Mahnmal für Zwangsarbeiter in Wittlich enthüllt

    0

    Heute fahren wir wie selbstverständlich über deutsche Autobahnen, und Touristen besuchen die Bundesrepublik, weil hier jeder über Autobahnen rasen darf, so schnell wie sein Auto fahren kann. Dabei wird vergessen, dass die ersten deutschen „Reichsautobahnen“ von Zwangsarbeitern unter unmenschlichen Bedingungen während des Nationalsozialismus gebaut wurden. Auch der Abschnitt zwischen Wittlich und Hasborn wurde in den Jahren 1939 bis 1942 von Luxemburgern, Juden, Intellektuellen und Osteuropäern gebaut

    WITTLICH. Das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus ist seit Jahrzehnten in Wittlich üblich. Seit zwei Jahren übernehmen die Organisation des Gedenktages das Kulturamt der Stadt Wittlich, das Emil-Frank-Institut und der Arbeitskreis „Jüdische Gemeinde“ gemeinsam. Während am 9. November immer der jüdischen Bevölkerung gedacht wird, ist der 27. Januar den weiteren Opfern des Nationalsozialismus gewidmet. 2012 wurde den Ermordeten des Euthanasiewahns gedacht und 2013 nun den Zwangsarbeitern. Da der Förderverein Autobahnkirche St. Paul ein Mahnmal für die gequälten Zwangsarbeiter des Autobahnbaus in Auftrag gegeben hatte, und dieses am 27.Januar 2013 der Öffentlichkeit präsentieren wollte, bot sich die Zusammenarbeit mit den vier Einrichtungen an. Gemeinsam organisierte man eine Gedenkveranstaltung am vergangenen Sonntag.Stellvertretend für die gefangenen und zur Zwangsarbeit in Wittlich und anderswo gezwungenen Luxemburger trug Gérard Bintener zwei Lieder vor. „Mir schaffen op de Strossen“ thematisiert die Zwangsarbeit beim Autobahnbau musikalisch. In einem Lichtbildvortrag erläuterte Dr. Marianne Bühler die Anfänge der Geschichte des deutschen Autobahnbaus. Angestellte Arbeiter, die Geld für ihre Tätigkeit bekamen, waren in der absoluten Minderheit. Gefangene der JVA Wittlich, Häftlinge des KZs Hinzert, Juden, Zwangsarbeiter aus Luxemburg, Polen der UdSSR usw. schufteten unter grausamen Aufsehern, rodeten das Land und bauten die Autobahn. Diese „Wurzeln“ der deutschen Autobahnen greift der Bildhauer Sebastian Langner in seinem Mahnmal auf. Stacheldraht und Blut sind der Untergrund, aus dem die Autobahn hervorwächst. Die Plastik befindet sich im Eingangsbereich der Autobahnkirche St. Paul.

    HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

    Please enter your comment!
    Please enter your name here

    Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Klarname ist nicht erforderlich. Eine E-Mail-Adresse muss angegeben werden, wird aber nicht veröffentlicht.