3 Jahre Haft wegen sexuellen Missbrauchs einer Minderjährigen

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TRIER. Am Mittwoch, den 22. Mai musste sich ein 22-Jähriger aus der Verbandsgemeinde Daun wegen sexuellen Missbrauchs an seiner damals 13-jährigen Cousine verantworten. Aus der Anklageschrift geht hervor, dass der Beschuldigte im Zeitraum von Anfang Oktober 2012 bis Ende Februar 2013 in insgesamt acht Fällen den Geschlechtsverkehr mit der Minderjährigen ausgeübt haben soll, obwohl ihm ihr damaliges Alter bekannt war. Durch eine dieser Taten soll sie schließlich schwanger geworden sein, da das verwendete Kondom ein Loch gehabt habe. Nach einem Schwangerschaftsabbruch, soll der Angeklagte zwei weitere Male den Geschlechtsakt mit seiner Cousine vollzogen haben.

Der ausgebildete Landwirt gibt sich geständig. Sein Blick ist nach unten gerichtet, seine Gesichtsfarbe puterrot. „Wir haben uns geliebt“, so seine Aussage. Kennengelernt haben sich die beiden über einen Bekannten. Zu diesem Zeitpunkt wussten sie noch nicht, dass sie Cousin und Cousine sind. „Wir haben uns das erste Mal auf dem Feld gesehen, als ich am Silo arbeitete. Sie kam mit einem Kollegen vorbei, dann haben wir unsere Handynummern ausgetauscht“, so der Angeklagte. „Wenige Tage vor ihrem 13. Geburtstag habe ich schließlich erfahren, wie alt sie ist. Man hat sich halt getroffen, ineinander verliebt und irgendwann morgens kam es dann zum Geschlechtsverkehr.“

Auf Nachfrage von Richter Albrecht Keimburg, ob er sich denn nicht darüber bewusst gewesen sei, dass es gesetzeswidrig ist, mit einer noch nicht 14-Jährigen eine sexuelle Beziehung zu führen, antwortet er: „Damit hab ich mich politisch nicht beschäftigt.“ Sehr wohl geht jedoch aus den als Beweismittel zugelassenen SMS hervor, dass der Angeklagte sich der Straftat durchaus bewusst ist: „Dafür gehe ich 5 Jahre in den Knast“, so ein Auszug aus einer SMS an sie. Der junge Mann macht insgesamt einen für sein Alter unreifen Eindruck. Etliche Rechtschreibfehler aus dem Handyverkehr zwischen dem Liebespaar belegen den Bildungsstand des Angeklagten.

Schließlich wird das junge Mädchen in den Zeugenstand gerufen. Sie weint. Auf Nachfragen des Richters reagiert sie zögerlich. „Ich liebe ihn.“ Diesen Satz wiederholt sie immer wieder. Sie will ihn nicht verlieren, will mit ihm zusammen sein. Das geht auch aus Liebesbriefen hervor, die in seiner Wohnung gefunden wurden „Wenn ich jetzt sagen müsste, wer der Mann fürs Leben ist, würde ich sofort deinen Namen nennen“, schreibt sie. Nach Aussage der Mutter ist die inzwischen 14-Jährige physisch sehr labil und benötigt psychologische Unterstützung. „Wir wussten nicht, dass sie sich treffen, aber sie wirkte ausgeglichener als sonst“, gibt die Mutter des Kindes preis.

Der Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Christian Hölzer, hatte alle Fälle als minderschwer eingestuft und daher eine Gesamtfreiheitsstrafe bis zu zwei Jahren als ausreichend angesehen. Das Gericht sah das anders, es verhängte drei Jahre Haft wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes. „Sie haben davon gesprochen dass es Liebe ist. Dies ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass das Gericht für jeden einzelnen Fall hier eine Freiheitsstrafe von unter 2 Jahren vorsieht“, erläutert der Vorsitzende Richter Keimburg, der einräumt, dass die Fälle teilweise unterschiedlich bewertet werden mussten. Der Angeklagte wisse, dass er zu bestrafen sei, schließlich habe er in seinen SMS von fünf Jahren Haft gesprochen. Sein Geständnis, sein straffreies Vorleben, seine unreife Persönlichkeit im Vergleich zu Altersgenossen, die Tatsache, dass die Geschädigte fast 14 Jahre alt gewesen sei und es sich hierbei um eine Liebesbeziehung handle sowie der „Versuch“ des geschützten Geschlechtsverkehrs wirke sich jedoch strafmindernd aus, sagt der Vorsitzende. Der Angeklagte alleine habe die Verantwortung dafür zu tragen, dass er sogar nach dem Schwangerschaftsabbruch nicht von der Geschädigten abgelassen habe und das Paar weiterhin geschlechtlich verkehrt habe. „Er ist vielleicht nicht der Hellste, aber auch nicht so dumm, dass er nicht ganz genau weiß was los ist. Dieses Gesetz (Anm. d. Red.: § 176 Strafgesetzbuch) besteht zum Schutz der Persönlichkeitsentwicklung des Kindes, mit dem Ziel, dass Kinder später nicht in Hauptverhandlungen sitzen, psychologische Hilfe benötigen und verzweifeln.“ In diesem Fall, wie auch in allen anderen Fällen des sexuellen Missbrauchs von Kindern, treffe die Minderjährigen niemals eine Schuld, so Richter Keimburg.

Ergänzend hierzu weist das Gericht in seiner abschließenden Pressemitteilung darauf hin, dass der Haftbefehl gegen den Angeklagten im Laufe des Verfahrens außer Vollzug gesetzt worden war. Allerdings wurde der 22-Jährige wegen Verstoßes gegen Haftverschonungsanordnungen im Gerichtssaal erneut verhaftet, da der Haftbefehl wieder in Vollzug gesetzt werden musste. Der Angeklagte hatte nämlich nach Aussage seiner 13-jährigen Cousine trotz eines  auferlegten Kontaktverbotes wieder Geschlechtsverkehr mit dem Mädchen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. (mid)

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