TBB Trier: Hausbesuch – „Baby Buck“ für Deutschland?

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TRIER. Jermaine Bucknor kam ursprünglich als Ersatz für den verletzten Dragan Dojcin ins Trierer Team. Zunächst war der Vertrag mit dem Kanadier auf vier Wochen befristet. Aber schon im ersten Testspiel deutete er an, wie wertvoll er für das Team sein könnte. Sascha Beitzel und Co. machten zusätzliches Geld locker und gaben ihm einen Zwei-Jahres-Vertrag. Eine Win-Win-Situation für den werdenden Vater und den Verein. Wo er sich am liebsten aufhält, welche Bücher er mag und warum es auch Nordamerikaner gibt, die Apfel-Schorle mögen, lesen Sie hier. Im lokalo-Feature besuchen wir TBB-Spieler in ihren eigenen vier Wänden – daher der Titel „Hausbesuch“ – und geben einen kleinen Einblick in das Leben der Basketball-Profis. Heute bei Jermaine Bucknor und seiner musikalischen Frau Bethany.

„Bucknor“ steht auf der Klingel – die Wahrscheinlichkeit, vor der richtigen Tür zu stehen, ist ziemlich groß. Trierer, die Bucknor heißen, sind meines Wissens rar gesät. Als nach dem Klingeln ein englisches „Hello?“ aus der Box erklingt und mir wenig später die Tür geöffnet wird, ist klar: Hier bin ich richtig. Jermaine empfängt mich  in Basketball-Shorts – das Training ging vor dreißig Minuten zu Ende. Schon der nächste Satz offenbart die ersten Unterschiede zwischen ihm und Brian Harper: „Willst du eine Apfel-Schorle?“

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Harper macht keinen Hehl daraus, Apfel-Schorle zu hassen. Bucknor hingegen hat sich nicht nur daran gewöhnt, sondern den in den USA unbekannten Mix aus Sprudel und Apfelsaft lieb gewonnen. „Was Brian angeht: Das kriegen wir bis zum Ende der Saison auch noch hin. Anfangs habe ich es auch nicht gemocht.“ Am Esstisch des geräumigen Wohn- und Essbereichs fällt das Gespräch zunächst auf den kanadischen Teamkollegen und langjährigen TBB-Kapitän James Gillingham. Jermaine zeigt mir ein Foto, auf dem Fans in Bucknor und Gillingham Trikots mit dem Rücken zum Fotografen stehen. „Das habe ich ihm gestern geschickt. Er musste lachen. Wir telefonieren häufig, gestern noch eine gute Stunde lang. Er war es auch, den ich vor meinem Engagement um seine Meinung gebeten habe.“ Gillingham erzählte ihm alles über den Club, die Organisation und Aggy.

Der Trierer Physiotherapeut ist laut Bucknor vielleicht DAS Gesicht des Trierer Basketballs. „Ich kann mir TBB Trier ohne Aggy nicht vorstellen. Er ist unglaublich hilfsbereit – noch letzte Woche hat er mir Sachen aus dem Supermarkt besorgt, bei denen ich nicht genau wusste, wie ich danach fragen soll. Außerdem ist er natürlich verdammt witzig und einfach Aggy!“ Jermaine lacht.

Der Kanadier hat große Teile seiner Profikarriere in Frankreich verbracht. Als das Thema auf unser Nachbarland fällt, überlegt Jermaine kurz und gibt dann eine ausführliche und interessante Antwort. „Ich mag Frankreich sehr, hatte die Chance, dort einige Zeit zu leben und die Sprache zu lernen. Mit meinen Teamkameraden kam ich auch immer sehr gut aus. Die französische Kultur ist aber wiederum eine ganz andere, als die deutsche.“ Im nächsten Atemzug erklärt der 2,01-Meter-Mann, warum er Deutschland liebt. Die Menschen hier seien viel gastfreundlicher als in Frankreich, auch die Scheu, Englisch zu sprechen, gebe es nicht. „Das ist in Frankreich anders – und sicherlich der Hauptgrund, warum ich jetzt ziemlich gut französisch spreche. Anders kommt man da in die Bredouille“, gibt er zu. Nun stößt auch seine Frau Beth zu uns – und auch sie hat eine Meinung zu dem Thema. Die Menschen dort seien anders und die beiden sind sich einig, dass sich das auch in den Clubs widerspiegelt. „In Deutschland, egal ob in Frankfurt, Würzburg oder eben hier in Trier, kümmert man sich viel besser um die Spieler, ihre Frauen und Kinder. Alles ist familienfreundlicher.“

