1. Kulturpreis der Stadt Trier ehrt drei literarische Talente

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TRIER. Mit seiner Krimi-Kurzgeschichte „Die stille Acht“ gewann der 28-jährige Rouven Hehlert den erstmals verliehenen und mit 1000 Euro dotierten Kultur-Förderpreis. Auf dem zweiten Platz landete der gleichaltrige Fabian Jellonnek mit seiner Erzählung „An Stelle der Geschichte“ über das frühere Gestapo-Gebäude am Balduinsbrunnen vor der 16-jährigen Marie Marxmeier. Ihr Text „In der Menge“ entstand bei einer Innenstadtour zur Porta Nigra.

Gebannte Stille herrschte im Lesesaal der Stadtbibliothek, als Rouven Hehlert die Kurzgeschichte „Die stille Acht“ vortrug. In einem packenden Monolog schildert ein Jugendlicher, wie er an einem heißen Sommertag mit einem Freund im Wald oberhalb des Gillenbachtals unterwegs ist und sich durch das plötzliche Zusammentreffen mit einem Obdachlosen eine tragische Unglückskette entwickelt. Sie endet damit, dass einige Tage später ein Toter im Gillenbachtal gefunden wird. Hehlert lässt eine vom Alltag unten in der Stadt getrennte Welt entstehen. Die Naturidylle hat dann aber plötzlich eine brutale Dynamik mit ganz eigenen Gesetzen. Nach Aussage von Jury-Mitglied Dieter Lintz herrschte schnell Einigkeit, dass dieser Text den ersten Preis verdient hat. Der Journalist vertrat bei der Laudatio den erkrankten früheren Stadtschreiber Frank P. Meyer. Der Jury gehörten außerdem der Buchhändler Georg Stephanus, Kulturdezernent Thomas Egger und Vertreter aller Stadtratsfraktionen an. Sie wählten die Sieger aus zehn Beiträgen aus. An dem Text von Hehlert lobte die Jury unter anderem die geschickte Verrätselung der Handlung, die eine packende, dichte Stimmung entstehen lasse. Eine 100 Euro-Kulturaktie mit einem Originalkunstwerk von Bodo Korsig erhielt Fabian Jellonnek bei der Preisverleihung für seine Kurzgeschichte „An Stelle der Geschichte“. Der 28-jährige Trierer ist studierter Politikwissenschaftler. Im Mittelpunkt seiner Geschichte steht das Mehrgenerationenhaus am Balduinsbrunnen. Im Dritten Reich war in dem Gebäude in der Nähe des Hauptbahnhofs die Gestapo ansässig. Der Erzähler ist auf der Spuren der NS-Opfer im Keller unterwegs. Dieser Handlungsstrang mit eindringlichen Beschreibungen historischer Überreste wird immer enger verwoben mit Gesprächen des Erzählers mit seiner Großmutter. Sie berichtet erst auf hartnäckiges Nachfragen, dass sie in der Nazi-Zeit für das Regime in einer Dienstelle in der Nähe des Bahnhofs gearbeitet hat. In der Gegenwart spielt dagegen die Kurzgeschichte „In der Menge“ der Nachwuchsautorin Marie Marxmeier, die die zehnte Klasse am Humboldt-Gymnasium besucht. Die Jury überzeugte neben der für eine erst 16-jährige Autorin schon erstaunlich hohen Qualität des Textes der frische Ton der Schilderungen und der stringente Aufbau der Erzählung. Diese schildert eine Tour durch die Innenstadt über den Hauptmarkt zur Porta Nigra und gewinnt ihren besonderen Reiz dadurch, dass eine Eimheimische in die Rolle einer Touristin schlüpft und die Porta als berühmtestes Trierer Monument erstmals ganz persönlich für sich entdeckt. Neben einer Kulturaktie mit einem Motiv von Werner Persy im Wert von 50 Euro erhielt Marxmeier wie die anderen Sieger eine Urkunde von Kulturdezernent Thomas Egger. Der Förderpreis geht auf einen Stadtratsbeschluss vom Dezember 2011 zurück und wird von diesem Jahr an jedes Jahr verliehen. Bei der Premiere entschied man sich nach Angaben von Egger für den Schwerpunkt Literatur, weil dieses Genre in der Kulturszene oft eher eine etwas untergeordnete Rolle spiele. Mit der Idee des Förderpreises wolle man zudem junge Künstler ermutigen, mit innovativen Beiträgen an die Öffentlichkeit zu gehen und sie einem breiteren Publikum vorzustellen. Der Ende Februar verliehene Kulturpreis für besonders verdiente ehrenamtlich Engagierte wird dagegen nur alle zwei Jahre verliehen. In der nächsten Runde soll in dieser Kategorie ein Lebenswerk gewürdigt werden.

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