Auch Trier ruft Sayonara AKW!

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    TRIER. Gestern vor zwei Jahren havarierte das japanische Atomkraftwerk Fukushima nach einem Tsunami. Zum Gedenken an diesen Tag gab es weltweit Mahnwachen und Gedenkveranstaltungen. In Trier hatte das Antiatomnetz Trier, ein Zusammenschluss aus 14 Gruppen, zu einer Kundgebung mit anschließender Demonstration durch die Innenstadt aufgerufen. Unter dem Motto „Zwei Jahre Fukushima: Wann Cattenom?“ forderten sie auch die Abschaltung des Atomkraftwerks Cattenom an der französisch-deutschen Grenze.

    Einen Musikbeitrag der etwas anderen Art steuerte Reinhard Hallwachs zur Kundgebung am Kornmarkt bei. „Halten Sie die Türen und Fenster geschlossen, bewahren Sie die Ruhe“ heißt es im „Sondereinsatzplan“, der vertonten Version eines real existierenden Einsatzplanes aus den 80er Jahren. „Heute sind die Pläne auch nicht besser“, sagt Hallwachs. Markus Pflüger vom Verein „Stop Bure!“ (Endlager für Atommüll, Anm. d. Red.) ergänzt: „Der beste Katastrophenschutz ist immer noch Abschaltung.“ Damit stößt er auf breite Zustimmung bei der trotz Schnee und Kälte noch 150 Mann starken Gruppe der Demonstranten. Mit Johlen, Pfiffen und Rufen machen sie klar: Eine Alternative zur Abschaltung aller Atomkraftwerke gibt es nicht.

    Politischer Supergau in Japan

    Der Japaner Mori Keisuke, der zur Zeit in Düsseldorf studiert, berichtete aus seiner Heimat. Einem Land, das nichts gelernt hat, glaubt man seinen Ausführungen. Unter der neuen Regierung von Ministerpräsident Shinzou Abe wird offenbar eine Rückkehr zur Nutzung von Atomkraft in Erwägung gezogen, selbst der Neubau von Atomkraftwerken steht zur Debatte. Auch in Japan gibt es eine Protestbewegung gegen die Nutzung von Atomkraft, nach Keisukes Ausführungen werden sie aber mit einer „propagandistischen Gegenbewegung“ klein gehalten. Sein Appell „Sayonara Genpastu-Bye bye AKW“ wird von den Demonstranten begeistert aufgenommen und lautstark über den Kornmarkt skandiert. Doch bei dieser Veranstaltung soll nicht nur die Situation in Japan angeprangert werden.

    Der nächste Supergau gleich vor der Haustür?

    Mit dem Meiler Cattenom ist nach Meinung der Protestler eine unmittelbare Bedrohung auch für die Region gegeben. Stresstests hätten gezeigt, dass der Meiler erhebliche Mängel aufweise und ein Sicherheitsrisiko darstelle.„Es ist unglaublich, mit welcher Nonchalance die französische Regierung die Ergebnisse der Stresstests übergeht“, empört sich Elisabeth Quaré vom Verein M.A.U.S (Messen für aktiven Umweltschutz e.V.) zu Cattenom. Seit der Inbetriebnahme des Meilers im Jahr 1986, der schon etliche Male wegen verschiedener Pannen zeitweise abgeschaltet wurde, nimmt der Verein regelmäßig Messungen in der Umgebung um Cattenom vor. Bundeskanzlerin Merkel schreite nicht ein, weil sie sich nach eigener Aussage nicht in die französische Energiepolitik einmischen könne. „Die französische Energiepolitik kann Luxemburg, das Saarland und Teile von Rheinland-Pfalz in ein radioaktives Sperrgebiet verwandeln, also hat sie allen Grund sich einzumischen!“, ruft Quaré den Demonstranten zu. Nach der Kundgebung bewegte sich der Demonstrationszug mit der Parole „Abschalten!“ durch eine menschenleere Innenstadt Richtung Porta Nigra. Eine Passantin urteilt „Zeit, dass die das Ding abschalten“ und eilt weiter durch den Schnee.

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