„Mit allen, die glauben, was zu sagen zu haben, werden wir zusammenarbeiten“

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TRIER. Das Projekt „Shopping Center Trier“ kommt ins Rollen. Bei der Pressekonferenz am Mittwoch im Trierer Rathaus wurde jedem Anwesenden klar, dass die ECE Projektmanagment GmbH vermutlich am Viehmarkt eine „zweite Galerie“ bauen wird.

“Manche von Ihnen erwarten Pläne. Es gibt keine.” So eröffnet Oberbürgermeister Klaus Jensen die mit Spannung erwartete Pressekonferenz zu den geplanten Investitionen des Hamburger Einkaufscenterbetreibers ECE an diesem Donnerstag. Man befinde sich am Nullpunkt der Planungen.Gerd Wilhelmus, Geschäftsführer der ECE Developement allerdings,wird nach anfänglicher Zurückhaltung schnell konkreter. Man sei bereit in der Stadt Trier Investitionen in Höhe von 150 bis 250 Millionen Euro zu tätigen. Dabei wolle man allerdings auch in den Neustrukturierungsprozess der Trierer Innenstadt eingebunden werden. Wilhelmus referiert zu magnetischer Anziehung, die zwischen den beiden potenziell in Betracht kommenden Bereichen “Nord” und “Süd” wirken könne. Ein sogenannter “Hundeknochen” könnte entstehen zwischen dem Bereich des heutigen Karstadt-Geländes inklusive Umfeld der Trevirispassage und dem heutigen Standort der Europahalle, deren Vertrag mit der Stadt bald ausläuft. Grundsätzlich interessiere man sich laut Wilhelmus für die Wechselwirkung zwischen beiden Standorten. Eine Überraschung, vorher war man öffentlich von einem Entweder-Oder ausgegangen. Aber auch Interesse an den Einzelstandorten dementiert Wilhelmus nicht.

Dr. Johannes Weinand, Amtsleiter für Stadtentwicklung begrüßt das Investitionsvorhaben von ECE, und wird nicht müde, zu betonen, wie wichtig es doch für die Stadt sei, den „Status Oberzentrum“ zu erhalten und Wachstum zu fördern. Schicke Grafiken veranschaulichen dabei die negative Entwicklung von Kaufkraft und Zentralität Triers seit 2011. Daran hätte auch die Galerie nichts geändert. Und auch die Zukunft sieht laut Weinand düster aus. Gutachten hätten ergeben, dass Trier alleine 14,5% Verkaufsanteil im Bereich Bekleidung verlieren wird, wenn Luxemburg seine drei Großprojekte Royal Hamilus, Auchan und Livange realisiert. Es wäre an der Zeit zu entschieden, selbst zu schrumpfen oder sich in Richtung Wachstum weiterzuentwickeln.

Man gewinnt den Eindruck, die Stadtverwaltung wolle der anwesenden Journalistenschar die Annahme von Alternativlosigkeit möglichst aufdrängen. Weinands Stimme überschlägt sich förmlich bei der Erläuterung all der negativen Auswirkungen, die auf die Stadt zukommen. Wilhelmus spricht gar von einem “Aufrüsten” in der Region, bei der Trier nicht den Anschluss verlieren dürfe. Klaus Jensen definiert zwei Handlungsalternativen. Man müsse sich entscheiden zwischen “es ist doch alles gut,” oder dem Berücksichtigen von aktuellen Entwicklungen und Offenheit gegenüber Veränderungen und Verbesserungen.

Auch Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani betont ihren Willen, “dass Trier Oberzentrum und Einkaufserlebnis bleibt”. Wirtschaftsdezernent Thomas Egger fordert “Handel durch Wandel”, indem ein Zwischenspiel zwischen inhabergeführten Geschäften und Expansionswilligen möglich ist. Der Stadtvorstand strotzt vor Einigkeit: die Stadt müsse sich weiterentwickeln.