Wenig später gibt es auch eine Erklärung für seine häufigen Vereinswechsel in der Vergangenheit. Früher habe er vor allem nach den Clubs geschaut, die die besten sportlichen Perspektiven und finanzielle Sicherheit geboten hätten – teilweise habe er aber auch Vereinswechsel hinnehmen müssen, da nicht mehr mit ihm geplant wurde. „Das hat sich aber 2011 geändert, als ich meine Frau Bethany geheiratet habe. Wir erwarten ein Kind – dann ist es einfach toll, wenn man irgendwo heimisch wird. Wir erwarten das Baby im August und der Zwei-Jahres-Vertrag gibt uns die nötige finanzielle und planerische Sicherheit.“

Das Baby – ein Junge – wird in Trier zur Welt kommen. Die Bucknors werden den Sommer in der ältesten Stadt Deutschlands verbringen und sich den stressigen und belastenden Rückflug kurz vor der Geburt sparen. Ob „Baby Buck“, wie es auf dem schon zu Hause bereit liegenden TBB-Trikot steht, dann – entsprechendes Talent vorausgesetzt – für Deutschland auf Korbjagd gehen wird? „Es wäre zumindest einfacher, als es derzeit ins kanadische Nationalteam zu schaffen. Wir haben viele junge Talente und innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre werden wahrscheinlich 15 bis 20 Kanadier in der NBA spielen.“ Seine eigene Karriere im Nationalteam lässt er hingegen offen. „Ich bin den Sommer über in Trier, habe aber einen guten Draht zu Coach Triano. Mal sehen, was passiert. Ich wäre gerne bei den Olympischen Spielen dabei und obwohl es Spieler gibt, die athletischer sind als ich, braucht man doch immer gute Shooter, oder“, fragt er lächelnd.

Apropos Shooter: Videospiele, die bei Joshiko Saibou, Nate Linhart und Co. hoch im Kurs stehen, sind nichts für den werdenden Vater. „Ich bin kein großer Fan davon. In meiner Freizeit lese ich lieber ein gutes Buch, höre Musik oder schaue mir Filme an. Ich lese gerne und viel und bekomme bald Nachhilfe von Beth am Piano.“ Beth verrät, dass die Leseschwerpunkte derzeit Bücher über Schwangerschaft und Babies sind. Jermaines Lieblingsbuch ist aber nach wie vor „Wild at Heart“ von John Eldredge. Seine Lieblingsfilme sind einem anderen Genre zuzuordnen. „Troja ist mein absoluter Lieblingsstreifen. Auch ähnlich gelagerte Filme wie Gladiator, 300 oder Fantasiestreifen à la „Der Herr der Ringe“ schaue ich mir regelmäßíg an. Troja habe ich bestimmt schon hunderte Male gesehen.“ Was die Übungen am Piano angeht, wird Beth mit ihrem Gatten bei null anfangen müssen. Erst kurz vor meinem Besuch kam das neue Schmuckstück im Hause Bucknor an – und Jermaine reagierte entsprechend geschockt auf meine Anfrage, ob er etwas vorspielen kann. Während seine Frau aus einer Musikerfamilie stammt, von Kindesbeinen an Musik macht – ihre drei Geschwister machen Musik, die Mutter ist Musiklehrerin und der Vater Musikjunkie – ist Jermaine völlig unmusikalisch. „Aber er will es lernen. Er wollte das Piano noch mehr als ich“, verrät Bethany lachend.

Lieblingsinterpreten haben beide nicht, sieht man von Bob Marley ab. „Den lieben wir beide, weil wir jamaikanischer Abstammung sind“, gibt Beth dann zumindest einen Namen preis. Sie selbst hat einen breiten musikalischen Geschmack, sogar Rock kann man im Hause Bucknor hören. Die Beatles, Counting Crows – Musik nimmt einen wichtigen Platz im Leben von Frau Bucknor ein, gleich, ob sie zuhört oder selbst spielt und singt. „Momentan suche ich keine Bandmitglieder, weil ich mit dem Baby genug zu tun habe. Das Event mit Ann Vriend im Brunnenhof war großartig und das würde ich gerne wiederholen. Falls aber jemand Lust hat vorbeizukommen und ein wenig Musik zu machen, ist er herzlich willkommen!“ (Anm. der Redaktion: Ann Vriend ist eine kanadische Singer/Songwriterin, die wie Beth Bucknor aus Edmonton kommt. Beide spielten am 31.01.2013 gemeinsam im Brunnenhof Trier.)

