Vulkaneifel: Klare Klatsche für konservatives Lager

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DAUN. Ein solches Ergebnis hatten sich selbst viele Befürworter des parteilosen Landratskandidaten Heinz-Peter Thiel, derzeit noch Polizeichef in der Vulkaneifel, nicht träumen lassen: Mit 61 Prozent Stimmenanteil setzte er sich von Frank Bender (CDU, 39 Prozent der Stimmen) ab. Eine Nachbetrachtung von Angelika Koch

Ein kurzer, aber intensiver Landrats-Wahlkampf ist zu Ende. Notwendig geworden war er nach dem zum 1. April 2013 angekündigten Rücktritt des Amtsinhabers Heinz Onnertz. Der parteilose ehemalige Richter, der mit 67,5 Prozent in eine zweite Amtszeit wiedergewählt worden war, hatte angesichts einer lang andauernden, gegen ihn gerichteten Kampagne in einem regionalen Medium das Handtuch geworfen.

Doch die Wählerinnen und Wähler wollen offenbar Kontinuität in Sachen Unabhängigkeit von Parteiräson: Mit fast ebenso gutem Ergebnis wurde nun der gleichfalls parteilose Kandidat gewählt, der von SPD, FWG und Grünen unterstützt wurde. Der von der Bürgerunion Vulkaneifel (BUV) gestützte CDU-Bewerber Frank Bender unterlag klar. Damit gelingt es den Konservativen zum dritten Mal in Folge nicht, das Landratsamt in Daun zu besetzen. Da auch im benachbarten Eifelkreis Bitburg-Prüm mit Joachim Streit ein Landrat der freien Wähler amtiert, ist dauerhaft unübersehbar geworden, dass die einstigen politischen Selbstverständlichkeiten der Eifel nicht mehr gelten.

Nach dem Willen des künftigen Landrats soll es allerdings nicht konfrontativ, sondern konstruktiv mit allen im Kreistag vertretenen Gruppierungen weitergehen: „Ich biete den offenen Dialog an, gerade auch mit denen, die mich nicht unterstützt haben, denn wir brauchen eine lösungsorientierte Zusammenarbeit“, sagte Thiel nach der Wahl. Nach einer kurzen Erholungspause vom Wahlkampfstress will er sich weiter in die Sachaufgaben einarbeiten. Gespräche mit Bürgermeistern zur Kommunalreform stehen nach seinen Worten ebenso an wie die Entwicklung der Kreissparkasse, deren Verwaltungsratsvorsitzender Thiel dann qua Amt als Landrat ist.

Die KSK mit ihrer gescheiterten Fusion und den bislang nicht eindeutig geklärten Vorgängen rund um das Aus für den langjährigen Sparkassenvorstand Dieter Grau zählt zu den „heißen“ Themen, welche in der Vulkaneifel zu beackern sind. Mit der eindeutigen Wahl von Thiel soll Ruhe einkehren in eine Region, die allmählich politikerverdrossen wird. Die relativ geringe Wahlbeteiligung von rund 37 Prozent gilt als Indiz, dass vor allem die Art des nicht immer ausgewogenen Wahlkampfes keineswegs gut ankam und dass viele konservativ denkende Menschen ihren Unmut durch Wahlverweigerung ausdrückten, da sie kein geeignetes Personal in den ihnen nahe stehenden Parteien vorfanden. Schließlich kam CDU-Mitglied Frank Bender aus Siegen-Wittgenstein für seine Partei zum Einsatz, nachdem bereits alle in der Eifel ansässigen möglichen Bewerber abgesagt hatten.

