Ein katholisches Zufluchtshaus wird 100 Jahre alt

0

TRIER. Das Annastift, eine Einrichtung des Sozialdienstes Katholischer Frauen (SKF) feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen. Seit seiner Gründung im Jahr 1913 bietet es Schwangeren und Müttern ein Zuhause und Hilfestellung für ein selbstständiges Leben mit Kind. Anlässlich des Jubiläums hat der SKF gemeinsam mit Studenten der Hochschule Trier eine Ausstellung konzipiert.

Ein „Katholisches Zufluchtshaus“ für die „leider an Zahl immer zunehmend gefährdeten erwachsenen weiblichen Personen“ sollte es sein. So gründete Schwester Gertrud, bürgerlich Gräfin Josephine Schaffgotsch 1913 das Annastift.  Er sollte „gefallenen Mädchen, die ihrer Niederkunft entgegensehen, vor und nach ihrer Geburt ein Heim bieten, wo sie in schweren, oft zur Verzweifelung führenden Stunden Halt und die Rückkehr zu einem ordentlichen sittlichen Leben finden können“, heißt es in der Gründungsschrift der Einrichtung. Auch wenn man heute in der Regel nicht mehr von gefallenen Mädchen spricht, bietet das Annastift bis heute jungen Schwangeren und Müttern in besonderen Lebenslagen Zuflucht und Anleitung für ein selbstständiges Leben.

Heute stellt das Heim insgesamt 29 Plätze für Frauen und ihren Nachwuchs. Psychisch kranke, geistig behinderte, suchtkranke oder minderjährige Mütter erlernen unter Anleitung einen geregelten Alltag für sich und ihr Kind zu gestalten. Angeboten werden zum Beispiel Kochkurse und Unterweisungen in Haushaltsführung.Eine zentrale Rolle spielt auch der Umgang mit dem Kind. „Viele der Mütter wissen gar nicht, wie sie mit ihren Kindern kommunizieren sollen. Sie sind überfordert, sobald es um mehr geht als Fläschchen geben und schlafen legen“, sagt Renate Hilgers, Mitarbeiterin im Annastift. Betreuerinnen geben Tipps, wie das Miteinander mit dem Kind gelingen kann. Im Durchschnitt leben die Frauen ein Jahr in der Einrichtung. Ziel des Aufenthaltes ist immer, dass die Frauen sich und ihr Kind selbstständig versorgen können. Entgegen der landläufigen Meinung werden nicht nur minderjährige Mütter aufgenommen. „Die Altersstruktur ist gemischt, wir haben Frauen zwischen 14 und 40 Jahren hier“, so Hilgers. Allerdings lasse sich in manchen Jahren durchaus ein Überhang an Minderjährigen feststellen. Bereits seit seiner Gründung befindet sich das Annastift in der Krahnenstraße. Das erst im Jahr 1974 neu errichtete Gebäude ist mittlerweile marode, ein Neubau erforderlich. Vorausichtlich im Jahr 2017 wird der Neubau eröffnet, ebenfalls in der Krahnenstraße. Jubiläum feiert in diesem Jahr auch die Trierer Ortsgruppe des SKF – vor 110 Jahren wurde sie gegründet.

Aus Anlass dieses Doppeljubiläums konzipierte der SKF gemeinsam mit Studenten der Fachrichtung „Gestaltung“ der Hochschule Trier eine Ausstellung mit dem Titel „Blickkontakt. Frauen im Fokus“. Die Fotografien des bekannten Trierer Fotografen Rainer Lange zeigen Bilder von Frauen in verschiedenen Bereichen ihres Lebens: in der Politik, im Beruf oder in der Familie. Die Studenten arrangierten die fotografischen Portraits zu einer Präsentation. Bis zum 30. Juni wird die Ausstellung an verschiedenen Orten in Trier zu sehen sein.(cw)

 

1 KOMMENTAR

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Klarname ist nicht erforderlich. Eine E-Mail-Adresse muss angegeben werden, wird aber nicht veröffentlicht.