„Das muss wohl im Jura gewesen sein“

0

TRIER. Am gestrigen Montag hatte der Marketing-Club Trier-Luxemburg e.V., die Vereinigung Trierer Unternehmer, die Region Trier e.V. (VTU) und der Kreis Junger Unternehmer Trier (KJU) zu einer Gemeinschaftsveranstaltung im Stadttheater eingeladen, die ungewöhnlich und sehr erheiternd war. Für die mit Dauer der Veranstaltung zunehmend  bis an die Schmerzgrenze beanspruchten Lachmuskeln war Werner Koczwara verantwortlich. Der Schwabe gehört zur deutschen Kabarett-Elite und füllt mit seinen Programmen sowohl Kleinkunstbühnen als auch große Hallen. Pro Jahr steht er sage und schreibe 170 Mal auf der Bühne und das sogar mit drei verschiedenen Programmen gleichzeitig.
Von Sarah Fais

Am gestrigen Abend gab er sein Programm “Am achten Tag schuf Gott den Rechtsanwalt“ zum Besten, das mit etlichen Kleinkunstpreisen ausgezeichnet wurde. Mit einer Spielzeit von mehr als 12 Jahren und als 1000 Aufführungen (vermutlich Weltrekord), ist dieses Programm das meist gespielte im deutschsprachigen Raum. Werner Koczwara nahm seine Zuschauer mit auf ein juristisches Fortbildungsseminar der etwas anderen Art und das, obwohl er selbst keinen Tag Jura studiert hat. Mitgebracht hatte er den “dicken Schönfelder“, die Bibel und das BGB. Alle drei Bücher enthielten reichlich Stoff für einen wirklich unterhaltsamen Abend.  Viele Gesetze sind älter, als die Menschen die heute noch leben, weshalb der Kabarettist mutmaßt, dass der Begriff “Jurist auf die Epoche des Jura zurückgeht.“ Um korrekt zu bestimmen, wie viele Paragraphen der Schönfelder beherbergt, hat Koczwara seine eigene Mathematik entwickelt. Seine Formel: Man reiße einfach eine Seite mit zehn Paragraphen heraus und zünde sie an. Dann wartet man, bis besagte Seite völlig abgebrannt ist. Danach zündet man den gesamten Schönfelder an und wartet wieder. Der Rest lässt sich mit einem einfachen Dreisatz berechnen. Nach diesem Verfahren schätzt Koczwara den Inhalt des juristischen auf 25. 000 Paragraphen.

Auch das Wort “Ohnbeiner“ dürfen die Zuschauer nun ihn ihren Sprachgebrauch aufnehmen und verstehen es sogar absurderweise. Denn dieses Wortungetüm steht im Juristendeutsch für einen beidbeinig Amputierten. In den ganz wichtigen Paragraphen ist auch das Bundesrasenmähergesetz geregelt. Koczwara klärt auf: Rasen mähen nach 22 Uhr ist untersagt. “Dabei ist Rasen mähen im Dunkeln doch für Jedermann und Jederfrau – immer die weibliche Form miteinbeziehen, wir wollen ja niemanden diskriminieren – ein Hochgenuss.“ Der Kabarettist “informiert“ die Zuhörer auch über die Bedeutung von Tieren in deutschen Gesetzbüchern. Was im Paragraphendschungel nicht fehlen darf, sind natürlich auch das “Konversations- und Legegegacker“ von Hühnern und das „Herrenlos werden eines Bienenschwarms.“ Den Unterschied beim Gegacker führt er live vor. Konversation spielt sich bei Hühnern auf ein- und derselben  stimmlichen Ebene ab, während das “Legegegacker“ einen triumphalen Start hat. Spätestens zu diesem Zeitpunkt erinnerten die Begeisterungslaute einiger Damen auf den hinteren Plätzen sehr an “Legegegacker“.

Werner Koczwara weiß genau, wie er sein Publikum zum Kochen bringt und führt charmant, unterhaltsam und gewürzt mich schwarzem Humor durch den Abend. Eine Pointe jagte die nächste und der Witz war immer intelligent, niemals flach. Wolfgang Lauer aus Trier fand “die trockene Juristerei sehr interessant präsentiert“, Michael De Renet aus Mülheim an der Mosel erfreute vor allem an den Wortspielen des Künstlers, nannte den Abend “sehr kurzweilig“. Ironie des Schicksals: Seine Frau ist Juristin, wollte jedoch nicht mitkommen, da sie Juristenwitze schon zur Genüge kennt.

Abgehandelt wurde auch das Thema Mord und Totschlag. Koczwara zitierte aus dem Gesetzbuch: “Wer eine Leiche befördert, ist ein zuverlässiger Beförderer, wer jedoch ein Skelett befördert, ist ein unzuverlässiger Beförderer. Das ist noch nicht alles. Nach der StVO muss der Letzte bei einer Trauerprozession ein Warndreieck am Rücken tragen. Alles das steht im Leichenbeförderungsgesetz. Damit nicht genug mit dem Thema Tod. Nach der Friedhofsordnung muss einmal im Jahr am Grabstein gerüttelt werden und zwar dann, „wenn er verrückt geworden ist“. Auch von solchen Gesetzen muss man mal gehört haben, man weiß ja nie wann man die nächste Leiche befördert oder wann das alljährliche Grabsteinrütteln ansteht. Findet zumindest Werner Koczwara.

Es war faszinierend und interessant zugleich, vor allem für Nicht-Juristen, welche Gesetze das BGB so hergibt. Das reinste Mekka für einen waschechten Kabarettisten und hoffentlich auch weiterhin ein guter Nährboden für weitere spitzzüngige Pointen und Witze voller Intelligenz und Selbstironie. Denn wir lachen auch ein wenig über uns selbst, und über sich selbst kann man häufig am meisten lachen. Man tut es nur zu selten. (SaFa)

 

1 KOMMENTAR

  1. ein herausragendes stück war das! meine frau und ich haben uns köstlich amüsiert und können es nur weiterempfehlen. werner koczwara ist ein absoluter meister seiner zunft!

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Klarname ist nicht erforderlich. Eine E-Mail-Adresse muss angegeben werden, wird aber nicht veröffentlicht.