Stadt fällt weitere Kastanien – „Kein Zusammenhang“

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TRIER. Mitarbeiter des Trierer Grünflächenamtes haben am Montagmorgen zwei weitere Kastanien im Stadtgebiet gefällt. An der Kreuzung Kaiserstraße/ Hindenburgstraße wurden die Bäume zersägt. Amtsleiter Franz Kalck bestritt dabei, die Fällung stünde im Zusammenhang mit dem Unglück vom 22. November, bei dem eine 70-jährige Trierer Seniorin in der Wilhelm-Rautenstrauch-Straße von einer umstürzenden Kastanie erschlagen worden war. Unterdessen hat die Staatsanwaltschaft Trier dazu ein Verfahren gegen Unbekannt wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung eingeleitet.

Am Montagmorgen tagte der Trierer Stadtvorstand. Mit dabei auch die für das Grünflächenamt zuständige Dezernentin Simone Kaes-Torchiani (CDU). Nach Informationen von lokalo bleibt die Beigeordnete unverändert bei ihrer Behauptung, sie habe bereits am 23. November, also einen Tag nach dem Unglück in der Wilhelm-Rautenstrauch-Straße (wir berichteten), erklärt, die umgestürzte Kastanie sei ebenso wie der drei Tage später gefällte Nachbarbaum für eine „Wiederholungskontrolle“ vorgesehen gewesen.

Amtsleiter Franz Kalck wollte sich dazu am Montagmorgen trotz mehrmaliger Nachfrage nicht äußern. „Dazu sage ich nichts.“ Auch zur Aussage Kaes-Torchianis vom 23. November, es bestünde kein akuter Handlungsbedarf beim Trierer Baumbestand, weil der „scheckheftgepflegt“ sei und keine Verdachtsmomente vorlägen, wollte Kalck sich nicht äußern. „Ich werde gar nichts mehr dazu sagen. Irgendwo ist eine Grenze erreicht“, wich der Amtsleiter den Fragen aus. Allerdings räumte Kalck ein, es seien im Stadtgebiet bereits Kastanien auffällig geworden, die mit jenem Pilz befallen waren, der unter anderem in Duisburg zu einer große Fällaktion geführt hatte. Kaes-Torchiani hatte am 23. November betont, von einem Pilzbefall sei ihr nichts bekannt.

Verbale Rückendeckung erhielt die Dezernentin am Montagmorgen auch von einer Redakteurin des Heimatblattes „TV“. Sie unterbrach die Nachfragen dahingehend, Kaes-Torchiani habe ihre Aussagen doch gar nicht so getätigt und auch nicht so gemeint. Kalck nutzte die ungewöhnliche Unterstützung, um hinzuzufügen: „Sie werden von mir sicher nichts zur Dezernentin hören.“ Wann die heutige Maßnahme an der Ecke Kaiserstraße/Hindenburgstraße geplant worden sei, ob nach oder vor dem Unglück vom Rautenstrauch-Park, wusste der Amtsleiter aber auch nicht zu sagen. „Ungefähr vor zwei, drei Wochen – vielleicht“, sagte Kalck. Das müsse er erst nachprüfen.

Mehrmals betonte Kalck, die aktuellen Maßnahmen seien Routinearbeiten und stünden in keinem Zusammenhang mit dem jüngsten Unglücksfall. Vom 1. Dezember bis Ende Februar fällen die Mitarbeiter des Grünflächenamtes auffällige Bäume. Bei den Kastanien in der Allee zwischen Kaiserstraße und Südallee sei Fäulnis festgestellt worden, so Kalck. Wann, wusste er indes nicht zu sagen. Beide Bäume seien vermutlich nach dem Krieg gepflanzt worden und sollen jetzt auch auf Pilzbefall untersucht werden.

Auch auf die Nachfrage, warum die beiden Kastanien jetzt und nicht bereits früher gefällt worden seien, reagierte Klack ausweichend und blieb allgemein. „Irgendwann ist ein Punkt erreicht, an dem man merkt, dass der Baum keine Zukunft mehr hat und andere Maßnahmen nicht mehr weiterhelfen.“

Kalck verteidigte ferner die bisherige Praxis der Stadt bei den Baumkontrollen, die laut Kaes-Torchiani durch „Augenscheinnahme“ durchgeführt werden. „Wir reden hier von lebenden Objekten, da gibt es keine absolute Sicherheit“, betonte der Amtsleiter. Ob die Kontrolleure mit einem Hammer ausgestattet seien, um einen Baum etwa auch abklopfen zu können, wusste Kalck mit Sicherheit nicht zu sagen. „Aber ich denke schon.“ Ausgestattet seien die Kontrolleure allerdings mit einem Laptop, um auffällige Bäume sofort im Kataster erfassen zu können.

Die beiden Kastanien an der Kreuzung Kaiserstraße/Hindenburgstraße stehen auf jener Liste, die seit heute auch im Internet abrufbar ist. 60 Bäume sind dort zusätzlich zur offiziellen Baumfällliste erfasst. Viele davon werden durch Neupflanzungen ersetzt. Rechtlich hätte das Grünflächenamt bereits im Oktober damit beginnen können, auffällige Bäume zu fällen. „Aber wir warten normalerweise lieber ab, bis die Bäume restlos laubfrei sind“, so Kalck. Um die Maßnahmen durchzuführen, haben die Mitarbeiter nach dem Landesgesetz bis zum 28. Februar Zeit – danach beginnt die Schonzeit. In diesem Jahr habe man wegen der widrigen Witterung mit Ausnahmegenehmigung bis in den März hinein fällen müssen.

Unterdessen hat die Staatsanwaltschaft Trier zum Unglücksfall in der Wilhelm-Rautenstrauch-Straße ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung eingeleitet. Mit der Untersuchung des umgestürzten Baumes wurde ein Gutachter aus Rheinland-Pfalz beauftragt. Er soll unter anderem feststellen, ob die Kastanie an Pilzbefall litt. Noch liegt der Bericht des Fachmanns allerdings nicht vor. Damit rechnet man bei der Stadt in frühestens zwei bis drei Wochen. (et)

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1 KOMMENTAR

  1. Das Ganze passt zur Mischpoke von Stadt und TV, vor allen Dingen zu den beiden erwähnten Damen. Gelebte Frauensolidarität halt.

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