Konkret soll das so aussehen: ein Einzelhandelsgutachten ist in Auftrag gegeben dessen Ergebnisse bald vorliegen sollen. Für die anschließende Entwicklung eines Quartiersentwicklungsplans anhand von externen Gutachten für die Standorte Europahalle und Simeonstraße, das die Stadt alleine finanzieren wird, gründet sich eine Leitungsgruppe unter dem Vorsitz von OB Jensen. Zusätzlich gibt es zwei interne Arbeitsgruppen. Eine für Städtebau und Verkehr unter Vorsitz von Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani und eine für die Nutzungsmöglichkeiten der Bauvorhaben unter Vorsitz von Wirtschaftsdezernent Egger. Dabei wird auch Wilhelmus die ersten Skizzen seiner Architekten einfließen lassen, unter Einbeziehung der Öffentlichkeit, wie er betont. “Mit allen, die glauben, was zu sagen zu haben, werden wir zusammenarbeiten.” Damit beschwichtigt er vor allem diejenigen Einzelhändler und Einzelhandelsverbände, die sich zuvor negativ zur potentiellen Konkurrenz geäußert hatten.

OB Jensen betont, dass er seitens des Lenkungsgremium der City-Initiative bei ihrer gestrigen Sitzung “positive Rückmeldungen” erhalten habe. Dabei meint er aber nicht etwa das Investitionsvorhaben generell, sondern das Vorhaben der Stadt, einen “ergebnis- und beteiligungsoffenen Prozess anzustoßen.”

Ergebnisoffen soll er also sein der Prozess, so die Betonung des Stadtvorstandes. Gegen Ende der Pressekonferenz wird es allerdings doch konkret und es ist Wilhelmus, der in die Offensive geht. Ein Vertrag, der der ECE für die nächsten 36 Monate der Planungsphase ein alleiniges Vorkaufsrecht für die Europahalle gewährt und die Beteiligung von ECE an der Quartiersplanung garantiert, sei bereits “unterschriftsreif”. Zum aktuellen Stand um Verkaufsgespräche mit nicht-städtischen Grundstücksinhabern möchte er sich indes nicht äußern. Selbstbewusst betont er auf Nachfrage zu anderen potenziellen Investoren, dass diese wissen müssten, “dass wir uns hier exklusiv einkaufen. Wir sind ja nicht umsonst Marktführer. Glauben Sie mir, wir machen das nicht zum ersten Mal.” Und auch mögliche Beschwerden des ansässigen Einzelhandels weist er als haltlos zurück. “Die klagen ja immer. Klagen gehört zum Handwerk des Handels.” Feuer und Konkurrenz seien gut, schließlich hätten alle etwas davon.

Wilhelmus schwärmt unter anderem bereits von knapp bekleideten jungen Models vor Hollister-Filialen und Hunderten wartender Teenies vor Apple-Store-Eröffnungen. Multifunktionalität steht für ihn im Vordergrund, andere Projekte seien unter diesem Hauptmarkmal in der Vergangenheit durch die ECE realisiert worden. So deutet Dezernentin Kaes-Torchiani bereits an, man könne auch Teile der heute sehr dezentralen Stadtverwaltung unterbringen. Dezernentenkollege Egger träumt von einem Konzertsaal, der in ein mögliches Shoppingcenter integriert ist.

Alles in allem wird man das Gefühl nicht los, dass hier ein marktwirtschaftliches Gefüge außer Kraft gesetzt wird. Die ECE erhält das Monopol, sich als einziger Investor in die Quartiersplanung einzubringen. Jensen betont zwar gegen Ende der Pressekonferenz, dass auch die Fraktionen des Stadtrates einbezogen würden, Vereinbarungen jedoch nicht durch den Stadtrat bestätigt werden müssten.

Es gilt abzuwarten, welchen Einfluss die ECE auf die Planungsphase geltend macht und ob sich der Stadtvorstand mit den vielen möglichen Träumereien nicht in ein überdimensioniertes Unglück stürzt. (kk)

 

1 KOMMENTAR

  1. …und ein Teil der Investitionen geht wohl an das lokale Printmedium, den Stadtvorstand und die ein oder andere Vortragsreihe für Beteiligte wird wohl auch noch drin sein.
    Mit filzigen Grüßen

  2. So werden unsere familien- und inhabergeführten Geschäfte in unserer schönen Einkaufsstadt Trier einem Goliath ausgesetzt, den der Stadtvorstand über das Hintertür hereinlässt. Als Stadtratsmitglied muss maman das Vorkaufsrecht auf die Europahalle für die ECE aus der hiesigen Bereichterstattung erfahren… so transparent ist Politik!!!

