TBB Trier: Hausbesuch – Steal-Ikone ganz privat

0

TRIER. Nate Linhart ist ein Glücksfall für den Trierer Basketball. Als er letzte Saison zu den Trierern stieß, erwartete keiner, dass er ein gutes Jahr später zu den besten Verteidigern der Beko BBL gehören würde. Doch was macht der Basketballer Nate Linhart in seiner Freizeit? Wie tickt er? Wo kann man ihn in Trier antreffen? Im lokalo-Feature Hausbesuch werden wir in Zukunft alle TBB-Spieler daheim besuchen und einen kleinen Einblick in das Leben der Basketballer geben. Den Anfang macht der Mann aus Ohio. Von Christoph Witt

„Sorry. I’m late.“ Nate Linhart hat Anstand. Dabei hatte er schon kurz zuvor telefonisch angekündigt, dass es ein wenig später werden würde. Ganze zwei Minuten sind es letztlich. Die sprichwörtliche deutsche Pünktlichkeit scheint Spuren hinterlassen zu haben. Über den engen Fahrstuhl geht es hoch zu seiner Wohnung – die Kaufland-Tasche mit den Tageseinkäufen wird in der Küche geleert. Viel Gesundes findet sich dort wieder. Vorbildlich. Schnell wird klar: Linharts Gastgeberqualitäten können durchaus mit seinen Defensivkünsten mithalten – wer die Spielweise des 26-jährigen US-Amerikaners kennt, weiß, was das bedeutet.

Anzeige

Sparkasse Trier

Eben vom Training nach Hause gekommen, lässt sich Nate „The Steal Deal“ Linhart lässig auf das Sofa fallen und plaudert aus dem Nähkästchen. Seine Augen leuchten, als er von seinem großen Hobby, dem Gitarre spielen, erzählt. „Ich investiere viel Zeit, und es ist für mich eine tolle Möglichkeit, vom Alltag abzuschalten“, sagt mit Blick auf seine Akustik-Gitarre. Zu seinen Lieblingskünstlern zählen Bob Dylan, die Beatles, Nirvana und seine neueste Entdeckung: die Alabama Shakes. Alle wichtigen Bands prangen auf einer Collage hinter dem Sofa. Der Schreiber dieses Artikels bekommt dann sogar noch eine weltexklusive Nate Linhart Interpretation des „The Band“-Songs „The Weight“ zu hören. Der Amerikaner schließt beim Spielen die Augen, wirkt fast schon melancholisch. Sogar der Gesang kann durchaus überzeugen. Linhart – das Multitalent. Innenarchitektur hat er jedoch definitiv nicht studiert beziehungsweise anders ausgedrückt: Die Einrichtung ist – wie in diesem schnelllebigen Geschäft durchaus üblich – zweckmäßig.

„The Steal Deal“ ist umgänglich, freundlich, unkompliziert. Sein Interesse an der deutschen Sprache hat mittlerweile sogar dazu geführt, dass er Nutzen aus den Cinemaxx-Gutscheinen ziehen kann, die das Team geschenkt bekommt. Mit seinen Teamkameraden geht es daher häufiger ins Kino, um die Sprachkenntnisse weiter zu vertiefen. „Ich verstehe mittlerweile fast alles, nur beim Sprechen habe ich teilweise noch grammatikalische Hürden zu überwinden.“ Lieblingsfilme hat er selbstverständlich auch. Die Bourne-Verfilmungen, „Der Pate“, „The Big Lebowski“ und „Cool Hand Luke“ mit Paul Newman in der Hauptrolle.

Am häufigsten „abhängen“ tut Nate Linhart mit Andreas Seiferth, Joshiko Saibou und Bastian Doreth, gibt aber gleich energisch zu Protokoll, dass er mit allen im Team super klarkomme. Der Teamgeist in diesem Jahr sei phänomenal, und das Thanksgiving Dinner bei „Misses Howell“ sei sehr gut gewesen. „Wir waren etwa 18 Leute – es hat sich wirklich angefühlt wie zu Hause.“ Das sei auch der Grund für den bislang so erfolgreichen Saisonverlauf. „Wir ziehen alle an einem Strang und haben den unbedingten Siegeswillen. Das fängt schon beim Coach an, der die Leidenschaft vorlebt“, bekommt Henrik Rödl ein Sonderlob von seinem Musterschüler.