Die CDU-Vertreter jedenfalls ließen sich am Wahlabend erst sehr spät in der Kreisverwaltung blicken, um kurz das für sie enttäuschende Ergebnis einzuräumen. Die Vulkaneifeler dürfen gespannt sein, wie sich das politische Klima in den kommenden Wochen und Monaten entwickelt. Und sie sind auch gespannt, wie sich das Anzeigenblatt, welches Onnertz kritisierte und klare Position pro Frank Bender bezog, verhalten wird. Denn die Bundestagswahl wirft bereits ihre Schatten voraus: Kandidat Jens Jenssen (SPD) gehörte zu den Unterstützern von Thiel. Sehr bald nach der Bundestagswahl stehen Kommunalwahlen an.

Derzeit verfügen CDU und BUV über exakt die Hälfte der Mandate im Dauner Kreistag. Ein mögliches Szenario: Die Entwicklung geht weiter in die eingeschlagene Richtung, dass ein strikt konservatives Lager die eigene Klientel nur noch schwer mobilisieren kann, zugleich bezieht die FDP wie auch bei dieser Landratswahl keine festgelegte Position. Dann dürfte ein parteiloser und von SPD, freien Wählern und Grünen unterstützter Landrat Heinz-Peter Thiel mittelfristig auf größere Chancen als sein Vorgänger treffen, für Entscheidungen politische Mehrheiten hinter sich zu bringen. (ako)

1 KOMMENTAR

  1. Die Zeiten, als Zeitungen noch Meinung manipolieren konnte, sind schon lange,lange vorbei.
    Die Parteiblättchen verkennen, dass die Menschen heute nicht mehr durch plumpe, mehrseitige Anzeigenkampagnen zu beeinflussen sind.
    Zeitungen sollen informieren und nicht manipulieren. Dafür sind sie da und für sonst nichts.
    hoffentlich hat der Anzeigenwust viel Geld gekostet. Gebracht hat er null und nichts.

  2. Dass die Bürger das böse Spiel bestens durchschaut haben, das zeigt sich am Wahlergebnis und dem extrem hohen Anteil von Wahlverweigerern. Wenn Politik so schmutzig ist, wie sie praktiziert wurde, dann wollten viele Wähler damit nichts mehr zu tun haben.
    Am Ende gab es einen verdienten Gewinner und haufenweise Verlierer, darunter ein Anzeigenblatt und seine Eigentümer. Die von den Kampagnen „profitierenden“ Parteien haben die Unterstützung dankend entgegengenommen und verkrümeln sich seit dem Wahlabend in die Sprachlosigkeit. Der Unternehmer und 1. Vorsitzende der Bürgerunion Vulkaneifel Peter Lepper legte konsequenterweise zwischenzeitlich sein Mandat nieder; CDU Mann Schneiders möchte, einem kurzen Pressestatement zufolge, zurück zur (für seine Partei so praktischen) Urwahl.
    Die bis zu nächsten Wahl erforderlichen Aufräumarbeiten bleiben vermutlich für die Parteibasis liegen. Sie darf nun das zerschlagene Porzellan zusammenkehren und kitten, was noch zu kitten ist. Hoffentlich wird bei dieser Gelegenheit der größte Quertreiber ebenfalls gründlich entsorgt!

  3. @ Kompliment Juliane Mosel,sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen.

    Gottseidank ist dem Vulkaneifelkreis ein Parteiengesteuerter Verwalter, oder schlimmer noch, eine Leppermarionette erspart geblieben.

    Aber genau wie Sie habe ich über das CDU-Schneiders Statement im gestrigen TV gedacht.Aber glauben sie, Schneiders, Schnieder und Vasallen werden nicht ruhen und weiter im Schlamm rühren, sie werden schon was finden, zur Not kann Billen ja bei der Suche helfen!!!!Aber solange es noch so uneinsichtige Parteisoldaten gibt die es gut heißen was dort in Daun getrieben wird,muß man hoffen das sie alle es irgendwann auch merken. Sie sollten mal ganz schnell das „C“ aus ihrem Label entfernen.

    Hier war Lepper halt etwas schlauer und schneller als Schneiders……und legte sein Mandat nieder!!!!!!

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