TBB Trier: Nach dem Klassenerhalt mit Vollgas in Richtung Zukunft

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TRIER. Die TBB Trier hat noch zwei Spiele vor der Brust und mit 14 Siegen den Klassenerhalt schon sicher. Nach der herausragenden Hinrunde fing gegen Ende der Hauptrunde noch einmal das große Zittern an. Auch, weil sich die BEKO BBL auf dem vielleicht höchsten Niveau aller Zeiten befindet. Was lief schief? Was könnte und müsste in der Sommerpause passieren? Eine Analyse von Christoph Witt.

Rückblick

18. Dezember 2012: Die TBB Trier besiegt Bayreuth mit 72:65 und festigt Platz fünf in der Tabelle. Die Euphorie kennt nach acht Siegen bei vier Niederlagen keine Grenzen. Zeitgleich gibt man die Vertragsverlängerung mit Henrik Rödl bekannt. Die Stimmung in der Arena: Gänsehaut pur. Mehrere Minuten lang wird der gebürtige Hesse gefeiert, der der TBB ein Gesicht und ein einzigartiges Image verschafft hat, gefeiert.  Nachhinein betrachtet lässt sich konstatieren: Es war der schleichende Beginn eines Einbruchs, der der wohl stärksten BBL-Konkurrenz aller Zeiten geschuldet war. Jeder kleinste Fehler wurde gnadenlos bestraft.

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Schon gegen die Wagnerstädter kassierte man in den letzten zehn Minuten 30 Punkte  und setzte den direkten Vergleich leichtfertig aufs Spiel. Nach dem dritten Viertel lag man noch mit 22 Punkten in Front, hatte nur 35 Punkte zugelassen. Glücklicherweise verlor man beim Rückspiel in Bayreuth mit lediglich vier Punkten und wurde für die schlampige Schlussphase, die Rödl damals schon verärgert auf der Pressekonferenz monierte, nicht bestraft. Von diesem Spiel an war der Lack der gut polierten TBB-Defensive angekratzt – auch wenn man bei einigen wenigen Spielen noch einmal an das Niveau der Hinrunde herankam.  

Damit ist auch einer der Hauptgründe für die vielen Auswärts- und Heimniederlagen in der Rückrunde gefunden: Während man in der ersten Saisonhälfte in 40 Minuten lediglich 69 Punkte pro Partie kassierte und sich unter den besten fünf Defensiv-Teams der Liga etablierte, waren es in den 14 Partien der Rückrunde – der  Sieg in Frankfurt nicht eingerechnet – deren 82. Zu viele für eine Mannschaft, die sich das nötige Selbstvertrauen für die Offensive aus einer gut organisierten, aggressiven Verteidigung holt. Das Resultat: Zu viele Einzelaktionen, hektische Korbabschlüsse und frühe Rückstände.

Ein weiterer Grund: In der Saison 2012/13 gab es – bis zu den finanziellen Schwierigkeiten der LTi Gießen 46ers – kein Kanonenfutter. Das Motto lautet: Jeder kann Jeden schlagen. Deshalb muss die Spannung in jedem Spiel 40 Minuten lang hochgehalten werden. Wie stark die Konkurrenz wirklich ist,  zeigt die Situation der Neckar Riesen Ludwigsburg. Von der Seitenlinie gibt der Coach des Jahres 2009 und 2010, John Patrick, die Anweisungen. Im Kader unter anderem: Nationalspieler Lucca Staiger, John Turek, der Ex-Bamberger Derrick Zimmermann und College-Star Marqus Blakely. Selbst vermeintliche Stars und ein starker Coach garantieren keinen Erfolg. Den Ludwigsburgern droht der Abstieg, sollte im Auswärtsspiel in Frankfurt kein Sieg gelingen. Auch die FRAPORT Skyliners, Meister der Saison 03/04, kämpfen im direkten Duell um das nackte Überleben. Zwei namhafte Clubs, die den kalten Atem dieser starken Konkurrenz zu spüren bekommen.

Glücklicherweise wurden die Moselstädter nicht für drei Spiele bestraft, die sie leichtfertig in den Schluss-Sekunden aus der Hand gaben. Gegen Braunschweig, Berlin und Tübingen sah man schon wie der sichere Sieger aus und traf in den entscheidenden Momenten katastrophale Fehlentscheidungen. Wäre man in allen diesen Spielen siegreich vom Parkett gegangen – die Playoffs wären tatsächlich möglich gewesen. Doch mit dem Schicksal hadern hilft in diesem Fall rein gar nichts.

