ECE – ein Projektentwickler unter der Lupe (1. Teil)

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Bildquelle: lokalo.de

TRIER. Seit dem 18. April ist es offiziell: die ECE Projektmanagement GmbH & Co KG steht in den Startlöchern, um in Trier zu investieren. Bis zu 250 Millionen Euro will der zum Otto-Konzern gehörende Investor dafür in die Hand nehmen.

Ob „Knochentheorie“, „Nord-Süd-Achse“, ein oder zwei Center – feststehen dürfte, dass die ECE in Trier bauen wird. Nicht zuletzt wegen des möglicherweise durch die Stadt gewährten exklusiven Vorkaufsrechts auf das Grundstück der Europahalle, auch wenn Oberbürgermeister Klaus Jensen von einem „offenen Planungsprozess“ spricht.

Welche Auswirkungen auf den kommunalen Einzelhandel, das Stadtbild oder die Kaufkraft sind zu erwarten? Welche Erfahrungen haben die Kommunalpolitik oder Bürgerinitiativen mit ECE in anderen Städten gemacht? Dies beleuchtet die heute mit dem pfälzischen Oberzentrum Kaiserslautern startende Reihe auf lokalo.de.

160 Millionen Euro, 100 Geschäfte, 20.900 qm Verkaufsfläche, 3200 qm Dienstleistungs- und Gastronomiefläche. „K in Lautern“ so wird das neue Einkaufscenter der Firma ECE in der Barbarossastadt heißen. Der Baubeginn ist für Juni angesetzt. Die Pforten sollen laut ECE-Projektleiter Arne Nachtigahl im Frühjahr 2015 erstmals geöffnet werden.

Parallelen zu Trier: auch in Kaiserslautern warf man den Stadtoberen vor, „Hinterzimmerpolitik“ zu betreiben. Dort hatte die ECE das private Grundstück des ehemaligen Karstadt-Geländes – auch hier die Parallele – bereits käuflich erworben und sicherte sich seitens der Stadt Vorkaufsrechte auf umliegende städtische Grundstücke.

Axel Ulmer, Rechtsanwalt aus Kaiserslautern, gründete daraufhin eine Bürgerinitiative gegen die Pläne der ECE und ist seitdem auch in anderen Städten unterwegs, um Bürgerinitiativen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Er rät den Initiativen meist, sich so früh wie möglich in den Planungsprozess einzubringen.

Einbringen wollte sich auch die Bürgerinitiative “Für Lautern e.V.”, die sich als Gegenpol zu Ulmers Initiative gründete. Mitglieder: Parteispitzen von SPD, CDU und FWG, ECE-Projektleiter Nachtigahl und auch Oberbürgermeister Dr. Klaus Weichel. Die selbsternannte “Bürger”-Initiative gründete sich gar im Dienstzimmer des Stadtoberhaupts, die sich in ihrer Satzung das Ziel setzte, den Ursprungsbeschluss “mit allen Mitteln” durchzusetzen.

Fraktionsmitglieder, die sich dieser Initiative nicht anschlossen, verließen auf Druck ihrer Parteifreunde hin sowohl Fraktion als auch Partei. Gegen CDU-Stadtratsmitglied Karin Kolb wurde gar ein Ausschlussverfahren angeregt.

Das Projekt der ECE spaltete die Lauterner Bürgerschaft wie kein anderes. Axel Ulmers Initiative sammelte 8000 gültige Unterstützerunterschriften für einen Bürgerentscheid. Die von ECE auch finanziell unterstützte Initiative
„Für Lautern e.V.“ rührte ordentlich die Werbetrommel, unter anderem mit einem öffentlichen Weißwurstessen. Trotzdem empfanden viele Bürger das Ergebnis des Entscheides (66% für den Verkauf der städtischen Grundstücke) als Überraschung.

