„Wir holen uns ein Monster in die Stadt“

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Bildquelle: EHV Trier

TRIER. Die Absicht des Hamburger Projektentwicklers ECE in Trier eine Mall zu errichten, wird den Stadtrat, die Bürger, die Händlerschaft und die sie vertretenden Organisationen noch lange beschäftigen und kontrovers diskutiert werden. Michael Müller, der Vorsitzende des Einzelhandelsverbandes Region Trier (EHV) nimmt im Interview mit lokalo zu diesem brisanten Thema Stellung.

Herr Müller, der Vertragsentwurf für ein Shopping-Center unter Federführung der ECE, die Stadt nennt das Papier „Entwicklungsvereinbarung“, liegt auf dem Tisch. Wie steht der EHV dazu?

Müller: Grundsätzlich haben wir nichts gegen Entwicklungskonzepte für unsere Innenstadt. Wir haben auch nichts gegen Investoren, schon gar nicht bei der Finanzlage der Kommunen in Deutschland und in diesem Fall Triers. Es kommt aber darauf an, was man wie macht.

Was ist denn bisher schief gelaufen?

Müller: Man hat diesen einen Investor zu früh präferiert. Die ECE ist natürlich ein hoch professionell geführtes Unternehmen mit einer gut gefüllten Kriegskasse. Das ist wie Bayern München im Fußball. Die ECE betreibt mehr als 180 so genannte „Malls“ in Deutschland. Wir haben viele Feedbacks gesammelt und erhalten immer noch Rückmeldungen. Das Problem bei einer Mall ist, dass es ein in sich geschlossenes Areal ist, anders als beispielsweise die Galerie in Trier, die voll integriert ist und wenn der Bürger es will, sogar als Passage genutzt werden kann. Das ist bei einer Mall anders. Und sie ist deshalb ein Angriff auf die City als traditionelle Einkaufsmeile.

Welche Auswirkungen wird das Projekt, wenn es am Viehmarkt errichtet werden sollte, auf die Innenstadt haben?

Müller: Zunächst einmal ist klar, dass man den Viehmarkt aufwerten kann und muss, indem man dort ein Unternehmen ansiedelt. Das soll aber keine Mall sein, auf die aufs Dach noch ein Parkdeck kommt, was dann dazu führt, dass die Leute dorthin fahren, oben parken, einkaufen, und dann wieder aus der Stadt rausfahren, so, wie das in vielen Städte der USA der Normalfall ist. Mit dem Bau einer Mall, wie ECE sie will, holen wir uns ein Monster in die Stadt.

Als Argument, um die Notwendigkeit der Ansiedlung eines weiteren Centers in Trier zu begründen, wird immer wieder das geplante Einkaufszentrum in Luxemburg angeführt. Können sie dieser Begründung folgen?

Müller: Zunächst ist es doch so, dass unsere Nachbarn aus dem Großherzogtum gerne und häufig in Trier einkaufen. Das tun sie sicher nicht, weil es im Nachbarland zu wenige Möglichkeiten gibt. Hinzu kommt, dass die wirtschaftliche Entwicklung Luxemburgs, denken Sie nur an die Situation der Banken, nicht mehr so rosig ist. Also sollten wir erst mal Ruhe bewahren. Außerdem muss man das Schreckgespenst eines Luxemburger Einkaufszentrums nicht an die Wand malen, denn es wird an der französischen Grenze errichtet werden. Ich denke nicht, dass es dort zu einem ständigen Anziehungspunkt für die Bürger der Stadt Trier und unserer Region wird.

Die Stadt, namentlich Oberbürgermeister Klaus Jensen, wirbt um Vertrauen und verspricht Transparenz bei der Entscheidungsfindung. Ist das glaubhaft?

Müller: Ich vertraue unserem OB. Das, was er versprochen hat, wird er sicher durchsetzen wollen. Ich verstehe aber nicht, warum man sich so früh an ein Unternehmen bindet, zumal wir nicht in Zeitnot sind. Um Missverständnissen vorzubeugen: Der EHV steht voll hinter der strategischen Entwicklung der Stadt. Wir haben auch kein Problem damit, mehr Handel nach Trier zu bekommen. Aber es muss eine verträgliche Entwicklung sein.

Wie ist ihre Meinung zum „Strategischen Entwicklungs- und Nutzungskonzept Innenstadt Trier“, kurz „SENI“ genannt?

Müller: Ich würde es gerne „USENI“ nennen können. Das „U“ steht für „unabhängig“. Wir haben schon eine toll funktionierende Innenstadt, deren Entwicklungspotenzial dennoch nicht ausgereizt ist. Wir können noch viel tun im Rahmen der Vorgaben, die es bereits gibt. Raum dafür bietet beispielsweise die Ausschöpfung der Gestaltungssatzung, die sinnvolle Ergänzung und Ausweitung der Sondernutzungsregelungen und die Verbesserung der Beleuchtung in der Innenstadt, insbesondere auf unseren schönen Plätzen.. Das sind bestehende Ressourcen, die noch nicht ausgeschöpft sind. Und es kann nicht sein, dass der spätere Nutzer bestimmt, wie diese Entwicklung aussehen soll.

Haben Sie als EHV überhaupt ein Mitspracherecht bei der Entscheidungsfindung?

Müller: Wir sind, wie die City-Initiative, die IHK und die Handwerkskammer in einer Arbeitsgruppe, die in den Prozess eingebunden ist. Einschränkend muss ich aber anmerken, dass es über uns eine Ebene gibt, die sich Lenkungsgruppe nennt. Und in diesem Organ ist die ECE vertreten.

Das Interview mit Michael Müller führte Willi Rausch

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