TBB Trier: Hausbesuch – Der „20-Dollar-Fahrer“

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TRIER. Er ist sicherlich einer, wenn nicht sogar der spektakulärste Spieler, der bislang die Basketballschuhe  für TBB Trier geschnürt hat. Brian „Air“ Harper lud in seine Wohnung zum Plausch ein, wo er über seine Freundschaft zu Axel „Aggy“ Mock sprach, verriet, welchen Spielern er Spitznamen gegeben hat und warum man den Führerschein in den USA machen sollte. Im lokalo-Feature „Hausbesuch“ werden wir in Zukunft alle TBB-Spieler in ihren eigenen vier Wänden besuchen und sie von einer anderen, ihrer privaten Seite zeigen.

„Rufe kurz an, wenn du an der Tür bist.“ Scheinbar war in rund gut vier Monaten noch keine Zeit, das Schild an der Klingel auszutauschen. Dort prangt immer noch „Shtein“ im Sichtfenster und erinnert an Maksym Shtein, der Trier verließ, als Henrik Rödl kam. Für einen Basketballfan wäre es kein Problem gewesen, die richtige Klingel zu erwischen.  Brian Harper kommt höchstpersönlich nach unten und weist den Weg durch das Treppenhaus. Oben angekommen bietet er auch gleich Getränke an. „Cola? Saft? Wasser?“ Ich entscheide mich für den Klassiker und es geht mit einer kühlen Cola ins Wohnzimmer, wo ich auch von Brians Verlobter herzlich begrüßt werde. Kiah ist gefühlt halb so groß wie Brian, aber eine ähnlich ausgeprägte Frohnatur. Wir nehmen entspannt auf der Couch Platz und Brian plaudert aus dem Nähkästchen.

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Bei den Dunkings, die ihn schnell zum Publikumsliebling in Trier machten, denkt Harper an nichts Spezielles. „Eigentlich denke ich nur, dass ich möglichst schnell zurück in die Defense muss, um dem Gegner keine einfachen Punkte zu erlauben. Aber sie können definitiv das Momentum in einem Spiel ändern.“ So, wie im Spiel gegen den Mitteldeutschen BC, als sein Alley-Oop dem Gegner den Zahn zog. Harper war schon immer athletisch, sein schnelles Wachstum nach dem Ende der Highschool sorgte für einen weiteren Schub. „Ich bin unglaublich schnell gewachsen. Als ich aus der Highschool kam, war ich 194 cm groß. Danach war es echt seltsam. Wenn mich Leute über einen Zeitraum von gut einem Monat nicht gesehen haben, war ich wieder 2 bis 4 Zentimeter gewachsen.“ Harper nennt das Wachstum verrückt, macht es aber mitverantwortlich dafür, dass es für eine professionelle Karriere gereicht hat. Mit 206 cm hat man außerdem in jeder Lebenslage den Überblick. Auch an den Lieblingsplätzen  in der Stadt?

„Unser absoluter Lieblingsort in Trier ist oben an der Mariensäule. Wir lieben es von dort auf die Stadt herunterzuschauen“,  gibt der Mann mit den Zahnstocher-Beinen zu Protokoll. Diese fallen heute gar nicht so auf – die Jogginghose ist weit genug, um sie zu verstecken. Harper ist privat genauso lässig und freundlich, wie es auf dem Parkett den Anschein hat. Ich habe das Gefühl, einen guten alten Freund zu besuchen.

Harper mag mehr an der Stadt, als “nur“ die spektakuläre Aussicht von der Mariensäule aus. Der Weihnachtsmarkt hatte es ihm und seiner Verlobten besonders angetan.  „Ja, den Weihnachtsmarkt haben wir wirklich genossen. Vor allem Kiah. So etwas gibt es in den USA nicht, zumindest nicht in Atlanta.“ Seine Verlobte grinst über beide Ohren und nickt zustimmend. Auch den Glühwein mochten beide, obwohl Brian „kein großer Weinliebhaber“ sei.  Mit Kiah geht er häufig in die Stadt zum Shopping, wobei beide darauf achten, dass „wir nicht zu viel Geld ausgeben“. Außerdem unternehmen sie viel mit den Teamkollegen, Restaurantbesuche stehen ganz weit oben auf dem Programm.

Wenn es um Kulinarisches geht,  mag der Schlaks vor allem die italienische Küche. Außer Haus trifft man „die Harpers“ demzufolge häufig in Pizzerias. An der deutschen Küche hat „Air Harper“ mittlerweile auch Gefallen gefunden. „Auf dem Speiseplan stehen aber auch typisch deutsche Gerichte. “Schnitzel und deutsche Bratwürste finde ich am leckersten.“

Auf die Frage, wie er die deutschen Backwaren, die wenig mit den amerikanischen gemeinsam haben, findet, gibt es eine überraschende Antwort. „Kurz gesagt – ich liebe sie. Vor allem diese Dinger mit den zwei Schokostreifen drin. Weißt du was ich meine?“ Ich nicke bestätigend und kläre ihn auf, dass diese „Dinger“ Schokocroissants heißen.  Brian lacht und führt fort, dass er davon „locker sieben Stück“ verdrücken kann.  Wir können uns zur Mittagszeit nur schwer vom Thema „Essen“ trennen.

