TBB Trier: Linhart sorgt für magischen Moment

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TRIER. Gänsehautstimmung in der Arena Trier. Es war sicherlich eines der emotionalsten Heimspiele seit Jahren. Vor 4546 Zuschauern siegte TBB Trier mit 70:68 gegen die Telekom Baskets Bonn. Trier spielte stark, verlor in einer dramatischen und hektischen Schlussphase jedoch kurzzeitig den Faden. Doch angeführt von einem unfassbar aufspielenden Nate Linhart (27 Punkte, neun Rebounds) gelang der wichtige Heimsieg – quasi mit der Schlusssirene. Werbung für den Basketballsport.

Eine Veränderung im Vergleich zur Vorwoche gab es im Kader der TBB: Vitalis Chikoko rückte nach überstandener Erkältung zurück in den Kader der Moselstädter. Die Starting Five blieb allerdings unverändert und Trier startete wie gewohnt mit Jarrett Howell, Barry Stewart, Nate Linhart, Brian Harper und Andreas Seiferth in die Partie.

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Der Start glückte Henrik Rödls Mannen: Durch Punkte von Linhart und Harper führte man schnell mit 4:0, Zwei leichte Ballverluste von Seiferth luden die Bonner allerdings zu leichten Punkten ein – nach einem Dreier von Vaden lag TBB Trier sogar mit 4:7 im Hintertreffen. Doch Howell und Co. steckten natürlich nicht auf und erkämpften sich durch vier Punkte des bestens aufgelegten Brian Harper die Führung zurück(10:9). Bonn setzte auf schnelle Abschlüsse, die in der Folgezeit weniger Erfolg brachten. Rödls Taktik schien aufzugehen: Man ließ Jordan mehr Platz als im Hinspiel und wollte den Spielgestalter zu eigenen Abschlüssen zwingen. Die TBB Verteidiger ließen sich weiter zurückfallen und machten die Passwege zu. Jordan passierten ungewöhnlich viele Fehler beim Spielaufbau. Am Ende standen vier Turnover und „nur“ fünf Assists auf dem Statistikbogen – eine Ausbeute, mit der sich durchaus leben lässt.

Dann wurde es spektakulär. Nach einem Ballverlust von Jared Jordan schnappte sich Jermaine Bucknor den Ball und dunkte ihn gegen Kyle Weems wuchtig in den Korb. Weems foulte Bucknor, der den Freiwurf sicher verwandelte. Der Korb brachte die Trierer mit 15:11 in Führung und war die erste Initialzündung für das Publikum. Auch die rund 200 mitgereisten Schlachtenbummler aus der ehemaligen Hauptstadt trugen viel zu einem wahren Basketballfest bei. Fantastische Stimmung in einer gut gefüllten Arena. Trier behielt in dieser Kulisse die Kontrolle, ließ aber einige Chancen aus, sich noch weiter von den Gästen abzusetzen. Nach einem Dreier von Jordan ging es mit 17:14 in die erste Viertelpause.

Ähnlich kämpferisch ging es im zweiten Viertel weiter. Vitalis Chikoko blockte Jonas Wohlfarth-Bottermann gleich zweimal innerhalb weniger Sekunden und eroberte den Ballbesitz zurück (17:16). Bonn versuchte vor allem von der Dreipunktelinie zum Erfolg zu kommen, die Quote der Telekom Baskets ließ aber zu Wünschen übrig. Der sonst so treffsichere Benas Veikalas schoss eine Fahrkarte nach der anderen aus der Distanz. Trier gab die Kontrolle über das Spiel nie ab – auch Dank starker Defense von Stewart und variablem Offensivspiel (24:18). Etwas Unruhe und die Zuschauer ins Spiel brachte ein unsportliches Foul von Mathis Mönninghoff beim Fastbreak, während auf der Gegenseite ein Bodycheck gegen Brian Harper nur als normales Foul ausgelegt wurde. Die Telekom Baskets schwächelten aber von der Freiwurflinie und konnten sich nicht weiter an die Trierer herankämpfen (28:22). Durch einen Dreier von Nate Linhart konnte man den Vorsprung sogar auf 31:22 ausbauen. Mike Koch sah sich zu einer Auszeit gezwungen. Einen And1 von Veikalas konterte Linhart seinerseits ebenfalls mit einem erfolgreichen Korb plus Bonusfreiwurf. Mit einem 36:29 ging es zum Pausentee. Vor allem die Trierer Defensive präsentierte sich im Vergleich zu den vorangegangenen Heimspielen stark verbessert.

