TBB Trier: Niederlage gegen abgezockte Dragons

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TRIER. Die Drachen aus dem Artland reisten mit einer Niederlagenserie im Gepäck nach Trier – zeigten aber an der Mosel wieviel Qualität in der Mannschaft aus der niedersächsischen Kleinstadt steckt. 4621 Zuschauer sahen eine verdiente 77:79 Niederlage der TBB Trier. Die „Entenhausener“ überzeugten mit einer mannschaftlich geschlossenen Leistung. Vier Spieler punkteten zweistellig. Beste Trierer an diesem Abend waren Brian Harper mit 18 Punkten und acht Rebounds und Joshiko Saibou, der mit dreizehn Punkten sein bislang bestes BBL-Spiel ablieferte.

Die Euphorie in Trier wächst und wächst. „Viel Respekt vor Trier“ haben auch die Quakenbrücker laut Headcoach Stefan Koch vor der Partie gehabt und der sympathische Trainer beglückwünschte zur Vertragsverlängerung mit Henrik Rödl. Die Niederlage am Mittwoch in Bamberg wirkte sich in keinster Weise negativ auf den Zuschauerzuspruch aus – im Gegenteil. Mit 4621 Zuschauern wurde sogar der starke Wert aus dem Spiel gegen Bayreuth getoppt. Vor der Partie sangen die Fans schon „Happy Birthday“ für den Vorstandsvorsitzenden Sascha Beitzel – die Rahmenbedingungen für die Mission „Weihnachtsgeschenk – die Zweite“ stimmten also.

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Auch sportlich lief es zunächst rund. Die Moselstädter suchten von Anfang an den Weg zum Korb, setzte die Brettspieler in Szene. Vor allem Andreas Seiferth stellte seinen Gegenspieler Anthony King vor große Probleme. Mit dem Rücken zum Korb gelang es ihm immer wieder, den US-Amerikaner mit einer schnellen Drehung auszuspielen. Auf der Gegenseite hielt Ex-NBA-Spieler Ryan Gomes seine Farben im Spiel. Trier machte zu Spielbeginn sehr viel richtig. Konsequentes Penetrieren und dahin gehen, wo es weh tut, wurde mit Korberfolgen oder geahndeten Fouls belohnt. Positivstes Beispiel hierfür war Joshiko Saibou, der nach seiner Einwechslung mit Punkten von der Linie und einem sehenswerten Korbleger auf sich aufmerksam machte (15:11). Nach dem Spiel gab es ein Sonderlob von Rödl für Saibou. „Joshiko hat ein sehr gutes Spiel gemacht und die Aufgabe, die wir ihm gegeben haben, sehr gut gelöst.“ Dann kam ein Bruch ins Spiel der TBB – man verlor die starken Schützen der Gäste aus dem Auge, die dies gnadenlos ausnutzten. Marquez Haynes mit acht Punkten, und der starke Ersatzmann von Anthony King, Petar Popovic, brachten die Hausherren mit einem 10:0 Lauf in Front. Am Ende des ersten Viertels hieß es so 15:21 aus Trierer Sicht. Die zweite Fünf hatte Schwierigkeiten, rannte sich ständig an Blocks fest.

Im zweiten Viertel wurde es turbulent. Der Rückstand von Rödls Mannen, die Popovic nicht in den Griff bekamen, wurde erstmal zweistellig (18:28) Das bis dato souveräne Schiedsrichtergespann zeigte im Anschluss wenig Fingerspitzengefühl, als sich Nate Linhart mit einer alltäglichen Geste über einen falschen Pfiff aufregte und ein technisches Foul bekam. „The Steal Deal“ musste mit drei Fouls auf der Bank Platz nehmen. In der Arena brach ein gellendes Pfeifkonzert über die Unparteiischen herein. Kurze Zeit später der nächste Aufreger: Seiferth klaut den Ball, läuft alleine auf den Korb zu und wird rüde gestoppt. Die Mannen um Referee Moritz Reiter sehen lediglich ein normales Foul. Eine klare Fehlentscheidung.