  3. Wie sympathisch der Herr aus Hamburg doch rüberkommt. Gibt es eine Steigerung für arrogant, ignorant und hochnäsig? Ist auch nicht nötig. Damit ist alles gesagt.
    Die Herren von der Stadt haben wieder bewiesen, dass Filz und Klüngel nicht in Berlin sondern in Trier erfunden wurden.

  4. herr ob jensen was ist aus ihnen geworden ? schämen sie sich! von diesen karrieregeilen dezernenten( egger, kaes-torrchiani) kann man das ja nicht erwarten.

  5. wieso dürfen diese ausbeuter, Otto und Konsorten,unsere gewachsene Fussgängerzone so einfach und ohne widerstand zerstören?

  6. aha so macht man das! man kauft sich den stadtplaner,und lässt um glaubwürdig zu erscheinen ,diesen mit abenteuerlichen durch nichts zu belegenden behauptungen wie verlust von einkaufszentralitätswerten oder kaufkraft ,kräftig die werbetrommel rühren. es stinkt zum himmel meine damen und herren des stadtvorstandes! wie lange wollen sie sich am nasenring durch trier ziehen lassen? oder gibts auch bei ihnen andere interressen?

  7. Ist es nicht schon immer so gewesen, dass große Fische die kleineren fressen? Konsequenzen werden dabei leider nur allzu leichtfertig ausgeblendet, wenn das eigene Portemonnaie den Vorteil riecht. Drohende Leerstände in bereits bestehenden Strukturen, der Zerfall einer Innenstadt u.v.m. – der mögliche Preis dafür, „Oberzentrum“ zu bleiben, bleibt dabei jedoch nicht den Entscheidern im Halse stecken, sondern denjenigen, die Teil einer Insolvenzenwelle sein werden. Operation gelungen, Patient tot. Das Ansehen einer Stadt als regionales Zentrum definiert sich in nur kleiner Weise über kaufmännisch/architektonische Glanzstücke, sondern vielmehr über eine vielfältige Allgemeinheit, die flächendeckend Kaufkraft generiert. Experimente á la Löhr-Center braucht Trier nun wirklich nicht! Die ECE interessiert in keiner Weise (!) für diese Konsequenzen! Und jetzt wäre es interessant zu erfahren, wer durch diese Entscheidung persönlich profitiert: Welche monetären Verträge gibt es ggü. der Presse, wem gehört der Grund und Boden, auf dem das Ganze gebaut werden soll, welche Dezernate bekommen Etats zugeschustert und welche Redner tauchen auf der Lohnliste der ECE auf? Trier ist ein kleiner Fisch – Köder geschluckt.

  8. Hat alles seine Vor- und Nachteile.

    Ich war vorige Woche in einer der ECE-Galerien, der Stadt-Galerie in Plauen. Ich muss sagen: Das Teil ist super – kein Vergleich zu der doch arg lieblosen City-Galerie. Und an einem stinkgewöhnlichen Wochentag tanzte da der Bär, wohl auch, weil es attraktive Ruhezonen mit Brunnen und Gedöns statt einfach nur Wartesaalbänken gibt.

    Ich hab noch gesagt: „Sowas kannste in Trier nicht hinstellen“ – und sehe mich nun, gerade mal eine Woche später, möglicherweise korrigiert.

    Kunden wollen angezogen werden. Über den reinen Nutzwert („da kann ich einkaufen“) hinaus bedarf es attraktiver Innengestaltung, die mehr bietet als Läden in Schuhkartonbauweise. Und mit inhabergeführten Geschäften allein zieht man auch keine Massen nach Trier.

    Wenn ein Teil der Kundenströme von der grünen Wiese wieder in die Innenstadt gelenkt wird, profitieren dann nicht letztlich alle davon?