Keine Verringerung der TBB Intensität in Halbzeit Zwei. Bärenstarke Defense und Teamplay in der Offensive. Die Linie der Unparteiischen war sehr großzügig ausgelegt. Chris Ensminger konnte in gewohnter Manier klammern und auf Seiferth einhacken. Konsequenzen für das Foulkonto des Bundesliga-Oldies gab es nicht. Wie stark die Trierer bis dato spielten zeigte die Tatsache, dass sie sich trotz dieser Linie nicht aus der Ruhe bringen ließen und auf zehn Punke absetzen konnten (47:37, 25. Minute). Vor allem Linhart und Harper knüpften an die starken Leistungen der ersten zwanzig Minuten an und trugen das Team. Koch reagierte und nahme eine Auszeit. Doch jetzt trafen auch Stewart und Mönninghoff, die den Vorsprung im wichtigen zweistelligen Bereich hielten. Auf Bonner Seite hielt Jared Jordan dagegen. Mathis Mönninghoff beendete ein Viertel, das von starkem Teamplay der Trierer geprägt war (acht Assists), nach schönem Zuspiel von Jermaine Bucknor mit seinem zweiten Dreier an diesem Abend. Mit 57:46 ging es in den entscheidenden Durchgang.

Auch in den letzten zehn Minuten ging es höchst intensiv weiter. Bonn ließ viele Möglichkeiten liegen. Bezeichnend: Jordan wird beim Dreipunktwurf gefoult und vergibt alle drei Möglichkeiten von der Linie – das Wort Wohltätigkeitsstreifen war für ihn an diesem Abend definitiv ein fremdes. Leider konnte auch Trier zu Beginn des vierten Spielabschnitts nichts Zählbares auf das eigene Punktekonto bringen. Ohne zu glänzen kämpften sich die Telekom Baskets so wieder auf 57:51 heran – Rödl reagierte jetzt ebenfalls und bat seine Spieler zur Besprechung. Diese brachte zunächst den erhoffen Erfolg. Durch einen Dreier von Linhart stellte Trier den alten Vorsprung wieder her (61:51). Was dann passierte war dramatisch und hatte viel von einem Hitchcock Thriller. Hauptdarsteller: Jamel McLean und Nate Linhart.

Der Bonner US-Amerikaner McLean provozierte, hakte ein und wurde für seine Schauspielanlagen auch noch von den Unparteiischen belohnt. Andreas Seiferth foulte unsportlich, als er McLean nach einer weiteren Provokation wegstieß. Der Referee Groll machte seinem Namen alle Ehre und zog den Unmut der gut 4300 Trierer auf sich, da er alle strittigen Entscheidungen pro Bonn auslegte. Die Telekom Baskets kamen durch diese Geschenke wieder zurück ins Spiel. Auch ein Foul gegen Nate Linhart brachte Groll wieder ins Rampenlicht: Er wollte ein Offensivfoul des Trierer Forwards gesehen haben. Es wurde dramatischer und dramatischer. Bonn schaffte es sogar 24 Sekunden vor Schluss durch Andrej Mangold auszugleichen. Würde Trier endlich in der entscheidenden Phase einen kühlen Kopf bewahren?

