Mit Nagelpistole gegen die Polizei – „Ich bitte hier und jetzt um Verzeihung“

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TRIER. Ein 46 – jähriger Trierer wurde heute vor dem Landgericht Trier zu drei Jahren Haft verurteilt. Er wollte sich nach erfolglosen Suizidversuchen im Juli 2012 endgültig das Leben nehmen –  Selbstmord mit einem Druckluftnagler. Sein Vorhaben glückte auch diesmal nicht, am Ende ging er mit der Nagelpistole gegen Polizisten vor. 

Der Verurteilte hatte jegliche Lebensfreude verloren: Seine Noch-Ehefrau wollte sich von ihm trennen, die Geschäfte liefen schlecht. Mit einem Druckluftnagler bewaffnet verschanzte er sich „in seinen Firmenräumlichkeiten“, wie es in der Anklage heißt. Er wollte sich dort töten und erreichen, dass seine Frau ihm dabei zusieht, diese rief nach dem Entdecken ihres Mannes die Polizei. Zwei Polizisten suchten den Raum auf, in dem sich der Schuldige verbarrikadiert hatte und drückten einen Rolladen an einer Scheibe hoch, die sie von ihm trennte. Der Mann schoss in Richtung der Beamten, das Glas schützte diese allerdings. Daraufhin hielt der Verzweifelte die Pistole an seine rechte Schläfe und schoss sich einen Nagel in seinen Kopf, von der Wucht prallte er auf den Boden – ernsthaft verletzt wurde er nicht. Die Polizisten waren der Meinung, der Mann sei nun unschädlich. Der mutmaßliche Täter richtete sich plötzlich wieder auf und schoss in ihre Richtung – allerdings war die Schusskraft der Nägel begrenzt, sie trafen die Polizisten nicht. Mit Pfefferspray und Schlagstock konnte der Verurteilte überwunden werden. Im Laufe des Geschehens hatte sich der Mann bereits zwei Nägel ins Herz geschossen, der genaue Zeitpunkt ist unbekannt. Keiner der abgefeuerten Nägel verursachte allerdings ernste körperliche Schäden. Eine besondere Rolle spielte offenbar die Ehefrau, der er die Verantwortung für seine depressive Stimmung gab. Diese hatte einen neuen Partner und bezeichnete den Verurteilten als „Loser“. Nach dem Selbstmordversuch ihres Ehemannes ging sie feiern und titulierte das Geschehene mit „Na und?“ Das Gericht sah es als bewiesen an, dass der Versuch einer gefährlichen Körperverletzung sowie der Versuch eines Totschlags vorlagen. Unter anderem wirkten die schwierige Kindheit und die Teilgeständigkeit des Verurteilten strafmildernd. Der Angeklagte zeigte sich vor der Urteilsverkündung aufgewühlt: „Ich habe für meine Familie gelebt,“ das alles „tut mir außerordentlich leid.“ Er bat um ein mildes Urteil und um Verzeihung.

1 KOMMENTAR

  1. Schlimm, was da passiert ist. Jedoch scheint hier die Ehefrau als die „Böse“ dazustehen. Ich bin mit der Familie seit Jahren bekannt und kann sicher behaupten, dass es sich seitens des Ehemannes immer wieder um häusliche Gewalt handelte. Die Reaktion der Ehefrau auf die Tat – Feiern gehen – das ist eine Schockreaktion gewesen. Der Versuch, die Normalität zu halten. Der Ehemann? Jetzt wieder frei. Die Familie? Lebt in Angst! … Was für ein Rechtsstaat!

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