Grenzüberschreitend gegen den atomaren Supergau

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TRIER/METZ. Die 1983 vom Conseil Général de la Moselle gegründete lokale Informationskommission für das Atomkraftwerk Cattenom öffnet sich grenzüberschreitend: Nach einer neuen Vereinbarung kommen die Stadt Trier sowie die Landkreise Trier-Saarburg und Merzig-Wadern als neue Mitglieder hinzu. Die französische Regierung will 3,5 Milliarden Euro in den fast 30 Jahre alten Reaktor stecken.

Außerdem will die belgische Region Wallonie dem Verbund beitreten. Er soll nach Aussage von Toni Loosen-Bach, der als Vertreter des Trierer Rathauses die Vereinbarung unterzeichnete, eine frühere und genauere Information über Störfälle sicherstellen. Bisher gebe es immer noch Verzögerungen und Defizite in der Kommunikation. Außerdem bietet ein auch auf Deutsch verfügbarer Newsletter im Internet einen aktuellen Überblick.www.cg57.fr/cli, Rubrik: Lettres d’infos. Eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit bei dem Kernkraftwerk, das zwölf Kilometer von der deutschen und neun Kilometer von der luxemburgischen Grenze entfernt liegt, gibt es zudem bei Katastrophenschutzübungen. Die nächste ist im Juni geplant. Das 2006 verabschiedete französische Gesetz zur „Transparenz und Nuklearsicherheit“ und seine Ausführungsbestimmungen hatten es möglich gemacht, die an einer Grenze ansässigen Informationskommissionen für Vertreter der Nachbarregionen zu öffnen. Jenseits des verbesserten Informationsaustauschs besteht auf deutscher Seite ein grundsätzlicher politischer Dissens zur Position der französischen Regierung und der Kernkraftbetreiber. Der Trierer Stadtrat hatte nach der Atomkatastrophe in Fukushima im Frühjahr 2011 einstimmig eine Resolution verabschiedet, die die sofortige und dauerhafte Abschaltung des Atomkraftwerks fordert. Zur Begründung wurde unter anderem darauf verwiesen, dass alte Reaktoren, wie die ab 1986 ans Netz gegangene Anlage in Cattenom, ein besonders hohes Risiko darstellten. Sollte sich dort ein vergleichbarer Störfall wie in Fukushima ereignen, würden weite Teile der Region auf Dauer unbewohnbar. Zudem sei die Anlage von Anfang an durch schwere konstruktive Mängel und technische Probleme gekennzeichnet gewesen. Dagegen will die französische Seite die mögliche Laufzeit von 60 Jahren der Anlage voll ausschöpfen. Bei der Vertragsunterzeichnung in Metz wurde nach Angaben von Loosen-Bach bekannt, dass neue Investitionen von rund 3,5 Milliarden Euro geplant seien. Dafür sei kein größeres Genehmigungsverfahren nötig. Wenn bei der alle zehn Jahre anstehenden Generalüberholung keine Mängel festgestellt werden, gebe es grünes Licht für die geplanten Investitionen.

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