  9. @ Wortsalat: Du vergleichst Äpfel mit Birnen. Plauen hat nicht einmal 70 000 Einwohner und sicherlich keine so große und mit so vielen Kaufhäusern und inhabergeführten Geschäften gefüllte Fußgängerzone. Außerdem spielt sich in und um Trier auf der Grünen Wiese weniger ab, als im Osten. Es gibt doch genug Geschäfte hier, um (fast) allen Ansprüchen, die man an eine Stadt dieser Größe stellt, gerecht zu werden. Aber vielleicht bist du ja auch noch damit einverstanden, dass der ECE die Entwicklungskosten erlassen werden. Die zahlst übrigens auch du, solltest du in Trier wohnen. Und ich habe schon liebloseres gesehen als die Galerie. Auch im KDW in Berlin ist nicht alles wunderbar, obwohl es das bekannsteste Kaufhaus der Republik ist.

  10. *grinsel*

    Nachdem ich auf anderen Quellen diverse Berichte und Kommentare gelesen habe, klingen meine Kommentare wie nachgeplappert. Ist aber nicht so, hier wird nicht plagiiert, hab das Geschreibsel ohne Kenntnis der anderen Quellen verfasst.

    Was andererseits auch wieder betrüblich ist, mindert es doch die Einzigartigkeit meiner Gedankengänge – ich koche auch nur mit Wasser *buhäh* Schlimm, schlimm 😉

  11. mich als kunde interessiert erst einmal das angebot – und das würde durch dieses ece center unbestritten größer werden!

  12. @ Kunde: So denken auch die Leute, die sich für ein paar Cent Eier kaufen und sich dann über die katastrophalen Verhältnisse bei der Geflügelhaltung aufregen. Natürlich wird das Angebot größer, ist ja nur Mathematik. Und wie viele andere gehen deswegen kaputt, weil sich einer die ohnehin vollen Taschen noch voller macht. Egal. Hauptsache man bietet dir eine größere Angebotspalette. Diesem Land ist nicht mehr zu helfen.

  13. eins ist so sicher wie das Amen in der Kirche – das …Center… kommt.

    Es ist zu hoffen, dass die z.T. extrem weichgespülten Stadtoberen dem Druck stand halten, der durch die Investitionsumme und den bereit gestellten „Bonbons“ aufgebaut wird.
    Wichtig sollte sein dass die Entwicklung der Stadt im Ganzen beachtet wird, dann kommt das Geld für die Sanierung des Theaters von selbst. Wenn aber zum jetzigen Zeitpunkt schon mit solchen Überlegungen gewunken wird, habe ich meine Zweifel dass alles mit rechten Dingen zugeht

  14. @kunde:nein kunde das angebot wird nicht größer,sondern nur uniformer!!!!! und noch eins ,glauben sie wenn hier nochmal mindestens 30000 quadratmeter zusätzliche verkaufsfläche hinzukommen,würden die anderen bisher in einer homogenen, von allen besuchern geschätzten, fussgängerzone betriebenen läden überleben? ich war gestern in ESSEN ,dort können sie sehen was ein riesiges center aus einer ehemals relativ schönen fussgängerzone gemacht hat ;sie finden dort nur noch ramsch und 1-euroläden. wenn sie das mit größerem angebot meinen ,dann herzl glückwunsch.

  15. @ heike franzen:liebe frau franzen(stadtratsmitglied),schön ,daß sie sich aufregen ,keine information bekommen zu haben! hier bekommen sie jetzt von mir die info,daß genau dieser modus derzeit bei der vergabe der cateringrechte für die arena abläuft. großes geschwätze von ausschreibung ,in wirklichkeit aber alles schon in trockenen tüchern ! wenn sie glaubwürdig sein wollen , gehen sie der sache doch mal nach und informieren sie uns bürger wieso keine ausschreibung stattfindet.

  16. @amboss: wenn das stimmt ,dann ist das doch wohl der hammer! wahrscheinlich still und hemlich mit dem vormieter/pächter ,zu für ihn besseren bedingungen ,verlängert!!!!

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