Preisträger „Genschman“ im Eventum Wittlich

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    WITTLICH. Ex- Außenminister Hans- Dietrich Genscher bekommt in diesem Jahr den Georg- Meistermann- Preis für besonderes demokratisches Engagement. Mehr als 1000 Zuschauer kamen in die neue gute Stube der Säuberbrennerstadt: volles Haus zu Ehren eines echten Staatsmanns.

    Ein geglückter Auftakt für das erst kürzlich eröffnete Eventum: Die transparente und sehr schlichte Architektur erwies sich als perfekter Rahmen für eine Großveranstaltung, die weniger sportlichen Eventcharakter hatte als vielmehr ein Schaulaufen von Politikern, Unternehmen, Kirchen- und Militärvertretern war. Und die dennoch verdeutlichte, was das Demokratische am Gemeinwesen sein kann. Denn der diesjährige Träger des Georg-Meistermann-Preises entpuppte sich als aufrichtiger Liberaler und damit als jemand, der bei der Generation um die fünfzig nostalgische Sehnsüchte nach einer authentischeren politischen Welt wecken kann. Obwohl genau diese Generation ihn Anfang der 1980er Jahre unter anderem wegen des von ihm propagierten Nato-Doppelbeschlusses heftig kritisierte. Sein unermüdlicher Einsatz für die Einigung des Westens und später für die Einbeziehung des Ostens brachte ihm den Spitznamen „Genschman“ ein, und die charakteristischen großen Ohren machten ihn zum Futter für Karikaturisten. Die Ohren sind längst sanft angelegt, geblieben ist die für den gebürtigen Hallenser nüchterne, pointierte und zugleich mit Anklängen von Ironie gesegnete Ausdrucksweise. Seine Dankesrede aus Anlass der Preisverleihung war für viele im Publikum sicher eine Zeitreise in die 1970er und 1980er Jahre – vieles von dem, was er selbst im Gespräch mit ZDF- Moderatorin Gundula Gause oder Hans Fridrichs in seiner Laudatio, schilderten, dürfte den meisten Zuhörern noch sehr lebhaft im Gedächtnis sein. Ein Zufall war es nicht, dass nach Johannes Rau, Charlotte Knobloch und Karl Kardinal Lehmann ausgerechnet Genscher in den Genuss des mit 10. 000 Euro dotierten Georg-Meistermann-Preises kam. Denn Genscher ist seit den 1960er Jahren eng mit seinem Parteifreund und ehemaligen Kabinettskollegen Friderichs, dem Ehrenvorsitzenden der Stiftung Stadt Wittlich, verbunden. Auch wenn es angesichts dessen vielleicht allzu nahe liegt, den Preis sozusagen von Bundesminister a.D. zu Bundesminister a. D. zu vergeben: Niemand kann behaupten, mit Genscher sei kein absolut würdiger und passender Preisträger gefunden worden. Genscher präsentierte sich als lebendiger „elder statesman“ im besten Sinn und bezog sich auf den Namensgeber des Preises, der während des Nazi-Regimes den aufrechten Gang pflegte. „Selbstachtung ist nur die legitime Schwester der Achtung vor den Mitmenschen – so lautet das Vermächtnis Meistermanns“, sagte Genscher, und aus seiner Erfahrung als Zeitzeuge des zweiten Weltkriegs: „Der Vorkrieg beginnt bei den Vorurteilen gegen Andersdenkende und Andersaussehende.“ Verantwortung bedeute nicht nur Rechenschaft für Vergangenes, sondern auch „Gestaltungspflicht für die Zukunft“. Er nehme den Preis mit Demut an. Das Publikum – auch die einfach nur neugierigen Bürgerinnen und Bürger – nahm ihm wiederum ab, dass hier ein Mensch sprach, der Politiker aus Überzeugung und nicht aus Kalkül geworden war.

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