„Neben der Musik und Filmen spielen auch Bücher eine wichtige Rolle in der Freizeitgestaltung des Defensivkünstlers. Angesprochen auf seine Lieblingsbücher, folgt ein kurzes Kratzen am Kopf, ein Rümpfen der Nase und eine mehr als befriedigende Antwort. „Jack Kerouac ist einer meiner Lieblingsautoren. Ich mag fast alle seine Werke. Momentan erlebe ich aber eine Art Klassik-Phase.“ Was das bedeutet, hat Linhart auch schnell herausgestellt. „Moby Dick“, „Oliver Twist“ und Bücher von Dostojewski fanden zuletzt den Weg in seine Hände. Auch Fantasy hat es dem selbsternannten „Bücherwurm“ angetan. Ist da überhaupt noch Platz für Videospiele, die fast jeder Mittzwanziger dieser Generation zu seinen Hobbies zählt?

„Ja, ich spiele Call of Duty. Eigentlich habe ich dieses Spiel seit der Collegezeit nicht mehr angerührt, aber Andi Seiferth und Joshi Saibou haben mich wieder auf den Geschmack gebracht“, lacht Linhart, der mit einem Grinsen hinzufügt, dass er der „King of FIFA“ im Team sei. „Mathis (Mönninghoff, Anmerkung der Redaktion) hat FIFA 13. Wir haben ein Turnier gespielt, das ich gewonnen habe. Stell sicher, dass das im Artikel steht.“ Häufig wird also gemeinsam vor dem heimischen TV gespielt und geflucht oder online via Headset-Kommunikation in die Welt von Call of Duty eingetaucht – taktische Vorgaben inklusive. Damit neben den Hobbies genug Power für die kräftezehrenden Trainingseinheiten übrig bleibt, kocht Nate Linhart selten für sich.

Kulinarisch treibt es ihn daher häufig ins „Coffee Fellows“ in der Innenstadt oder das „Jahreszeiten“ auf dem Petrisberg, wo er auch gerne den Ausblick über die Stadt genießt. Ansonsten darf es auch gerne mal die „Kartoffelkiste“ sein, denn die deutsche Küche bietet seiner Meinung nach so viele Highlights, dass er kein wirkliches Lieblingsgericht benennen kann.

Seine ganze Körpersprache verrät, dass er sich in good’ol’Germany sehr wohl fühlt. Vorurteile über die Deutschen kann Linhart nicht bestätigen. „Klar, die etwas älteren Leute schauen einen hier böse an, wenn man bei Rot über die Straße läuft. Regeln sind sehr wichtig. Aber das gibt es in den USA teilweise auch.“ Der Small-Forward bevorzugt sogar das metrische System, weil er es so häufig benutzt und die Vorteile schätzen gelernt habe. Auf seiner to-do-list steht aber etwas ganz anderes. Er will ein Spiel der Fußball-Bundesliga schauen gehen und nach der Saison Hamburg einen Besuch abstatten. Schon nach der vorherigen Spielzeit verlängerte er den Aufenthalt um vier Wochen, stattete Seiferth und Saibou einen ausgedehnten Besuch in Berlin ab. „Eine tolle Stadt. Ich mag die Szene in Kreuzberg.“

Um während dieser langen Zeit mit seiner Familie in Kontakt zu bleiben, wird regelmäßig geskyped. Inklusive Videoübertragung versteht sich. „Früher war das ja viel schwieriger. Ich habe mit langjährigen Bundesliga-Profis gesprochen, die noch mit Telefonkarten ihre Anrufe in die Heimat machen mussten.“ Zudem haben die Smartphones, inklusive IMessage und whatsapp, die Kommunikation in die Heimat enorm erleichtert.

