Theater Trier: Frohe Botschaft vom Thomas

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TRIER. Advent, Zeit der frohen Botschaft. Auch für das Theater Trier. Der Kulturtempel am Augustinerhof wird in den kommenden beiden Jahren wohl ohne weitere Sparschrauben leben und überleben dürfen. Laut Kulturdezernent Thomas Egger (FDP) sind für den städtischen Doppelhaushalt 2013/2014 keine weiteren Einsparungen über die bereits festgezurrten eine Million Euro hinaus vorgesehen. Das hat nicht zuletzt auch damit zu tun, dass das Theater die Zuschauerzahl in der vergangenen Spielzeit um 15.500 Besucher gegenüber dem Vorjahr steigern konnte.

Zufriedene Gesichter allenthalben – ein strahlender Intendant, ein glücklicher Dezernent, erleichterte Theaterleute. Die Spielzeit 2011/2012 war die erfolgreichste seit fünf Jahren unter Intendant Gerhard Weber. Über 118.000 Besucher ließen sich bei insgesamt 466 Veranstaltungen die Kunst des Trierer Theaters schmecken – und damit 15.500 mehr als noch im Jahr zuvor. „Darauf sind wir stolz“, sagte Weber. Für den Chef im Kulturamt ist der Aufwärtstrend damit klar zu erkennen: „Wenn man schon solche Zahlen hat, muss man damit ja nicht hinterm Berg halten“, betonte Dezernent Thomas Egger. „Das ist ein schöne Bescherung – noch vor Weihnachten.“

Im Stadtvorstand ist man sich auch wohl deswegen einig, dass keine weiteren Einsparungen auf das Trierer Theater zukommen werden. „Natürlich hat der Stadtrat das letzte Wort“, sagte Egger, „und dem will ich auch nicht vorgreifen.“ Er werde dem Gremium aber vorschlagen, den Etat des Hauses am Augustinerhof unverändert bei rund 14 Millionen Euro zu belassen. Eine Million Euro musste Egger den Theaterleuten bereits streichen – wegen der Sparvorgaben der Aufsichts- und Dienstleitungsdirektion (ADD). Die spricht ein nicht unerheblichen Wörtchen beim Budget für Triers Kulturtempel mit. Egger ist sich aber sicher, dass der städtische Zuschuss von rund sieben Millionen Euro nicht weiter gekappt wird. Auch die Landesmittel von gut fünf Millionen Euro sollten unverändert bleiben.

Die Steigerung bei den Besucherzahlen im wichtigen regulären Programm war vor allem dem Erfolg von Dürrenmatts Schauspiel „Die Physiker“ zu verdanken (8.200 Zuschauer), aber auch dem Weihnachtsstück „Eine Woche voller Samstage“, das mit 18.000 Zuschauern über 2.000 mehr als in der vorherigen Saison erreichte. Die Aufführungsserie von Leonard Bernsteins „West Side Story“ in der Bobinethalle Trier markierte einen weiteren Publikumserfolg (15.000 Zuschauer), konnte jedoch nicht ganz an die mit der „Rocky Horror Picture Show“ in 2010 erreichte Resonanz anknüpfen. Während das Musiktheater mit dem Musical „The King and I“ (rund 7.300) punktete, überzeugten zugleich Puccinis Oper „La Boheme“ und die Komödie „Keinohrhasen“ mit jeweils über 5.000 Zuschauern. Über 3.800 Theatergänger verfolgten die zeitgenössische Tanztheateradaption des Balletts „Dornröschen“.

„Wir haben einfach mehr gespielt und hatten eine höhere Schlagzahl“, resümierte Weber am Dienstag. Durchaus selbstkritisch räumte der Intendant ein, dass der Aufschwung auch mit dem Aus für die Antikenfestspiele zusammenhänge. „Dadurch konnten wir uns wieder verstärkt auf das Kerngeschäft konzentrieren.“ Allerdings seien nicht alle Produktionen wie gedacht vom Publikum angenommen worden. „Bei meinen eigenen Stück ‚Hedda Gabler‘ und auch beim ‚Barbier von Sevilla‘ hatten wir uns durchaus mehr erhofft“, so Weber.

Rückschlüsse daraus hat der Intendant mit seiner Mannschaft indes noch nicht gezogen. „Das ist immer schwer, weil bestimmte Dinge einfach nicht vorhersehbar sind – und die Gunst des Publikums erst recht nicht.“ Unzweifelhaft aber ist, dass die neuesten Zahlen auch in das Gutachten von Professor Dr. Dieter Haselbach einfließen werden. Haselbach wird das Trierer Theater bis zum nächsten Jahr durchleuchten und die Organisation am Augustinerhof auf Herz und Nieren prüfen (wir berichteten). „Diese Zahlen sind für den Gutachter natürlich wichtig“, betonte Egger. „Das gilt aber auch für die Zahlen aus der laufenden Spielzeit.“

Unter dem Gesichtspunkt ist Weber nicht bange. „Wir sind aktuell sehr zufrieden“, so der Intendant. Weber kann auf eine Spielzeit zurückblicken, die wohl auch seine eigenen Erwartungen übertraf. So erreichten die Konzerte des Philharmonischen Orchesters unter der Leitung von Generalmusikdirektor Victor Puhl im Großen Haus über 8.300 Zuschauer; die Gastkonzerte in verschiedenen Spielstätten verfolgten weitere 2.800 Besucher. Zu den externen Aufführungen bei den Festspielen in Monschau, der Seebühne in Losheim und dem Théatre de Municipal in Esch sur Alzette kamen über 4.700 Zuschauer. „Natürlich müssen sich die Gastspiele rechnen“, betonte Weber. „Aber da kommen wir immer mit einer schwarzen Bilanz heraus.“ Wobei der Werbecharakter für das Theater bei solchen Gastspielen der entscheidende Faktor sei.

Das Studioprogramm, das zeitgenössische Dramatik und Aufführungen in ungewöhnlichen externen Spielstätten einschließt, lockte über 3.400 Besucher mehr als im Vorjahr an und trug somit ebenfalls zum Aufwärtstrend des Kerngeschäfts bei. 7.400 Zuschauer besuchten die Produktionen, von denen „Gut gegen Nordwind, „Sonny Boys“ sowie das im Modehaus Marx gezeigte Stück „Josef und Maria“ mit jeweils über 1.000 verkauften Tickets zu den beliebtesten gehörten.

Ein paar Euro an Einnahmen versprechen sich die Theaterleute auch vom erneut aufgelegten Kalender für 2013. Ermöglicht wurde der durch eine hausinterne Spende sowie durch die „Freunde des Trierer Theaters“. Für zehn Euro ist der Kalender mit Hochglanzfotos von Inszenierungen aus der letzten Spielzeit ab sofort an der Theaterkasse erhältlich – ebenso wie bei den Buchhandlungen „Mayersche Interbook“ am Kornmarkt und „Der Bücherladen“ auf der Simeonstraße. Die Bescherung kann also kommen… (et)

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