Neun Jahre Haft für Sexualstraftäter – 69 Vergehen waren nachweisbar

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TRIER. Das Landgericht Trier hat am Freitag das Urteil in einem dramatischen Fall gesprochen: Ein 50-jähriger Mann wurde zu neun Jahren Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt. Zwischen 1997 und 2005 wurden dem Verurteilten 69 Sexualstraftaten zur Last gelegt. Mindestens, mehr konnten ihm nicht eindeutig zugeschrieben werden. Der Täter leidet unter einer homosexuell-pädophilen Neigung, seine Opfer waren überwiegend kleine Jungen. Das Urteil nahm er fast regungslos auf.

Es gibt Fälle, da bleiben nach dem Urteil noch viele Fragen offen: Wie kann so etwas passieren? Warum passiert so etwas? Was denkt ein Sexualstraftäter vor, während und nach seinen Taten? Können seine Opfer diese grausamen Verbrechen jemals verarbeiten? Diese Fragen blieben auch bei diesem Fall größtenteils unbeantwortet, zu dem das Landgericht Trier am Freitag folgendes Urteil sprach: Neun Jahre Freiheitsstrafe mit anschließender Sicherheitsverwahrung – Revision ist noch möglich. In mindestens 69 Fällen gab es sexuelle Übergriffe des Angeklagten an Kindern – die Staatsanwältin brachte nur Fälle in den Prozess ein, die dem Mann eindeutig nachgewiesen werden konnten. Derzeit verbüßt er bereits eine Haftstrafe wegen ähnlicher Vergehen. Den ersten sexuellen Übergriff soll der Verurteilte zwischen 1988 und 1989 an einem jungen Mädchen begangen haben, weitere Übergriffe folgten. Das jetzige Verfahren konzentrierte sich auf den Zeitraum von 1997  bis 2009.

Ein Auszug der langen Geschichte von Übergriffen: 2003 lernte er seine spätere Ehefrau kennen, 2008 heirateten die beiden. Sie brachte drei Jungen mit in die Beziehung – alle drei wurden in der Folgezeit Opfer des Verurteilten. 2006 lockte er beispielsweise laut Richter einen der Jungen ins eheliche Schlafzimmer, zog ihn auf das Ehebett, entkleidete sich und den Jungen, um das Geschlechtsteil des Kindes berühren zu können. Bei seinen Taten ging der Mann allerdings häufig auch weiter, er übte an den Kindern Oralverkehr aus oder zwang sie dazu, ihn auf diese Weise zu befriedigen. Weigerten sich die Kinder, drückte er beispielsweise das Gesicht eines Jungen an sein Geschlechtsteil, um dessen Willen zu brechen.

Für das Gericht steht fest: Der Mann hat eine homosexuell-pädophile Neigung. Diese muss laut Richter Albrecht Keimburg allerdings nicht sein Leben bestimmen, dafür ist sie zu schwach ausgeprägt. Strafmildernd  kam dem Mann zwar unter anderem zugute, dass er sich „überwiegend geständig“ zeigte, auf der anderen Seite stehen aber viele Misshandlungen vieler Kinder unterschiedlichen Geschlechts. Er suchte sich seine Opfer aus „wenig gefestigten Sozialstrukturen“ aus und erkaufte sich deren Zuneigung. Er machte „die Kinder krank“, so der Vorsitzende. Eines seiner Opfer wurde depressiv und ist selbstmordgefährdet. Das Gericht konnte den Mann wegen verschiedener Faktoren trotzdem nicht zur Höchststrafe von 15 Jahren verurteilen. Aber: Er sei ein „Musterbeispiel“ für einen gefährlichen Täter, „schwere und schwerste“ Taten sind von ihm auch in Zukunft zu erwarten – so steht es zumindest im psychologischen Gutachten. Für den Schutz der Allgemeinheit soll er deshalb nach seiner Haft in die anschließende Sicherheitsverwahrung überführt werden.

Der Täter zeigte während der Urteilsverlesung kaum Regungen. Der Mann, der mit vier Brüdern und einer Schwester in Bitburg aufwuchs, eine Trierer Grundschule besuchte und im vollen Bewusstsein mindestens 69 sexuelle Übergriffe auf Kinder begangen hat, starrte nur vor sich hin und hörte zu. Während seiner Haftzeit will er sich einer Therapie unterziehen. (bm)

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