Echte Lieblingsplätze in Trier und Umgebung können die Bucknors auf Anhieb nicht nennen. „Wir schlendern gerne durch die Innenstadt, trinken einen Kaffee und machen es uns auf einer der Terrassen gemütlich.“ Kulinarisch zieht es sie des Öfteren ins Coffee Fellows, in die Zuppa Suppenbar oder in eine Pizzeria. Häufig ziehen sie auch mit Teamkollegen los, die auch abseits des Sports gute Freunde sind – egal ob sie aus dem Ausland kommen, oder Deutsche sind. Das ist die Voraussetzung die herausragende Teamchemie – da gibt mir Jermaine Recht. „Henrik legt großen Wert auf den Charakter eines Spielers. Er braucht nicht die größten Talente im Team, sondern er umgibt sich mit tollen Menschen, die seine Vorstellungen umsetzen. Leute, die ihre eigenen Interessen über die des Teams stellen, sind nichts für Coach Rödl.“

Angesprochen auf seine Meinung zu dem Potenzial der deutschen Spieler, hat der TBB-Forward nur lobende Worte für seine Teamkameraden. „Bastian Doreths Liebe zum Spiel bewundere ich. Er arbeitet unfassbar hart an sich. Mathis Mönninghoff ist einer der besten Werfer, die ich kenne. Er hat eine schnelle Wurfbewegung, dazu ist er auch noch kräftig und athletisch. Das Gleiche gilt auch für Joshi. Es ist ganz witzig, weil ich ihn noch in dieser Woche im Training beobachtet habe. Er macht Dinge, die wirklich überwältigend sind und die ihm viele wahrscheinlich gar nicht zutrauen. Und dann hast du mit Andi Seiferth noch einen All-Star im Team. Um es kurz zu machen: Ich denke es ist gut möglich, dass wir ein paar von unseren deutschen Jungs im Nationalteam und bei Olympia wiedersehen werden.“

Lobende Worte gibt es auch für den Dunk von Brian Harper im Spiel gegen Bayern München. „Das war einer der besten Dunkings, die ich persönlich je gesehen habe. Es ging so schnell, dass ich auf der Bank saß und dachte: „Ist das wirklich gerade passiert?“ Als er nach Hause kam, hat er sich den Dunk „noch bestimmt 100 Mal“ angeschaut. Genauso perplex wie nach diesem Dunking war der 29-Jährige, als er die Münchner Fans sah. „Ich war noch nie bei einem Basketballspiel, bei dem Fans in Fußball-Trikots waren. Bayern München zieht die Massen an und vor ausverkauftem Haus zu spielen macht immer Spaß.“ Von der Atmosphäre hat die Trierer Nummer 32 – als großer Fan von Magic Johnson trägt er diese Nummer seit der Grundschule – gar nicht so viel mitbekommen, „weil ich während des Spiels viel zu fokussiert war.“

Meine Apfel-Schorle neigt sich dem Ende zu und Jermaine erzählt mir noch ein wenig über seine Liebe zur „March Madness“, dem großen College-Basketball-Turnier, an dessen Ende der Champion aller Division-One-Colleges gekrönt wird. Unter anderem drückt er dabei den Gonzaga Bulldogs die Daumen. „Dort spielen einige Kanadier und auch euer großes Talent Elias Harris.“ Währenddessen hat Beth am Klavier Platz genommen und krönt einen tollen Besuch mit einer Live-Performance ihres selbstgeschriebenen Songs „Whoopsie Daisy“. Es bestätigt sich wieder einmal: Hausbesuche bei Trierer Basketballern machen einfach Spaß. (cw)

1 KOMMENTAR

  1. @fan ach ja? wie würdest du denn einen hausbesuch besser beschreiben? wahrscheinlich bist du so ein pseudo schreiberling der frustriert auf dem sofa sitzt und froh wäre solche artikel schreiben zu dürfen!

  2. @ fan
    Du hast mal gerade gar nichts verstanden. Die Serie heißt „Hausbesuch“. Da geht es nicht darum, ob ein Dunking versemmelt oder ein Fastbreak nicht gestoppt wurde. Ganz langsam zum mitschreiben: Es geht darum, Personen zu porträtieren und sie abseits des Sports in ihrer normalen Umgebung zu zeigen und aus ihrem normalen Leben zu berichten. Man nennt diese Form des Journalismus übrigens Porträt. Und ein Porträt ist immer persönlich. Kapiert, „Fan“?

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