„Schöne neue (Einkaufs-)Welt“?

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Wirtschaftspolitischer Sprecher: Richard Leuckefeld

Bildquelle: B90 / Die Grünen

TRIER. Wie schon die Piratenpartei, sehen auch Bündnis 90/Die Grünen keinen Bedarf für ein weiteres Shopping-Center in Trier. Richard Leuckefeld, wirtschaftspolitischer Sprecher im Stadtrat, prangert an, dass eine unbefangene und kritische Diskussion in Anwesenheit der Vertragspartner kaum möglich sei. Der 60-Jährige bezweifelt eine objektive Herangehensweise der Verwaltung.

Mit Erstaunen hat die Stadtratsfraktion von B 90/Die Grünen registriert, mit welchem Engagement der Stadtvorstand der ECE, dem Investor für ein neues Shopping-Center in Trier, den Weg ebnen will. Nachdem Gerüchte über dieses Vorhaben schon seit längerem die Runde gemacht hatten, wurden am vergangenen Mittwoch, die Stadtratsfraktionen zum ersten Mal offiziell  informiert.

Kernpunkt war die Vorstellung einer „Entwicklungsvereinbarung“ mit der ECE GmbH. Für zwei Gebiete der Innenstadt sollen die Entwicklungsmöglichkeiten untersucht werden:
Die Bereiche Europahalle, Penta-Hotel, Stresemannstraße, Augustinerhof, sowie die Simeonstraße mit Kaufhof und Karstadt. Zwar umfassen die Untersuchungen auch Investitionen für Wohnungsbau, Veranstaltungsräume, Hotels und Dienstleistungen – Kernpunkt bleibt aber die Errichtung eines Shoppingcenters.

„Es ist wenig hilfreich, dass die Vertreter der ECE GmbH, bei dieser Unterrichtung bereits mit am Tisch saßen“, betont der Vertreter der Grünen Stadtratsfraktion Richard Leuckefeld. „Schließlich geht es um ein für die Zukunft Triers wichtiges Vertragswerk. Eine unbefangene und kritische Diskussion in Anwesenheit des Vertragspartners ist kaum möglich“, so der 60-jährige Buchhändler weiter.
Nach Leuckefelds Ansicht hätte man im Vorfeld mit den Fraktionen klären müssen, ob ein städtisches Engagement für eine zusätzliche Shoppingmall und Quartiersentwicklung an diesen Standorten gewünscht wird und ob man dabei ausschließlich mit der ECE GmbH zusammenarbeiten will.  Ebenso war der „Runde Tisch Einzelhandel“, der  für solche Fragen eingerichtet wurde, nicht in die Debatte einbezogen. Der Runde Tisch wurde seit einem Jahr nicht mehr einberufen.

Auch auf Nachfrage von Stadtratsmitgliedern im Fachausschuss wurde in der Vergangenheit ausweichend geantwortet und nur von einem unkonkreten Interesse der ECE berichtet. Dabei waren zu diesem Zeitpunkt bereits Gespräche zwischen Stadtvorstand und ECE im Gange. All das – so der wirtschaftspolitische Sprecher der Grünen – erwecke nicht den Eindruck, dass die Verwaltung unvoreingenommen und objektiv an die Entscheidung herangehe.

Die Verwaltung wolle ein „Strategisches Entwicklungs- und Nutzungskonzept Innenstadt Trier“ (SENI) in Auftrag geben, in dem „ein Handlungs- und Investitionsrahmen erarbeitet werden soll, der gegebene Strukturen der Innenstadt aufzeigt, Entwicklungstrends aufnimmt und konkrete Handlungsziele definiert.“ Aus allen diesen Zwischentönen ist aber nach Auffassung des 60-Jährigen herauszuhören, dass die Stadtverwaltung einem neuen Shopping-Center positiv gegenüber steht.

Leuckefeld: „Die in der Sitzung vorgetragene Analyse der Stadtverwaltung über den Zustand und die Entwicklung des Trierer Einzelhandels läuft genau darauf hinaus. Dieser Eindruck wird auch dadurch verstärkt, dass die ECE von Beginn an in diese Untersuchung mit einbezogen ist. Vergleichbar ist dies damit, als wenn man die Fleischerinnung eine Studie zur vegetarischen Ernährung erstellen lässt. Das Ergebnis ist absehbar“, so der Grüne.

Die Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen sieht grundsätzlich keinen Bedarf für ein zusätzliches Center, verschließt sich aber einer Untersuchung über die Auswirkungen eines Shoppingcenters auf den Trierer Einzelhandel nicht. Diese Studie sollte aber unabhängig von den Interessen eines Investors durchgeführt werden. (red/PM Bündnis 90/Die Grünen)

1 KOMMENTAR

  1. war bis jetzt kein grünenwähler,werde es mir bei der nächsten wahl aber überlegen ! ihr scheint die einzig vernünftigen zu sein!

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