Natürlich muss ich nachhaken, wer seine besten Freunde im Team sind. „Ich komme mit allen super klar.“ Er hat die Geschichte über Nate bei lokalo gelesen und sich gewundert, dass er es nicht in dessen Hitliste geschafft hat. „Nate hatte mich schlicht und einfach vergessen. Wir haben drüber gelacht.“ Am besten versteht sich Brian mit Jarrett Howell, seine Verlobte Kiah ist zudem mit T`Aundra Howell befreundet. Auch Barry Stewart gehört zu den engsten Vertrauten im Team. Er nennt ihn nur „Young Kobe“ weil er ihn sehr an Kobe Bryant erinnert. Im Spiel schätzt er ihn als harten Arbeiter und tollen Offensivspieler. Auch Vitalis Chikoko und Jone Pedro Lopez sind häufig in seiner Nähe.  „Sie erinnern  mich an mich selbst, als ich in ihrem Alter war. Ich versuche auch immer Tipps zu geben.“

Auch mit den deutschen Spielern kommt er sehr gut aus und hat für einen weiteren Spieler einen Spitznamen kreiert. “ Mathis Mönninghoff nenne ich nur „RayRay“. Kennst du Ray Allen?“ Ich bejahe und Brian fährt fort. „Jedes Mal, wenn Mathis zum Wurf ansetzt, spring ich auf und rufe „RayRay!“. Sein Wurf ist eine Augenweide.“ Er fügt noch hinzu: „Eine Rangliste aufzustellen, ist eigentlich unfair, denn alle im Team verstehen sich super. Und genau das macht unsere Mannschaft so stark.

Es folgt die Lobeshymne auf den Trainer: „Henrik Rödl ist nicht nur ein exzellenter Coach, sondern auch ein toller Mensch. Ich spiele Basketball, seit ich vier Jahre alt bin und hatte in dieser Zeit viele verschiedene Trainer. Ich kann versichern, dass man einen solchen Coach wirklich selten findet. Er versteht das Spiel, kann super mit den Spielern umgehen und weiß einfach, was er macht. Zudem ist er sehr emotional und rüttelt damit die Spieler wach. Trier kann sich glücklich schätzen, ihn für weitere drei Jahre gebunden zu haben. „

Noch ein anderes Teammitglied hat es ihm angetan: Axel „Aggy“ Mock, Triers Kult-Masseur. “My Man“, sagt er. Und: “Er ist ein ganz wichtiger Mensch für mich. Immer, wenn ich irgendetwas brauche, weiß Aggy Rat und hilft. Er ist einfach ein guter Kerl, der immer für einen da ist. Aggy ist 100 Prozent Aggy. Man kann nicht in Worte fassen, wie Aggy ist.“ Weiterhin erfahre ich, dass Brian noch auf einen Overall wartet, wie auch Aggy sie immer trägt.  Axel Mock hat versprochen, ihm einen mitzubringen, wenn sie mal wieder bei einem Supermarkt im Angebot sind. „Ich erinnere ihn wöchentlich daran“, macht Brian klar, dass  er es todernst meint. Ein schelmisches Grinsen kann er sich dabei jedoch nicht verkneifen.

Danach kommen wir wieder zu Themen zurück, über die wir eigentlich reden wollten. Ob er besondere Rituale vor dem Spiel hat, will ich wissen. Natürlich, er hat. Er bezeichnet sich selbst als die „Kabinen-Jukebox“ der TBB. „Vor dem Spiel ziehe ich immer die Kopfhörer an und höre meine Lieblingsmusik. Meine Teamkollegen lachen mich immer aus, weil ich dabei laut singe“, lacht Harper und fügt hinzu: „Ich versuche einfach zu relaxen und gehe meine persönlichen Aufgaben im  Spiel noch einmal durch. Danach bete ich noch zu Gott, dass er mich, meine Teamkameraden und die gegnerischen Spieler vor Verletzungen bewahrt. Anschließend heißt es raus gehen und das tun, was getan werden muss.“

Welche Musik er hört, verrät er direkt im Anschluss. „Vor dem Spiel Hip-Hop, weil es mich einfach anstachelt. Zu Hause, wenn ich mit Kiah relaxen will, höre ich eher Gospel oder R`n`B.“ Momentaner Lieblingsinterpret ist Bruno Mars. Entspannt wird auch bei Filmen und Serien. Zu seinen Lieblingsserien gehört „Breaking Bad“, die ihm von Nate Linhart empfohlen wurde. „Wir haben alle Staffeln hintereinander geschaut. Eine wirklich großartige Serie!“ Zudem sind sie Fan der Serie „Scandal“, die laut Brian bei allen Amerikanern im Team sehr beliebt ist.

Kurz vor dem Ende unserer Plauderstunde, komme ich noch auf das Spiel in Bonn und den Pokal zu sprechen. Brian will mit aller Macht die Vorrunde mit 10:7-Siegen beenden und ist überzeugt, die Telekom Baskets schlagen zu können, wenn „wir an beiden Enden des  Spielfelds konsequent und konzentriert zu Werke gehen“. Im Pokal hofft er auf ein Heimspiel, „weil die grandiosen Fans uns nach vorne peitschen werden. Gerade zuhause können wir jeden schlagen. Wir werden alles daran setzen, nach Berlin zu fahren.“

Wir brechen gemeinsam auf, Brian und Kiah bieten mir an, mich mit in die Stadt zu nehmen. Dabei erfahre ich so ganz nebenbei, dass der Führerschein in den USA für nur 20 Dollar und mit wenig Aufwand bereits in der Schule zu erwerben ist. „Da hast du noch einen Unterschied zu Deutschland. Ich habe gehört, es kostet eine Menge Geld, hier den Führerschein zu machen.“ Nett formuliert. Bevor ich diese Problematik zu Ende gedacht habe, hat mich der „20-Dollar-Fahrer“ bereits wohlbehalten in der Innenstadt abgesetzt. 

1 KOMMENTAR

  1. Wieder interessant das ganze. Guter Service. Wo ist denn der Hausbesuch von Saibou gelandet? Den gabs doch auch?! Konnte den leider noch nicht lesen.

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