Flucht ins Nirgendwo: Augusto Boals Theater der Unterdrückten

0

TRIER. Am Donnerstag, dem 24. Januar um 19 Uhr, feiert das Bühnenstück „Flucht/Exílio. Eine Reise, die nie zu Ende geht“ der Theatergruppe Kreuz & Quer in der Promotionsaula des Priesterseminars, Jesuitenstraße 13, Premiere. Es handelt sich dabei um eine Werk-Collage des brasilianischen Autors Augusto Boal. Weitere Aufführungen gibt es am Samstag, dem 26., und am Sonntag, dem 27. Januar, jeweils um 19 Uhr. Der Eintritt beträgt sechs Euro, ermäßigt vier Euro.

„Das einzig Traurige auf dieser Reise ist der Moment, wenn ich die Schuhe ausziehe“, sagt Paulo zu seiner Frau Maria. „Sie fallen jedes Mal auf anderen Boden.“ Maria antwortet nicht. Das tut sie schon lange nicht mehr. Die beiden sind Flüchtlinge und ziehen mit ihren Reisegefährten durch Lateinamerika auf der Suche nach einem Ort, an dem sie bleiben können, auf der Suche nach einem Land ohne Wind.

Der deutschsprachigen Werk-Collage, die die Theatergruppe Kreuz & Quer Ende Januar 2013 aufführt, liegen mehrere Dramen des brasilianischen Autors Augusto Boal zugrunde, die sich mit Unterdrückung, Vertreibung und der Hoffnung auf eine bessere Welt befassen. Ein ungewöhnliches Theatererlebnis verspricht die junge Truppe, die vom Mentorat der Laientheologen und dem Fach Germanistik der Uni Trier gefördert wird. „Wir wollen mit den gewohnten Theatererfahrungen unserer Zuschauer brechen“, verrät Regisseur Marc-Bernhard Gleißner. Bei „Flucht/Exílio“ mache sich das Publikum mit den Protagonisten auf die Reise und sehe ihnen nicht nur dabei zu.

Das ist ganz im Sinne des Autors Boal: „In Europa, wo Theater überwiegend eine bürgerliche Angelegenheit ist, läuft es als mehr oder weniger friedliches Ritual ab“, schrieb er 1981 in einem Brief an den Trierer Lusitanisten Henry Thorau. In Lateinamerika dagegen könne das Theaterritual wie eine Explosion wirken. Der 1931 in Rio de Janeiro geborene Regisseur und Theaterpädagoge musste in den Siebzigerjahren selbst aus Brasilien emigrieren und ließ viele seiner eigenen Erfahrungen in seine dramatischen Texte einfließen.

Die Flüchtlinge aus „Flucht/Exilio“ begegnen auf ihrer Reise vielen Schicksalen aus Südamerika. Sie treffen auf José da Silva, der bei dem Versuch, sich etwas zu Essen zu besorgen, aus Versehen eine Revolution auslöst. Sie geraten in den skurrilen Machtkampf zwischen einer Kirchengemeinde und einem Hauptmann der Junta und erleben wie der einfache Arbeiter Bonifacio in Ecuador unverhofft zu einem Superstar wird. Schließlich gelingt es den Exilanten tatsächlich, ein Visum nach Frankreich zu bekommen, doch als sie Europa erreichen, wird ihnen bewusst, dass sie auf ihrer langen Irrfahrt nicht nur ihre Heimat verloren haben, sondern auch sich selbst.

„Flucht. Exilio“ ist die achte Produktion von Kreuz & Quer. Seit seiner Gründung im Jahr 2005 hat das Ensemble jedes Jahr ein Stück auf die Bühne gebracht, darunter Werke von Tieck, Schiller, Goethe, Strindberg und Frisch. Weitere Informationen über die Aufführung finden sich auf der Internetseite der Theatergruppe, unter www.kreuzundquer-trier.de. 

1 KOMMENTAR

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Klarname ist nicht erforderlich. Eine E-Mail-Adresse muss angegeben werden, wird aber nicht veröffentlicht.