Dann der letzte Angriff von TBB Trier und es bahnte sich wieder einmal eine Tragödie an: Bastian Doreth lässt die Uhr herunterlaufen, zieht zum Korb und schließt viel zu früh ab. Eine Aktion zum Haareraufen. Man sah die Felle langsam davonschwimmen. Doch Vitalis Chikoko erkämpfte sich im Gerangel irgendwie den Offensivrebound, vergab allerdings ebenfalls kläglich – und dann kam der Mann des Spiels: Nate Linhart. Mit einer unfassbaren Energieleistung erkämpfte auch er sich den abprallenden Ball und versenkte ihn mit 1,4 Sekunden Restzeit auf der Uhr. Jubel. Begeisterung. „The Steal Deal“ rennt mit nach oben ausgestreckten Armen über das Parkett. Basketball mit Happy End?

Die Antwort ist kurz, die Antwort ist schön: JA.  Der letzte Wurf von Robert Vaden landete weit neben der Korbanlage und Jubel brandete auf: Trier fuhr einen hochverdienten 70:68 Erfolg ein, der durch eine hektische Schlussphase fast noch aus den Händen geglitten wäre. Die Arena glich einem Tollhaus. Der Mann des Abends versuchte sich dann erstmals selbst am Mikro. Nate Linhart stimmte mit den Fans die obligatorische HUMBA an. So macht Basketball Spaß und gegen Bayern München rechnen die Verantwortlichen mit einer ausverkauften Arena Trier. Dann kann es gerne eine Fortsetzung des Krimis geben. Vielleicht wieder mit einem Happy End aus Trierer Sicht.(cw)

Stimmen zum Spiel

Henrik Rödl:
„Danke für die Glückwünsche, für uns war das ein Riesensieg, der auch bitter nötig war. Ich wünsche den beiden Bonner Verletzten gute Genesung. Es war ein unglaublicher Kampf. Wir haben so hart trainiert in den letzten Wochen, das musste sich irgendwann auch mal zeigen. Meine Mannschaft hat defensiv das Tempo diktiert gegen eine Bonner Mannschaft, die zurzeit sehr gut spielt. Umso wertvoller ist dieser Sieg. Man muss heute Abend Nate Linhart lobend erwähnen, der sehr viel Verantwortung übernommen hat, sowohl defensiv als auch offensiv; auch Brian Harper hat sehr gut gespielt, nicht nur gemessen an den Punktzahlen. Insgesamt bin ich aber sehr stolz auf die komplette Mannschaft, die den Kampf angenommen und dieses sehr wichtige Spiel gewonnen hat. Ich bin sehr froh, dass der Ball heute in unsere Richtung gesprungen ist. Für die weiteren Aufgaben ist das ein Riesenschub nach vorn.“

Michael Koch (Headcoach Bonn):
„Glückwunsch an Henrik und Trier zu dem Sieg heute Abend im letzten verbliebenen „fast-rheinischen Derby“. Das Spiel Trier gegen Bonn ist immer etwas Besonderes, so war das auch heute. Für uns war es eine bittere Niederlage, die zustande kam, weil Trier 35 Minuten lang das Spiel diktiert hat und wir keinen Hebel gefunden haben, um das Spiel zu drehen. Die letzten fünf Minuten haben wir aufgrund der Verletzungen von Veikalas und McLean mit einer kleinen Aufstellung gespielt und den Kampf angenommen, da hatten wir die Chance das Spiel zu gewinnen. In so einer Situation kann der Ball in die eine oder die andere Richtung springen, heute ist er wie im letzten Jahr in die Trierer Richtung gesprungen. Wir sind diese Saison schon durch schwere Zeiten gegangen, das wird uns also nicht umwerfen. Die Trierer haben am Ende verdient gewonnen, weil sie das Spiel über einen großen Zeitraum beherrscht haben – für uns hat es heute nicht gereicht.“

1 KOMMENTAR

  1. Der Artikel beschreibt dieses hektische Spiel sehr gut.
    Eine super Leistung der TBB, die Bonner waren nur Dank der vielen sehr merkwüdigen Schiedsrichterentscheidungen noch bis zum Schluss im Spiel.
    Wieder einmal zeigte sich aber auch, dass Trier ein echtes Problem auf der Position des Point Guards hat, welches es für die nächste Saison besser zu lösen gilt.

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