„Das vergisst man nicht so schnell“

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TRIER. Christiane Probst, Fraktionsvorsitzende der FWG im Trierer Stadtrat, ist der Frust der vergangenen Wochen bei der Mitgliederhauptversammlung der Freien Wählergemeinschaft Trier e.V. deutlich anzumerken. „Wütend und sehr aufgebracht“ sei sie gewesen, als ihr die anderen im Stadtrat vertretenen Fraktionen in Sachen Schulentwicklungskonzept keine Zusammenarbeit angeboten hätten, sagte sie am Mittwoch. Ein paar Wochen nur ist es her, als SPD, CDU, Grüne und FDP gemeinsam einen Kompromiss fanden, den viele nicht noch vor der im Juni nächsten Jahres anstehenden Kommunalwahl für möglich gehalten hätten. Die FWG hatte sich schon früh kategorisch gegen Schulschließungen ausgesprochen, die anderen Fraktionen sahen auch deshalb offensichtlich keinen Gesprächsbedarf. “Das vergisst man nicht so schnell”, erklärt die enttäuschte Fraktionsvorsitzende.

Generell nimmt Probst in ihrem sechs DIN- A-4-Seiten umfassenden Rechenschaftsbericht vor gut 40 anwesenden Mitgliedern kein Blatt vor den Mund. Kritik an der Verwaltung wegen fehlendem Personalbemessungskonzept, Kritik am Oberbürgermeister einschließlich Wirtschaftsdezernent Thomas Egger wegen versäumter Bemühungen um den Moselaufstieg und vernachlässigter Wirtschaftspolitik, Kritik an “unserer Tageszeitung”, die viel zu wenig über das ehrenamtliche Engagement der FWG berichte, als vielmehr über Parteiaktivitäten.

“Die Parteien” sind es auch, von denen FWG-Vorsitzender Prof. Dr. Hermann Kleber spricht, wenn er diejenigen meint, die für die anstehenden Wahlkämpfe zwar finanziell besser ausgestattet seien, ihre Unabhängigkeit aber längst verloren hätten. Damit räumt er klar Spekulationen aus dem Weg, die FWG würde sich an überkommunalen Wahlkämpfen beteiligen oder gar selbst von der Vereinsstruktur in eine Parteistruktur wechseln. Die existenzielle, materielle und persönliche Unabhängigkeit sei jedoch einer der Grundpfeiler der FWG. Es wäre zwar wünschenswert auch auf höherer Ebene zu agieren, letztendlich sei jedoch die Kommunalpolitik die tragende Säule für die Wahrnehmung der Freien Wähler.

Nicht zuletzt appellierte er dabei auch an die etwas ergraute Mitgliederschaft, vor allem Jugendliche aus ihrem Umfeld für die Kommunalpolitik zu gewinnen: “Wir brauchen die! Junge Gestalter von morgen! Unsere Demokratie funktioniert nicht von alleine!”

Eines ist sicher: zwar hat die FWG offensichtlich ein Nachwuchs-, aber kein Vernetzungsproblem. Sechs Abgeordnete im Stadtrat und unzählige Vertreter in Ortsbeiräten, dazu in den letzten Jahren etliche Besuchstermine bei regionalen Betrieben sind Ausdruck einer FWG, die den anderen Parteien im Kommunalwahlkampf definitiv gefährlich werden könnte. Mit den Kernthemen Wirtschaft und Finanzen wird sie damit vor allem die Existenzberechtigung der FDP infrage stellen, die nach Aussage der  Fraktionsvorsitzenden Probst aufzupassen habe, nicht bloß Anhängsel ihrer Fraktion zu werden.

Ein wenig pausieren kann es noch, das an diesem Abend komplett einstimmig (wieder)gewählte Vorstandsteam um Prof. Kleber. Es hat schließlich keinen ressourcenfressenden Bundestagswahlkampf zu führen. Die Weichen stehen auf Kommunalwahlkampf und für die FWG hat der Angriff auf “die Parteien” dabei gerade erst begonnen. (rom)

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