Kreuz & Quer auf einer Reise, die nie zu Ende geht

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TRIER. Schon zu Beginn zeigte sich deutlich, dass die Thematik des neuen und insgesamt achten Stückes, “Exílio. Eine Reise, die nie zu Ende geht“, von  der Laienschauspielgruppe “Kreuz & Quer“ einen gesellschaftskritischen Beigeschmack hat. Sogar ein aktueller Bezug kristallisiert sich direkt im Prolog heraus: “Das Theaterstück ist auch ein Stück gegen rechts“, heißt es. 

Somit war klar, eine leichte und lustige Komödie würd das wohl nicht werden. Für Stoffe dieser Qualität ist Augusto Boal  bekannt. “Das Theater der Unterdrückten“ ist eine Methodensammlung aus den 70er-Jahren.  Dabei steht die Sichtbarmachung von gesellschaftlichen Unterdrückungsmechanismen im Vordergrund. Der Beginn des Stückes war geprägt von einer schweren Stimmung, hervorgerufen durch den tristen Ort, an welchem sich die Protagonisten befanden, in  einem chilenischen Flüchtlingslager. Die sechs Hauptdarsteller, Paulo (Marc-Bernhard Gleißner), Maria (Mareike Goergen), Barra (Stephan Drehmann), Foguinho (Sanna Higgen), Doktor (Alexander Kotz), Marga (Jana Marie Jarzembowsky) kamen alle aus völlig unterschiedlichen Lebensbereichen und Lebenslagen. Der Unterschied wurde schnell deutlich, nachdem alle aufzählten, was sie einmal besaßen und aufgeben mussten. Schon vor Beginn wurde das Publikum in drei Gruppen geteilt, nichtsahnend, wieso und weshalb. Nach der ersten Szene war jedoch klar, warum. Das Theaterstück entpuppte sich als eine Art Wandertheater mit Gruppenbildung, wobei jede der drei Gruppen auf eine andere, spezielle Reise mitgenommen wurde. Jeder der drei Orte, zu denen die Zuschauer unter Führung der Schauspieler pilgerten, zeigte sich anders und alle drei Szenen hatten nur einen gemeinsamen Nenner: Die Thematik der Unterdrückung. Die Idee, das Publikum auf eine Wanderung mitzunehmen, war folgende: Das Publikum sollte die Situation der Flucht und die damit verbundene Rastlosigkeit am eigenen Leib zu spüren bekommen. In allen drei Szenen: “Revolution der Unterdrückten“, “Die Madonna der Unterdrückten“ und “Der Mann, der eine Fabrik war“, konnte man die genannten Gefühle wahrnehmen.  Die letzte Szene wirkte auf den ersten Blick nicht ganz passend, entwickelte sich aber im Laufe des Spiels als sehr eindrücklich. Die Szene beschäftigte sich mit dem Leid, die eine Unterdrückung im eigenen Land mit sich bringt, nämlich dem Wunsch auszuwandern und dem Ganzen zu entfliehen. Wer jetzt neugierig geworden ist und sich fragt, was es mit dem Titel  “Der Mann, der eine Fabrik war“ auf sich hat, der kann sich das kleine Teilstück aus “Exílio“ beim Theaterfestival “GrAFiTi“ (27.02. – 03.03.2013) in der Kulturfabrik, Esch-sur-Alzette in Luxemburg anschauen.

 Ganz besonders interessant für lokalo.de war die Idee, die hinter all dem steckte. Augusto Boal ist zwar ein bekannter Theaterautor, aber seine Stücke haben es in sich und sind nicht für ihre Leichtigkeit und ihr komödiantisches Amüsement bekannt. Lokalo stellte die Frage: “Warum?“, und bekam folgendes “Darum“:  “Die Idee, das Projekt Augusto Boal anzugehen, entstammte einer Zusammenarbeit mit der Lusitanistik (Anm. d. Red.: ist die wissenschaftliche Beschäftigung mit der portugiesischen und galicischen Sprache) an der Universität Trier. Henry Thorau ist dort Professor für portugiesische Literaturwissenschaft und hat die Stücke Boals, die in „Exílio“ eingeflossen sind, ins Deutsche übersetzt. Gemeinsam mit unserem Regisseur Marc-Bernhard Gleißner hat er in den vergangenen drei Semestern eine interdisziplinäre Seminarreihe zum Thema „Theater der Unterdrückten“ angeboten, welche die Arbeit der Theatergruppe zu „Exílio“ begleitete“(Stephan Drehmann). 

Die Idee mit den kurzen Teilstücken und dem Wandertheater war sehr innovativ und kreativ, jedoch eine besondere Herausforderung für die Gruppe. Der Ablauf musste akribisch geplant werden und die Dauer der einzelnen Stücke durfte auch nicht allzu sehr variieren. Dennoch war die Truppe von “Kreuz & Quer“ sehr positiv überrascht, dass sich das Publikum ganz selbstverständlich auf diese neue Theaterform und Erfahrung eingelassen hat. Außerdem musste stets die Balance gehalten werden, zwischen der beklemmenden Rahmenhandlung und den komödiantischen Zwischenstücken. Auch diese Herausforderung haben die Schauspieler gut gemeistert.

Die zukünftige Produktion wird wahrscheinlich etwas kleiner ausfallen. Dabei ist die Inszenierung eines Briefwechsels zwischen Karl und Jenny Marx, anlässlich des diesjährigen Karl-Marx-Jubiläums geplant.

Lokalo ist gespannt auf diese Inszenierung und wünscht dem Team auch für diese Idee “Toi, Toi, Toi“. (SaFa)

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