Ohne Linhart fehlte der TBB ein wichtiger Baustein in der Defensive. Man machte es den Gästen viel zu leicht. Die aggressive Defense machte zwar Druck in der gegnerischen Hälfte, jedoch ging man dabei zu sehr auf den Ballgewinn. War dieser Wall überwunden, hatten Demond Mallet und Co. leichtes Spiel und fanden fast immer erfolgreich den freien Mitspieler unter dem Korb. Dank starken Treffern von Howell und Joshiko Saibou blieb Trier zwar im Spiel (33:42), aber Popovic hatte immer die passende Antwort parat. 15 Punkte standen nach den ersten zwanzig Minuten auf der Habenseite des 33-jährigen Kroaten. Mit einem 42:49 ging es in die Halbzeitpause. Barry Stewart, Topscorer der Trierer in Bambergm, wurde von der Quakenbrücker Defensive komplett abgemeldet. „Barry hat am Mittwoch sehr gut gespielt und stand lange auf dem Parkett. Für ihn sprang Joshiko in die Bresche. Unsere Mannschaft identifiziert sich über den Mannschaftsgeist und es liegt nie an einem Spieler, wenn es nicht klappt“, stellte Rödl auf der Pressekonferenz klar. „Defensiv macht er immer einen herausragenden Job.“

Nach dem Seitenwechsel kam die Trierer Defensive besser mit dem Spiel der Drachen zurecht. Man foulte geschickter und zwang die Dragons zu schlechteren Würfen.  Offensiv knüpfte man an die gute Leistung aus der ersten Hälfte an. Dank fünf Punkten von Jarrett Howell, war man wieder bis auf einen Punkt an den starken Norddeutschen dran (50:51). Es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, bei dem die Niedersachen allerdings stets in Führung blieben. Was die Schönheit der erzielten Körbe angeht, hatte Trier allerdings klar die Nase vorn. Brian Harper hob einmal mehr vom Parkettboden ab und verwertete einen Offensivrebound postwendend als Dunking – die Arena stand Kopf. Wenig später stopfte auch Vitalis Chikoko nach schönem Assist von Harper den Ball durch die 3,05-Meter hohe Reuse. Die TBB schnupperte an der Führung – gelingen wollte sie allerdings nicht. Zu schlecht war wieder einmal die Ausbeute von der Freiwurflinie und auch die Wurfauswahl ließ des Öfteren zu wünschen übrig. Kurz vor Ende des dritten Durchgangs hatte Mathis Mönninghoff dennoch den möglichen Ausgleich in der Hand, doch sein Dreipunktewurf verfehlte klar sein Ziel. So ging es mit einem denkbar knappen 60:63 Rückstand in die letzte Viertelpause. Auf den Tribünen stellte man sich auf ein furioses Finale ein.

Doch so spektakulär und spannend wurde es leider nicht. Viereinhalb Minuten lang blieb Trier ohne Korberfolg und die Drachen sorgten für eine kleine Vorentscheidung. Bezeichnend: Der bärenstarke Saibou erobert den Ball, läuft den Fastbreak und vergibt den einfachen Korbleger. Chikoko bekommt den Offensivrebound und vergibt ebenfalls – im Gegenzug trifft Bryce Taylor den Dreipunktwurf zum 60:66. Bis auf zehn Punkte (63:73) setzten sich die Dragons wieder ab. Auch Dank des eiskalten Demond Mallet und eines Anthony King, der in der zweiten Halbzeit ähnlich auftrumpfte, wie Popovic in der ersten. Die Dragons schaukelten das Spiel nach Hause – auch wenn Trier sich noch einmal herankämpfte (69:75), hatten die Mannen von Stefan Koch jederzeit alles unter Kontrolle. Howell nutzte einen schlampigen Einwurf vier Sekunden vor der Schlusssirene für Ergebniskosemtik. Am Ende sah es beim 77:79 Endstand dadurch sogar nach einer ganz engen Kiste aus. Trier belegt  momentan den siebten Tabellenplatz und muss am zweiten Weihnachtsfeiertag zum Vizemeister in Ulm reisen. Englische Wochen, wie sie schwieriger kaum sein könnten.

Henrik Rödl:
„Glückwunsch an Stefan Koch und seine Mannschaft. Sie waren gut vorbereitet auf uns. Wir konnten nicht den nötigen Druck aufbauen, den wir gebraucht hätten, um so eine erstklasse Mannschaft zu bezwingen. Wir sind darauf angewiesen, ein starkes Kollektiv zu zeigen. Das ist uns nicht so gelungen, wie wir uns das erhofft hatten. Es ist keine Schande gegen eine Mannschaft wie die Artland Dragons zu verlieren.“

Stefan Koch (Artland Dragons):
„Wir hatten zuletzt sechs Spiele verloren und sind heute nach Trier gekommen zu einer Mannschaft, vor der wir viel Respekt hatten. Wir sind kontinuierlich auf einem guten Weg, verbessern uns von Spiel zu Spiel und finden als Mannschaft immer mehr zusammen. Zum Ende hin wurde es noch einmal spannend, wir hatten aber genügend Vorsprung, um den wichtigen Sieg über die verbleibende Zeit zu retten.“

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