Unheilig entzünden die Lichter der Stadt

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TRIER. Am Freitag residierte der Graf, besser bekannt als „Unheilig“ mit seiner Gefolgschaft in der ältesten Stadt Deutschlands. Als Unterkunft hatten Sie die Arena gewählt. Mit einer Mischung aus lauten, harten Gitarrenklängen und leisen Klaviertönen, überlagert von der tiefen, die Herzen der Fans erreichenden Stimme des Grafen, verwandelte die Band die Halle in einen Ort der Emotionen. 

Über die oft langweiligen Klänge des Mainstreams breitete sich Anfang 2008 eine Stimme aus, die bis dato nicht in den Charts zu hören war. So tief wie der Ozean und so rein wie ein Diamant, gepaart mit schweren Gitarrenklängen und ruhigen Pianotönen. In den zum Teil kryptischen Texten von Unheilig geht es um Selbstverwirklichung, Schmerz, Liebe, das Erreichen von Freiheit und das Überwinden von Ängsten. Wer kennt nicht den Schmerz des Alleinseins? Wer kennt nicht die Situationen, in denen Ängste die Überhand gewinnen und den Menschen davon abhalten, sich selbst zu verwirklichen? Wer kennt nicht die nagenden Selbstzweifel, wenn man sein Leben verändern möchte, um der persönlichen Freiheit und Glückseligkeit einen Schritt näher zu kommen? Auch Michaela und Luka aus Tawern, sowie Anja aus Ayl, „erkennen sich in den tiefgründigen Texten selbst wieder“. Sie waren bereits zum dritten Mal bei einem Unheilig-Konzert und stehen repräsentativ für eine Gruppe von Menschen, die Kraft und Hoffnung aus der Musik des Grafen ziehen. Unheilig ist Balsam für all diejenigen, deren Herzen in der kalten Zeit des Materialismus einzufrieren drohen. Die zum Teil kryptischen Wortaneinanderreihungen des Grafen schleichen sich am kritischen Verstand vorbei und erreichen tiefere Dimensionen, sofern man sich darauf einlassen kann und will und den Zugang findet.

Mit Staubkind, einer deutsche Rockband aus Berlin, und F.R.E.I. , einem Rockprojekt aus Köln, wählte Unheilig zwei Vorbands, die vor allem mit ihren Texten auf den Hauptteil des Abends vorbereiteten. Die Sänger beider Musikgruppen verstanden es, Kontakt zum Publikum aufzunehmen und es schon mal in einen leicht ekstatischen Zustand zu versetzen. Hans Albers war es letztlich, der mit der „Reeperbahn nachts um halb Eins“ den Top-Act einläutete. Sehr skurril, aber okay! Kurz vor dem Auftritt von Unheilig wurde die Bühne in ein tiefblaues Licht getaucht und die Silhouette einer Stadt kam zum Vorschein. In der Mitte ein Glockenturm mit einer Uhr, dessen Zeiger sich hektisch im Kreis bewegte. Seitlich, in symmetrisch angeordneter Form, schwarze Kerzenständer mit großen, weißen Kerzen. Nacheinander kamen die Bandmitglieder auf die Bühne. Als sich der Graf dann endlich zeigte, flippten die knapp 5.000 Besucher regelrecht aus. Es wurde applaudiert, geschrieen und hysterisch gekreischt.

Insgesamt spielte die Band 19 Lieder, davon drei Zugaben. Neben aktuellen Liedern (z.B. „Auf Ewig“, „So wie du warst“, „Eisenmann“) konnte sich das Publikum auch an älteren Songs (z.B. „Feuerengel“, „Mein Stern“, „Spiegelbild“) erfreuen. Mit seiner eigenwilligen Performance, insbesondere den unorthodoxen Handbewegungen, versetzte der Graf das Publikum in die totale Ekstase. Geleitet von den eigenen Emotionen ging er an seine körperlichen Grenzen. Schon nach den ersten Liedern strömte der Schweiß über sein Gesicht. Kurz vor Schluss schrie er ins Publikum: „Könnt ihr noch?“ Dann schaut er zur Seite, so als ob ihm jemand etwas zurufen würde. So war es auch. „Komisch, das fragt mich jedes Mal jemand… Und du? Sehe ich irgendwie fertig aus?“ Ja! Rote Augen, ein nasses Hemd und ein Hecheln verrieten ihn. Trotz dieser Umstände hatte man nie das Gefühl, als sehne er das Ende seines Auftritts herbei. Auch auf die Lieder hatte die sich neigende Kondition keinerlei negative Auswirkungen.

Die Lichter der Stadt gehen noch lange nicht aus. Der Graf tourt noch bis Mitte August durch Deutschland. Viele Fans werden ihm hinterher reisen und zumindest für ein paar Stunden ein tiefes Gefühl des Glücks spüren. (tw)

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