Triererin zu Gast an Silvester in Berlin

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BERLIN. Silvester in Berlin? Warum eigentlich nicht, dachte ich mir und machte mich kurzerhand mit meinem Freund auf einen  „Road Trip“ in die Hauptstadt.  „Mitten durch Deutschland“ hieß der Plan am Samstag den 29. Dezember, vorbei an Wiesen und Wäldern, überteuerten Raststätten und der reinen Natur bis in die Hauptstadt. Von Sarah Fais

Was mich an Berlin immer wieder fasziniert, ist die unberührte Natur um diese sagenhaft große, schillernde, bunte und laute Stadt, deren Fläche größer als New York ist. Eine wahre Metropole und ein Anziehungspunkt für Besucher aus aller Welt. Die Tage vor Silvester waren eher unspektakulär und geprägt von typischen Touristenaktivitäten: Brandenburger Tor, Reichstag, Museumsinsel, Hackesche Höfe und der Gendarmenmarkt.  Alle Sehenswürdigkeiten, die nur zu empfehlen sind.

Der Gendarmenmarkt versprüht selbst kurz vor Jahresende noch  weihnachtliches Flair, während woanders längst der Alltag Einzug gehalten hat. Wir sind vielleicht auf einem der schönsten, ganz sicher aber einem der stimmungsvollsten Plätze Berlins. Am Morgen des 31. war ich mehr als überrascht, wie kalt sich 5 Grad Celsius anfühlen können. Berlin hat sich als deutscher Gegenpart zu Chicago den wenig schmeichelhaften Titel „Windy City“ wirklich verdient. Aber wie lautet das Bonmot? Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur die falsche Kleidung. Nachdem ich mich erfolgreich mit Leggins, Strumpfhose und einem Mützchen ausgestattet hatte konnte ja nichts mehr schief gehen. Um die Spannung nicht zu früh hoch zu treiben, war tagsüber noch „Sightseeing“ angesagt. Bummeln ja, trödeln nein, lautete das Motto, denn die Tore zur  „Fanmeile“ sind an Silvester nicht unbegrenzt geöffnet. Die ersten Zugänge in der Nähe des Brandenburger Tores waren bereits um 18 Uhr dicht. Wir suchten uns dann gemeinsam mit vielen anderen Feierlustigen ein anderes Tor durch das man uns Zugang gewehrte.

Endlich am Eingang angekommen, wurden wir noch schnell nach verbotenen Gegenständen abgetastet und danach hieß es: „Auf ins Getümmel“. Was mir positiv auffiel, waren die vielen bunten Buden die den Weg der „Fanmeile“ säumten und zu einem kleinen Bummel einluden. Außerdem gab es etliche Getränke- und Snackstände somit war für jeden Geschmack etwas dabei. Leider war das Areal vor der Bühne schon recht schnell voll, jedoch ergatterten wir einen schönen Platz in der rechten Ecke vor dem Brandenburger Tor. Vor uns ein riesiger Bildschirm der uns einen tollen Blick auf die Bühnenshow garantierte.

Es gab jedoch leider ein Problem. Der gesamte Bereich, den wir mit vielen anderen Menschen teilten, war fast frei von Beschallung.  Die Boxen, die das Spektakel übertragen sollten, waren direkt an der Bühne befestigt und erfüllten für uns ihren Zweck nur unzureichend. Die Musik war hörbar und verständlich, jedoch nicht laut genug, um in unserem Areal richtige Stimmung aufkommen zu lassen. Vielleicht lag es auch an den Künstlern, die zwar ihr Bestes gaben, aber leider teilweise nicht mehr allen Anwesenden ein Begriff waren. Positiv zu bewerten ist dennoch, dass versucht wurde, jeden Geschmack abzudecken: Von Bonnie Tyler über Jürgen Drews, Glasperlenspiel bis zu Adoro. Sogar Blue heizte der Menge mit zwei Songs gehörig ein.

„All rise“ vom Debüt Album der britischen Boy Band (erschienen 2001), erinnerte mich schlagartig zurück an meine Kindheit, welche von Bravo-Hits und Teenieband-Postern geprägt war. Auch das Moderatorentrio Mirjam Weichselbraun, Joachim „Joko“ Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf, glänzte in doppeltem Sinn, verbal und optisch. Leider waren sie oft wegen der schlechten Akustik nicht gut zu verstehen.Schade, für das Trio, das zur Moderatorenelite zählt, aber mehr zu sehen als zu hören war. Dennoch hatte die Bühnenshow Klasse und die Zeit verging wie im Flug. Gerne hätte ich mehr als nur ein Sprite getrunken, aber der Ekel vor dem Aufsuchen eines Dixi-Klos war größer als das Verlangen nach einem „Sex on the Beach“ oder „Cuba Libre“. Umso bedauerlicher, da die Cocktails augenscheinlich sehr schmackhaft waren, denn der Ansturm auf die Stände brach nicht ab.

In unserer Ecke hätte ich mir schon ein wenig mehr Stimmung gewünscht, aber vielleicht waren die Stimmungskanonen auch alle in der goldenen Mitte, wo die Kameras nach erfreuten und begeisterten Gesichtern suchten. Positiv überraschte mich auch das friedliche Beisammensein. Ich bemerkte keine Kabbeleien oder gar Schlägereien – wozu auch die große Anzahl an Sicherheitskräften beitrug. Kurz vor 24 Uhr stieg die Spannung weiter. Die restlichen Minuten bis zum Jahreswechsel wurden von einem Künstler verkürzt der das Publikum zum „Gangnam Style“ animieren sollte. Wegen des Platzmangels, verzichteten wir auf diese Tanzeinlage. Dann die letzten zehn Sekunden, die von circa einer Million Besuchern im Countdown heruntergezählt wurden.

2013 war da, aber das Feuerwerk nicht. Alle starrten gebannt auf das Brandenburger Tor – das Feuerwerk war zu hören. Zu sehen war es jedoch nicht über dem Berliner Wahrzeichen, sondern in unserem Rücken. Also hieß es: Einmal umdrehen bitte! Da war es dann. Das Silvesterfeuerwerk in Deutschlands Hauptstadt, musikalisch untermalt von den Pet Shop Boys. („Go West“) Eigentlich dachte ich vorher, dass die Leute, die auf der „Fanmeile“ stehen, die beste Sicht haben. Inzwischen bin ich davon überzeugt , das der Pariser Platz die optimalen Voraussetzungen bietet. Das Feuerwerk selbst war gigantisch, aber nicht vergleichbar mit dem in London, was ich ein Jahr zuvor erleben durfte.  Die Kulisse des „London Eye“ in Verbindung mit einem Feuerwerk ist unbeschreiblich. Dennoch: Alles in Allem  war Silvester in Berlin ein tolles Erlebnis und durchaus empfehlenswert.

 

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