„Ein Selbstläufer wird es nie“

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LUXEMBURG. Was 1985 als „Schnapsidee“ der beiden Studenten Jan Vereecke und Jan van Esbroeck in Antwerpen begann, ist längst zu einer Institution in den Veranstaltungshallen Westeuropas geworden. Was als einmaliges Event angedacht war, wird in diesem Jahr auf 35 Bühnen von zigtausend Besuchern gefeiert. lokalo sprach mit Jan Vereecke, der längst der Produzent der “Night of the Proms“ (NOTP) ist. Von unserem Mitarbeiter Nikolaus Meyer

Herr Vereecke, die Deutschlandtour der NOTP hat begonnen. Paradoxerweise in Luxemburg. Was sind ihre ersten Eindrücke des diesjährigen Konzerts?

Vereecke: Ich glaube, wir haben wieder eine gute Mischung gefunden. Es ist ja auch für mich immer spannend, wie die Solisten und Gruppen miteinander harmonieren. Menschlich und künstlerisch. Die Auftakt hat gezeigt: Es passt.

Die Coque in Luxemburg konnte beim zweiten Gastspiel die Besucherzahl fast verdoppeln. Ist die Anziehungskraft der NOTP ungebrochen?

Vereecke: Das geht sicher in die richtige Richtung. Wir hatten am Freitag, beim ersten Konzert in Deutschland, 13 000 Besucher in der Lanxess-Arena in Köln. Wenn die Hallenbetreiber zufrieden sind und die Besucher, dann sind wir es auch. Das gilt auch für die Musiker und alle, die sonst noch mit dabei sind.

Sind der Bekanntheitsgrad und das Ansehen der NOTP inzwischen so gewachsen, dass ihnen die Künstler die Tür einrennen, um dort auftreten zu dürfen?

Vereecke (lacht): Ja, bekannt geworden sind wir, und angesehen auch. Aber es ist nicht so, dass die Künstler Schlange stehen, um bei uns mitmachen zu dürfen. Wir haben es sicher leichter, als zu Anfang, aber wir haben auch höhere Ansprüche. Beide Faktoren sind in der Branche bekannt. Daher wird die Planung und Zusammenstellung einer Tour nie zum Selbstläufer. Das ist alles harte Arbeit, aber auch Arbeit, die Spaß macht. Und wenn dann das Programm für eine Saison steht und es passt alles, dann ist man zufrieden und auch ein bisschen stolz. Zudem schließt und pflegt man auch Freundschaften. Zu Künstlern, da besonders natürlich zu John Miles, der ja schon 1985 dabei war, aber auch den anderen Musikern, den Veranstaltern und allen, die an der Produktion mitwirken. Und ich kann sagen, dass es ein sehr schönes Gefühl ist, so vielen Leuten mit unseren Veranstaltungen auch eine solide Arbeit zu geben, die zudem noch Spaß macht.

Die Konzertreihe 2012 hat gerade erst begonnen. Wann starten Sie die Planungen für 2013?

Vereecke: Die sind bereits in vollem Gang. Ich kann Ihnen sagen, dass einer der Topacts für das kommende Jahr schon steht. Wer das ist, wird natürlich noch nicht verraten. Unser Minimalanspruch ist es, unser Niveau zumindest halten zu wollen. Um das zu sicher zu stellen, ist es unerlässlich, rechtzeitig zu planen. Die Organisation der Night of the Proms ist längst zu einem Fulltime-Job geworden sind.

Was macht die Faszination von NOTP aus?

Vereecke: Es ist natürlich die Mischung der Musikrichtungen, die ja fast jeden Geschmack abdeckt. Deshalb war und ist John Miles mit seinem unvergleichlichen Geniestreich “Music“ das Paradebeispiel für unser Ansinnen. Allein die Textzeile ”to live without my music, would be impossible to do” (Anm. d. Red: Ohne Musik zu leben, wäre unmöglich) gibt alles wieder, was und wen wir erreichen wollen.

Die erste Veranstaltung 1985 war als Unikat geplant. 13.000 Besucher bei der Premiere haben mit den Füßen abgestimmt, dass es weiter gehen soll. Wohin führt der Weg von NOTP?

Vereecke: Ich weiß es nicht. Wir sind inzwischen in Belgien, Holland, Luxemburg, Schweden und Deutschland präsent. Es gibt Anfragen aus Großbritannien und sogar aus den USA. Das Interesse wächst weiter, aber ich kann heute noch nicht sagen, was wir in Zukunft wo machen werden. Expansion ist toll, aber sie darf nie auf Kosten der Qualität gehen. Der Anspruch unseres Publikums ist hoch und der an uns selbst auch.

Was ist denn eigentlich aus Ihrem Kommilitonen Jan van Esbroeck geworden?

Vereecke: Wir sind immer noch befreundet und arbeiten immer noch zusammen. Wir haben eine eigene Firma, sind für einige Hallen in Belgien zuständig und veranstalten dort auch Konzerte. Es gibt also nicht nur unser Vorzeigemodell. Obwohl es nach wie vor immer aufs Neue ganz besonders ist, jedes Jahr zu erleben, was aus einer Idee geworden ist und wie sie sich immer noch weiter entwickelt. Wir haben gerade erst mit der Tournee 2012 angefangen, freuen uns auf jedes einzelne Konzert, aber auch schon ein bisschen auf 2013.

Herr Vereecke, lokalo bedankt sich für das Interview und wünscht Ihnen weiterhin viel Erfolg.

Vereecke: Ich habe mich für Ihr Interesse zu bedanken. Ich hoffe, wir sehen uns im kommenden Jahr.

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