Währenddessen bereitet er sich und dem Reporter einen Milchkaffee zu. „Old School“ wie er es lächelnd nennt. Die Espressokanne auf dem Herd und auch die Milch werden im Topf erhitzt. Währenddessen gibt er einen Blick in die Zukunft. Sein Vertrag läuft am Saisonende aus. „Ich würde gerne hier in Deutschland bleiben. Trier ist definitiv eine Option.“ Auch wenn er gerne weiter für Coach Rödl spielen will, macht er eine Entscheidung für oder gegen Trier nicht von ihm abhängig.

Auch auf den kommenden Samstag freut er sich. „Dru geht es gut, uns geht es gut. Das wird Spaß machen. Vor der Saison hätte sicherlich keiner erwartet, dass wir auf Platz vier und sechs direkte Tabellennachbarn sein würden.“ Zum Abschluss gibt es dann noch ein Sonderlob für die Trierer Fans. „Es ist unglaublich, bei jedem Auswärtsspiel waren bislang viele Fans anwesend. Wir haben sicherlich mit die besten Fans der Liga.“ Ein schönes Schlusswort von einem sympathischen Profi.

Doch bevor der Interviewer das Haus verlassen darf, steht erst noch eine Partie FIFA auf dem Programm. „King Linhart“ muss seine Fähigkeiten am Playstation Controller unter Beweis stellen. Auch hier bleiben keine Fragen offen. 3:0 für Linhart mit Schalke 04 gegen Borussia Dortmund. Aber der Milchkaffee während der Partie hat einfach köstlich geschmeckt…

Wer Nate „The Steal Deal“ Linhart live erleben will, sollte unbedingt am nächsten Samstag in der Arena dabei sein – wenn die TBB Trier um 20 Uhr auf Oldenburg trifft.

1 KOMMENTAR

  1. Vielen Dank lokalo.

    So erhält der Spieler mal ein Profil. Die Seite von Nate’s Arbeitgeber ist mit Informationen bezüglich seines Angestellten etwas geizg. Neben der Rückennummer (#4) und der Position (Small Forward) Größe und Geburtsdatum (2.01m & 14.11.1986) steht nicht viel mehr auf der TBB Seite.

    Beim nächsten Spiel von TBB ist er nicht mehr der Nate aus Ohio, sondern der Nate mit Fussballgeschmack (Schalke 04, bei FIFA 13 was drauf hat oder der Riese, welcher mir im Cinemaxx die Sicht auf die Leinwand versperrt hatte.

    Ebenfalls gewährt diese Homestory einen kleinen Einblick in die Teamchemie. Diese sieht ja nach Nate’s Aussage tip top aus, so das der Vertrag ja verlängert werden kann.

  2. Klasse Bericht und schöne Idee! Hoffentlich folgen noch weitere Homestorys – das schafft für die Zuschauer der ohnehin sehr sympathischen TBB-Mannschaft noch mehr Nähe. Freue mich schon auf dsa Spiel am Samstag – ich hoffe, das Fußball-Livespiel schadet den Zuschauerzahlen nicht zu sehr…

  3. Sehr Symphatisch und authentisch! Aber ein Basketball Profi der gut Fifa zockt? davon würde ich mich gerne selber überzeugen Mr. Linhart 😉 So, I beat you at FIFA. 🙂

  4. Nate ist eh der beste! immer freundlich und ich würde gern mal fifa gegen ihn spielen. freu mich jetzt schon auf den nächsten hausbesuch. danke lokalo

  5. Hi Christoph,
    klasse Artikel, echt lohnenswert zu lesen, sehr interessant.
    Bist du aus der Übung oder ist er in Fifa echt so gut? 😉

  6. Hey Nate,

    spielst du auf der Gitarre auch was von „The Gaslight Anthem“? Vielleicht in einem der nächsten Heimspiele? 😉

    @Christoph Witt / Lokalo.de: Klasse Sache! Toller Service! Vielen Dank!

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Klarname ist nicht erforderlich. Eine E-Mail-Adresse muss angegeben werden, wird aber nicht veröffentlicht.