fürth, das strukturell der Stadt Trier sehr ähnelt, einige Denkanstöße gewinnen. Muss eine Stadt immer gleich dem ersten Investor ein Vorkaufsrecht einräumen? Muss man die Vorschläge eines solchen Investors bedingungslos akzeptieren? Gibt es einen Mittelweg zwischen Investition und Bestandsschutz?

In Trier steht man derzeit vor dem Abnicken der ersten Frage, obwohl die vertagte Entscheidung zum Vertrag mit der ECE ein positives Zeichen zu sein scheint. Die Fraktionen sehen noch erheblichen Beratungsbedarf, was auch im Hinblick auf die zu treffende, richtungsweisende Entscheidung vernünftig erscheint. Mit der in Teilen bereits öffentlich gewordenen Entwicklungsvereinbarung (lokalo berichtete) würde sich die Stadt über die Laufzeit von 36 Monaten exklusiv an die Hamburger rund um Chefentwickler Gerd Wilhelmus binden. Auch andere Investoren hatten bereits Interesse bekundet. Von Überlegungen, diese einzubeziehen, ist jedoch nichts zu hören.

In Fürth wiederum hat der Hamburger Projektentwickler neuerdings auch wieder seine Finger im Spiel. Zusätzlich zur neuen Mall bekundet der Investor dort Interesse an einem bereits bestehenden Shoppingareal, dem “City Center”. Falls der bisherige Eigentümer verkauft,  würde man damit seitens der ECE geschickt mehrere Wettbewerbe und Projektbeiräte umgehen. „Warum an Vorgaben halten, wenn es auch einfach geht?“, dürfte sich dabei wohl der Investor MIB aus dem ersten Planungsverfahren denken und darüber sicher nicht erfreut sein. (kk)

1 KOMMENTAR

  1. Was zeichnet Trier als Einkaufsstadt aus?
    Flair, ein toller Architekturmix, ein bunter Einzelhandelsmix mit vielen Inhabergeführten Geschäften, die Verbindung von Handel, Dienstleistung und Wohnen, …

    Aber dennoch: eine weitere Entwicklung der Einkaufsstadt Trier würde für die Zukunft weiter positive Zeichen setzen können. Es kommt nur darauf an, wie diese Entwicklung aussehen soll!
    Eine Mall im klassichen Sinne würde mit ihrer meist in sich geschlossenen Architektur, ihrer Abschottung zum Rest der Stadt und ihrer reinen Shopping-Funktion nicht z den von mir oben aufgeführten Stärken der Einkaufsstadt Trier passen. Sie wäre ein Fremdkörper in einer ansonsten homogenen Einkaufszone, würde dem Rest der Fußgängerzone Potentiale entziehen und auf Dauer die Einkaufsstadt Trier ihrer Stärken berauben!
    Aber wie könnte eine Entwicklung (gerne auch mit einem privaten Investor wie ECE) aussehen, um die gesammte Innenstadt nachhaltig zu stärken?
    Dafür müsste man erst einmal erörtern, welche Gebiete der Innenstadt entwickeln werden sollten!
    Hier hat sich ECE zumindest, s denke ich, die richtigen Gebiete ausgesucht: das Gebiet zw. Neustraße, Europahalle, Kaiserstraße und Karl-Marx-Straße sowie der Bereich rund um die Treveris-Passage!
    Doch wie könnte man diese Gebiete entwickeln, ohne sich einen Beton-Glas-Stahl-Fremdkörper an den Rand der Fußgängerzone zu stellen?
    Ich bin der Meinung, dass der Schlüssel hierfür in einer offenen Architektur und einer gemischten Nutzung liegt!
    Keine Shopping-Mall, sondern neue Einkaufsstraßen mit niedriger (max. 4-5 stöckigen) Bebauung, Nutzungsmix aus Handel, Dienstleistung und Wohnen, Plätze zum verweilen, moderne Gebäude mit „auf alt“ gemachten Fronten. Wo möglich sollten natürlich erhaltenswerte Gebäude (oder Gebäudefronten) erhalten und integriert werden!
    So könnte man ein neues Einkaufs- und Wohnviertel entwickeln, dass sich nahtlos in die vorhandene Struktur Triers integriert und die Fußgängerzone insgesamt aufwertet.
    Ein Beispiel, wo das m.E. sehr schön umgesetzt wurde, ist das neue „Kocherquartier“ in Schwäbisch Hall: dort wurde nach der Schließung eines Gefängnisses am Rande der Fußgängerzone die Chance genutzt, ein neues Stadtviertel, das Kocherquartier, zu entwickeln. Alte Gebäude wurden geschickt integriert, teilweise mit modernen Elementen kombiniert und ein Nutzungsmix aus Handel, Dienstleistung und Wohnen angesiedelt. Durch die offene, größtenteils nicht separat überdachten Architektur wurde hier ein Stadtteil entwickelt, der auch nach Ladenschluss nicht ausgestorben ist und sich harmonisch in das historische Stadtbild Schwäbisch Hall’s integriert! http://www.kocherquartier-sha.de/

    Eine solche Entwicklung würde ich mir auch für Trier wünschen!

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