Eintracht Trier: 2:2 beim Derby in Koblenz

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KOBLENZ/TRIER. Das Rheinland-Pfalz-Duell zwischen der TuS aus Koblenz und der Eintracht Trier benötigte 45 Minuten Anlaufzeit. Nach einer zähen und ereignisarmen ersten Hälfte erlebten die offiziell 2.711 Zuschauer im Stadion Oberwerth eine phasenweise völlig verrückte zweite Hälfte. Am Ende beendeten nur noch zwanzig Spieler die Partie mit einem unter dem Strich gerechten 2:2-Unentschieden.

Die Enttäuschung war ihm anzumerken. Knappe zehn Minuten vor dem Anpfiff des Rheinland-Pfalz-Duells trottete Andreas Lengsfeld kopfschüttelnd vom Platz – just in dem Moment, als der Koblenzer Stadionsprecher die Aufstellung der Eintracht verlas – mit Lengsfeld im Tor. Was war passiert? Beim Aufwärmen verletzte sich die Nummer Eins am kleinen Finger, sodass Stephan Loboué kurzfristig in die Startaufstellung rückte und ins kalte Wasser geworfen wurde. Es war eine Personalie, von der im Laufe der Partie noch zu sprechen sein sollte…

Loboué schien seine kurzfristige Berufung wenig auszumachen – er hatte auch keine andere Wahl, waren es in den ersten zehn Minuten die Koblenzer, die mit dem Rückenwind von dreizehn Punkten aus den vergangenen sechs Partien besser ins Spiel fanden und die ersten Chancen für sich verbuchen konnten. Christian Gentner bediente per Freistoß von der Strafraumkante Stefan Haben, der mit seinem wuchtigen Kopfball das Tor der Eintracht nur knapp verfehlte (2.) – und spätestens nach einem satten Schuß vom Ex-Eintrachtler Thomas Klasen war Loboué endgültig im Spiel, als er in höchster Not die Fäuste an den Ball bekam, ehe Michael Dingels die Situation endgültig klären konnte (9.). Einzig ein Fernschuss von Steven Kröner aus zwanzig Metern, den der Koblenzer Schlussmann Dieter Paucken nur mit Mühe entschärfen konnte, war die einzig nennenswerte Offensivaktion der heute in Weiß auflaufenden Eintracht in der Anfangsphase. Auch Marco Quotschalla, der durch den verletzungsbedingten Ausfall von Chhunly Pagenburg (Muskelzerrung) im Vergleich zur Partie am vergangenen Mittwochabend gegen den SV Waldhof Mannheim (1:0) als einzige Spitze im Seitz’schen 4-2-3-1 agierte, konnte keine Akzente setzen.

Viele lange Bälle fanden keinen Abnehmer, zwingende Bemühungen in Richtung des gegnerischen Tores waren hüben wie drüben Mangelware und in beiden Reihen fehlte es auf dem schwierig zu bespielendem Rasen an Genauigkeit im Passspiel. Einzig ein Abseitstreffer von Klasen (28.) sorgte in dieser Phase für Aufregung – doch die Entscheidung von Bundesliga-Schiedsrichter Christian Dingert nach Jérome Assauers Pass war unstrittig. Dann die 34. Minute: Christoph Anton tankt sich auf der rechten Seite durch und zwingt Paucken mit seinem Schlenzer in die lange Ecke zu einer Glanztat – die bis dato beste Offensivaktion der Eintracht. Doch nur Augenblicke später musste die Aufstellung der Eintracht bereits zum zweiten Mal am heutigen Tag geändert werden: Mario Klinger verletzte sich bei einem Zweikampf im Mittelfeld, die vakante Position besetzte Maximilian Watzka. Bitter: Klinger wird der Eintracht in den kommenden Wochen fehlen, die Diagnose lautete auf Muskelfaserriss.

Unverändert kamen beide Mannschaften aus der Pause – doch auf dem Feld änderte sich einiges! Bereits mit der ersten Aktion in der zweiten Halbzeit war die Eintracht erfolgreich. Nach einem Foul an Brighache zwirbelte Alon Abelski den Ball butterweich auf Steven Kröner, der per Kopf in die lange Ecke verwandelte (47.). Doch nur eine Minute später der Schock: Klasen tauchte frei vor Loboué auf, der sich nur mit einer Notbremse zu helfen weiß – Platzverweis und Elfmeter für Koblenz (49.). Ein Kuriosum! So schlug die Stunde des eigentlich verletzten Andreas Lengsfeld doch noch – Christoph Anton musste das Feld verlassen. Vier Minuten dauerte die Unterbrechung, ehe sich Dimitrios Ferfelis das Leder zurecht legte und flach in die rechte untere Ecke einschieben konnte – der Ausgleich (54.) in einem nun völlig hektischen Spiel. Und es wurde schlimmer: nach einer Ecke konnte der Ball von der Trierer Innenverteidigung nicht weit genug geklärt werden – Kevin Lahn stand goldrichtig und vollstreckte mit einem satten Flachschuss zum 2:1 aus Koblenzer Sicht (57.). Doch die Eintracht, sie bewies Moral, schüttelte sich kurz – und schlug zurück: der indisponierte Murat Sejdovic nahm im eigenen Strafraum die Hand zum Ball und kassierte nun ebenfalls den roten Karton  – den fälligen Handelfmeter verwandelte Marco Quotschalla sicher (65.). Binnen zwanzig Minuten war die zähe erste Hälfte vergessen, das Spiel nun ein komplett anderes und die rund 200 mitgereisten Eintracht-Anhänger stimmlich wieder deutlich überlegen.

Beide Mannschaften sammelten sich nach dieser ereignisreichen Phase für die Schlußoffensive, die durch einen Eckball von Alon Abelski eingeläutet wurde (84.). Diese landete wieder auf dem Kopf vom Torschützen zum 1:0, Steven Kröner, der jedoch die perfekte Vorarbeit nicht drücken konnte und den Ball über den Kasten von Dieter Paucken köpfte. Für die Pointe des Spieles hätte in der 87. Minute Erdogan Yesilyurt mit einer Kopfball-Bogenlampe sorgen können – doch die Flugbahn meinte es nicht gut mit den Trierer Siegambitionen und die Kugel klatschte an die Latte. So blieb es unter dem Strich beim alles in allem leistungsgerechten 2:2-Unentschieden.

“Es war ein verrücktes Spiel auf einem schwierig zu bespielenden Rasen”, konstatierte Roland Seitz nach der Partie. “Vielleicht hätten wir am Ende noch den Sieg sogar verdient gehabt – aber das Remis geht unter dem Strich in Ordnung.” (Pressemitteilung Eintracht Trier)

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