Willis Korbleger

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Der FC Bayern München polarisiert wie sonst kein Verein im deutschen Fußball. 50 Prozent Anhänger, 50 Prozent Gegner – so ungefähr teilen sich die Lager. Ursächlich für diese Schwarz-Weiß-Trennung ist nicht zuletzt die Person Uli Hoeneß und dessen Tiraden und Handlungsmuster. Was im Fußball an der Tagesordnung ist, wird nun auf den Basketball übertragen. Warum sollte sich der Mann ändern.

Zumindest im eigenen Haus gibt es ja keinen, der es wagt, gegen ihn aufzumucken. Außer dem „Kaiser“, den aber ohnehin keiner mehr so wirklich ernst nimmt. Kaum in der (Basketball-) Bundesliga angekommen, rollt die Dampfwalze vom Tegernsee schon über sie hinweg. Bayern-Präsident Uli Hoeneß, nach eigener Wahrnehmung wohl “The Godfather“ der Fußball-Funktionäre, wusste vor vier, fünf Jahren noch nichts über Basketball als Sport. Da pflegte er nach kämpferisch nicht befriedigenden Vorstellungen der Fußball-Abteilung seines FC Bayern noch zu schimpfen, er erwarte körperbetonten Einsatz, schließlich sei man ja nicht beim Basketball.

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Er wusste nur: Die NBA mit ihrer weltweiten Präsenz und dem Merchandising muss unser Vorbild sein. Damit meinte er aber die Fußball-Bundesliga, nicht die BBL. Was den Basketball angeht, hat er in den letzten Wochen gleich zu mehreren Rundumschlägen ausgeholt. Dass Alba Berlins Aufsichtsratsvorsitzender Axel Schweitzer das Münchener Basketball-Modell mit denen der Scheichs in anderen Fußballklubs im Ausland verglich, führte Hoeneß darauf zurück, dass „Herr Schweitzer wohl zu viele Interviews von Herrn Watzke gelesen hat.“ Dabei wird er selbst nicht müde, die Praxis zu geißeln, dass mit dem FC Bayern konkurrierende Fußballvereine einen Wettbewerbsvorteil hätten, weil sie mit Öl- oder sonstigen Milliarden zugeschüttet werden.

Und was ist mit „seinem FC Bayern“ im Basketball?“ Der wäre höchstens regionalliga-tauglich, gäbe es die Millionen aus dem Fußballtopf nicht. Denn was machte Hoeneß, kaum dass er von Bambergs Geschäftsführer Wolfgang Heyder vor drei Jahren bequatscht worden war, in den Basketball zu investieren? Er ging nach guter Fußball-Bayern-Unsitte auf Einkaufstour und hatte bereits in der zweiten Liga eine Mannschaft zusammen, die vielen Erstligisten zur Ehre gereicht hätte. Inklusive des damaligen Bundestrainers Dirk Bauermann. Das Engagement im Basketball war einfach zu verlockend, kann man doch für das Gehalt eines einzigen FCB-Fußballers ein komplettes titelfähiges Team zusammenstellen. Dass die einfachste Möglichkeit, nämlich den Pokal zu gewinnen, vor wenigen Tagen in die Hose ging, führte jetzt wohl auch dazu, der O2-World in Berlin das Niveau einer besseren Schulturnhalle zu bescheinigen.

Und einmal in Rage, wurde die BBL-Führung gleich mit in die Tonne getreten. Zugegeben – es gibt sicher etliche Dinge, die verbessert werden könnten. Aber selbst in der DFL, die vom Budget und damit der Professionalität nicht mit der BBL zu vergleichen ist, gibt es, wie überall, Dinge, die nicht nur positiv gesehen werden können. Hoeneß wettert über den Fernsehvertrag mit Sport 1 und die fehlende Medienpräsenz bei den Öffentlich-Rechtlichen. Dass das so ist, daran trägt er selbst große Mitschuld. Die Gier nach immer höheren Erlösen aus den Übertragungsrechten lässt ARD, ZDF und Co. kaum noch Luft, außer über Fußball und internationalen Großereignissen auch noch ausführlich über Hallensport zu berichten. Handball, Eishockey und Basketball, um nur die renommiertesten zu nennen, finden daher nur im Pay-TV und in Spartensendern statt. Das alles weiß Herr Hoeneß, aber in solchen Momenten kann er halt nicht anders. „Lieblos, geschmacklos und billig“, so wird er zitiert, sei die O2-World, und „wenn wir mal eine neue Halle bauen, dann machen wir das besser, wie immer in München.“ Ja, so isser, der Uli. Wie soll Martin Luther gesagt haben, als er seine 95 Thesen vor dem Reichstag verteidigte: „Hier stehe ich und kann nicht anders! Gott helfe mir, Amen!“ Willi Rausch

1 KOMMENTAR

  1. @kotzbrocken: ein interessanter vergleich. hoeneß ist schlimmer als ackermann oder die geschäftsführer der pleitebanken der usa oder tausende andere skrupellose geschäftsleute. passt irgendwie nicht.
    zum artikel: sehe es wie @thomas. der artikel zielt halt wieder auf die offensichtliche zielscheibe. aber die zielscheibe zieht eben alle augen auf sich. und schöngerede gibts schon mehr als genug im deutschen basketball. natürlich findet man einzelheiten die nur provokant und unhilfreich sind, aber insgesamt nützt der hoeneß dem dt. basketball.

  2. @Thomas und bam
    Uli Hoeneß hat dem deutschen Basketball schon geholfen. Damit, dass er den Gegnern mit seiner ach so beliebten Legionärstruppe die Hallen füllt. Und dabei wird es auch bleiben.

  3. Man sollte zwischen dem Menschen und dem Manager Uli Hoeneß unterscheiden! Der Mann wird den Basketball weit nach vorne bringen, da bin ich ganz bei Thomas. Er ist unbestritten ein absoluter Vollprofi und setzt sich zu 1000% für sein Team ein. Neid ist immer noch die höchste Form der Anerkennung…

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