„Im Endeffekt: Tolles Netzwerk, Respekt!“, gratuliert Axel Ulmer auf lokalo-Anfrage. „Aber man macht sich Gedanken über die Unabhängigkeit der Politik. Ich möchte nicht so weit gehen und von Bestechung sprechen, aber eine monostrukturierte Innenstadt mit nur einem Platzhirsch tut einer Stadt nicht gut.“ Auch von den Plänen der Projektentwickler aus Hamburg für die Stadt Trier hat er bereits gehört. Er warnt: „Die Transparenz lässt bei den ganzen Prozessen immer zu wünschen übrig. Die Trierer Bürger sollten darauf drängen, sich einbringen zu dürfen.“

Auch Ulrich Müller, Vorstandsmitglied von „Lobby Control“, einer deutschlandweiten Initiative für Demokratie und Transparenz, äußert sich kritisch. Vor allem in Hinblick auf die von ECE-Chef Alexander Otto gegründete Stiftung „Lebendige Stadt“. „Man könnte schon sagen, dass immer mal wieder der Eindruck entsteht, dass es zwischen ECE-Interessen und Stiftungsaktivitäten gewisse Überschneidungen gibt.“

Wir erinnern uns: 2008 erhielt die Stadt Trier von dieser Stiftung einen mit 100.000 € dotierten Preis für das „coolste Rathaus“. Nun hat die ECE in Trier das Vorkaufsrecht für das Grundstück der Europahalle fast sicher. Ein Schelm, der Böses dabei denkt. (kk)

Im nächsten Teil unserer Reihe widmen wir uns den Erfahrungen der Stadt Oldenburg. Hier kostete das ECE-Projekt “Schlosshöfe” unter anderem den Bürgermeister seinen Job. Außerdem brisant: ECE stellte horrende Entschädigungsforderungen in den Raum, falls das Projekt nicht verwirklicht werde.

1 KOMMENTAR

  1. Sehr gut, dass dieses Thema weiter kritisch betrachtet wird. Wer liest, was in Kaiserslautern durchgezogen wurde, kann sich ausmalen, wie es in Trier kommen wird. Ich erinnere nur an den Satz des hochmütigen ECE-Abgesandten (sinngemäß): „Wer glaubt, etwas zu sagen zu haben, wird dies tun dürfen.“ So, oder so ähnlich wird sich sein Kollege in K-Town auch geäußert haben. Ich sage schon jetzt: Ich esse keine Weißwurst. Auch nicht, wenn sie mich nichts kostet.

  2. Eine Bürgerinitiative mit dem OB und der ECE. Das ist ein probates Mittel in Städten, in denen sich Widerstand regt. Also wohl überall. Aber ist ja alles demokratisch. Und wenn nicht: Einzelfälle. Gute Nacht, Deutschland!

  3. Ich kann das nicht teilen, möchte ich doch als Konsument und Verbraucher eine Vielfalt von Geschäften in meiner Stadt haben. Natürlich ist der Trierer Einzelhandel skeptisch und dagegen weil man von dem Kuchen ( Kauflust und -kraft) der zu verteilen ist möglichst nichts abgeben möchte. Ich möchte als Einw. der Stadt Trier ein attraktives Trier wo es Spass macht einkaufen zu gehen. Her mit dem Center, ich freue mich darauf

  4. @rainer: also dann spricht ja auch nichts gegen großansiedlungen auf der grünen Wiese !! Zerstören wir also unseren gewachsenen Einzelhandel für dubiose Anbieter wie „Hollister “ oder ähnliche !! Was bitte wollen sie denn dort finden , was es bis dato in Trier nicht gibt? Gehen sie mal in andere Städte und sehen sie sich an,welchen Preis die Städte für diese Entscheidungen jetzt zahlen müssen!

  5. Gottseidank hatte ECE in Mainz mit dem Bau einer gigantischen Shopping Mall mitten in der Innenstadt bisher keinen Erfolg, weil Bürgerinitiative und Stadtrat erfolgreich sog. „Leitlinien für eine Stadtentwicklung“ entwickelt und verabschiedet haben, die den Plänen einer Mall entgegen stehen und nur eine kleingliedrige Geschäftzsbebauung mit Wohnungen zulassen. Statt ECE aufzufordern, diese Leitlinien umzusetzen oder abzuziehen „verhandelt“ jetzt OB Ebling seit einem halben Jahr geheim. Immer sind es die OB´s, die sich ECE gegenüber wohlwollend verhalten.