Zukunft

Vielmehr müssen sich Henrik Rödl und sein Assistent Thomas Päch die Frage stellen, an welchen Schrauben man nach der schwachen Rückrunde drehen muss. Ganz oben auf der Liste wird wohl die Diskussion um die Besetzung der Spielmacherposition stehen. Weder Jarrett Howell, noch Bastian Doreth konnten vollends überzeugen. Hier besteht dringender Handlungsbedarf. Gut vorstellbar, dass sich Rödl für einen starken Starter auf der Position des Point-Guards entscheidet und Joshiko Saibou die nötige Entlastung von der Bank bringen wird. Das Experiment, zwei bestenfalls durchschnittliche Aufbauspieler mit gleichen Spielanteilen rotieren zu lassen, kann als gescheitert bezeichnet werden.

Auch Brian Harper bekam in den vergangenen Spielen immer seltener das Vertrauen von Rödl. In den entscheidenden Phasen musste der schlaksige Athlet stets von der Bank zusehen, wie seine Teamkollegen um den Sieg kämpften. Harper kann an guten Tagen ein Spiel entscheiden, will aber häufig zu viel und steht sich dann selbst im Weg. Für einen Weggang Harpers spricht das Planspiel der Coaches, Vitalis Chikoko zukünftig auf der Power-Forward Position einzusetzen. Da Jermaine Bucknor während der Saison einen Zwei-Jahres-Vertrag unterzeichnet hat, wäre für Harper in diesem Fall kein Platz mehr.

Andreas Seiferth signalisierte während der Saison seine Bereitschaft, auch weiterhin für die Trierer auf Korbjagd zu gehen. So wie Maik Zirbes von George Evans profitierte, wäre auch für den jungen Center ein erfahrener Spieler an seiner Seite wertvoll. Interessant: Elvir Ovcina von den Gießen 46ers, der immer noch für rund zwölf Punkte und sieben Rebounds im Schnitt gut ist und wohl kaum Lust verspüren wird, in der zweiten Liga auf Korbjagd zu gehen.

Rödl wird wohl lange überlegen und die Finanzen checken müssen, welche Spieler aus dem diesjährigen Kader gehalten werden sollen bzw. können. Kein Geheimnis ist, dass im Hintergrund an allen Schrauben gedreht wird, um Nate Linhart zu einem Verbleib in der ältesten Stadt Deutschlands zu bewegen. Die Chancen stehen wohl nicht schlecht – trotz der überragenden Saison des US-Amerikaners. Barry Stewart ist auch einer der Musterschüler Rödls und seine Defense über jeden Zweifel erhaben. Auch hier wird Rödl sicher alles unternehmen, um den Vertrag mit dem häufig aber zu phlegmatisch wirkenden Shooting-Guard zu verlängern.

Alles ist offen und es wird sicher keine Schnellschüsse geben. Eine lange und spannende Sommerpause steht bevor. (cw)

1 KOMMENTAR

  1. gute analyse, wobei ich sagen muss, dass ich sowohl howell als auch doreth weitehrin in trier sehen will. finde die machen einen guten job.

  2. @ Dennis. Mit dieser Meinung dürftest zu ziemlich alleine stehen. Außerdem ist das ein Widerspruch. Wenn die beiden einen guten Job gemacht hätten, wäre die Analyse schlecht.

  3. Würde alles so unterschreiben! Bei Ovcina hätte ich allerdings Angst, dass er genau jetzt abbaut. Dojcin wird weg sein und dadurch auch wieder eine Menge Kohle frei. Denke wir werden nächstes Jahr eine starke Truppe haben. Werden auf der Eins wohl nicht wieder so ins Klo greifen.

  4. Derrick Coleman ist ein ehemaliger NBA-Spieler.

    LuBu hat in der Rückrunde Derrick Zimmermann und Eric Coleman verpflichtet.

    Ich würde vieles unterschreiben, aber die Idee mit Ovcina scheint mir abwegig. Hoffentlich verpflichtet die TBB Ovcina nicht. O. ist alt und bekommt wahrscheinlich auch ein hohes Gehalt. Das passt nicht zum Trierer Weg. Da gibt es wesentlich interessantere Spieler in der BBL. Ich bin gespannt, wen H. Rödl nach Trier lotsen wird…

  5. Im Falle eines Frankfurter Abstiegs sollte man mal bei denen vorsichtig anklopfen,wer beim Spiel in Frankfurt dabei war hatt da 2-3 junge hoffnungsvolle Spieler,( Klein,Merz ), gesehn die in das Konzept vom TBB passen würden.
    Vorausgesetzt natürlich sie wären abwanderungswillig und bezahlbar

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