  6. Genau auf so Leute wie dich, Rainer, freuen sich diese Projektentwickler-Haie: nämlich auf Leute, die sich alles verkaufen lassen, zu deren wenigen Lebenszielen es gehört, Geld zu verdienen und es auszugeben, um zu konsumieren.

    Hier geht es um die Grundsatzfrage, ob wir uns eine geglättete Planlandschaft leisten wollen, in die alles einbezogen wird – hässlich, kalt, die Geschichte und das gewachsene Stadtbild verachtend (und dazu zähle ich das Alleencenter und die Trier Gallerie schon jetzt), oder ob wir Einzelhändler, kleinere, unabhängige Gewerbetreibende weiter stärken sehen wollen. Es geht um den Grundsatz, die lokale Wirtschaft nicht weiter von diesen Großentwicklern unterhöhlen und überschwemmen zu lassen, auch wenn es die Massenkonsument freut. Sich zu dem zu bekennen, was die Stadt eigen und lebenswert macht, und dafür zu sorgen, dass es erhalten wird, ist Aufgabe des Stadtrats, der klare Leitlinien zur Verhinderung der Verhunzung der städtischen Athmosphäre durch Machenschaften dieser Art verabschieden muss. Hier sind wir alle gefordert, durch Initiativen die Entscheidungsträger dieses Problem nicht vergessen zu lassen.

    Also, Rainer: Auf zu den Perlen in den Konsumtempeln! Aber nicht hier in Trier.

  7. ECE – klingt nach Intercity-Express, sollte aber viel mehr für „Ekelhafte City Express“ stehen. Was Werner Otto und seine Handlanger mit idyllischen Innenstädten anrichten, geht auf keine Kuhhaut. Malls der Marke „Kauft, kauft, KAUFT!!“ lösen unsere schönen Geschäfte ab. Wo jetzt noch Leute über die Pflastersteine flanieren, herrscht in Bälde tote Hose – weil Starbucks oder sonstiger Scheiss findet sich ja in der Mall wieder. Zum Kotzen! Inhabegeführte Läden gehen den Bach runter und es heißt: Willkommen Einheitsbrei!

    Ich hoffe alle Unternehmer und Wirte der Stadt helfen mit. Es muss heißen: Einspruch „stadt“gegeben!

    Danke an lokalo, die als Einzige kritische über diese Halunken berichten! Lasst euch nicht auch noch kaufen!

  8. Hallo Trier, auch in Jena will ECE unseren letzten freien Raum kaufen und mitten in Jena ein 3 . Einkaufscenter bauen mit Hotel. Wohnen, hier besteht in Jena ein Riesenbedarf: – siehe auch dazu aktuelle Bertelsmannstudie http://www.jenapolis.de/2013/08/bi-unser-jena-will-kultur-der-runden-tische-wieder-beleben/-
    wird es nur zu 10 % in den Obergeschossen geben.

    In Jena ebenfalls vernachlässigte Bauten für Freizeit, Kultur und Kunst sind ebenfalls nicht geplant. Seit Jahren möchte Jena ein Kunsthaus bauen und nun?
    Den letzten freien möglichen Platz dafür verkauft man an ECE.
    In Jena wird gearbeitet, Steuern gezahlt und eingekauft, während man die restliche Infrastruktur vernachlässigt. Ach ja Kinder machen, das dürfen wir auch noch!

    Schaut mal in die Mitgliederliste der Stiftung „Lebendige Stadt“ , gegründet von Herrn Otto, Initiator von ECE – ja der Otto!!! – da steht Eurer Bürgermeister bestimmt jetzt auch drin. Unser OB ist da seit mehreren Jahren Mitglied. Und die Höhe ist, andere Unternehmen werden für ECE auch noch rasiert, man ändert einfach mal schnell die B-Pläne, so dass ein anderer Investor nicht mehr 5000 qm nebenan Handelsfläche bauen darf. Ich sage nur Staatsmonopolismus in Reinstform. Soziale Marktwirtschaft ist bei uns im Osten leider nie angekommen. Schade, dass wir das nach unserem sozialistischen System nie kennen lernen durften.

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