Tod einer Trierer Seniorin – Viele Fragen, kaum Antworten

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    TRIER. Gut 24 Stunden nach dem Tod einer 70-jährigen Triererin in der Wilhelm-Rautenstrauch-Straße gibt es noch keine neuen Erkenntnisse zur Ursache des schrecklichen Unglücks. Warum stürzte der Baum am Donnerstag kurz nach 13 Uhr auf die Seniorin? Sind die städtischen Mitarbeiter bei den Kontrollen ihrer Sorgfaltspflicht nachgekommen? Fragen, die auch bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz am Freitagnachmittag im Rathaus nicht beantwortet werden konnten. Die Kastanie, die die Rentnerin erschlug, ist nach Angaben der Stadt noch am 1. Oktober überprüft worden.

    In Duisburg, der Heimatstadt von Triers Oberbürgermeister Klaus Jensen, wurden in diesem Jahr gleich reihenweise Rosskastanien gefällt. Der Grund: Die Bäume waren von einem Pilz befallen, der sie von innen austrocknete. Auch der Baum, der am Mittwoch die 70-jährige Seniorin aus Trier erschlug (wir berichteten), war eine Kastanie und ist nach Angaben des städtischen Grünflächenamtes zuletzt am 1. Oktober kontrolliert worden – ohne Befund.

    Nach Augenzeugenberichten sollen Mitarbeiter des zuständigen Amtes noch am Mittwoch im Rautenstrauch-Park gearbeitet haben. Weder Jensen noch Simone Kaes-Torchiani, die zuständige Dezernentin, konnten das am Freitag bestätigten, dementierten aber auch nicht. „Wir werden überprüfen, welche Arbeiten dort erledigt wurden“, kündigte der OB an. Auf Nachfrage von lokalo sagte Pressesprecher Dr. Hans-Günther Lanfer dann am späten Freitagnachmittag: „Klar ist, dass am Mittwoch keine Baumkontrolle stattgefunden hat. Im Moment wissen wir noch nicht, ob wirklich Mitarbeiter des Stadt dort gearbeitet haben, oder ob der Bürgerservice sich um die Pflege des Parks gekümmert hat.“

    Am Montag will das Rathaus die Frage abschließend klären. Unabhängig davon richtet Jensen durchaus den Fokus auf die Verantwortung der zuständigen Baumkontrolleure. „Es gibt eine Dienstanweisung von 2005“, sagte der OB, „wonach jeder Baum, der unter städtischer Obhut steht, einmal im Jahr überprüft werden muss.“ Der Unglücksbaum sei laut Protokoll am 1. Oktober kontrolliert worden. „Ist die Pflicht erfüllt worden?“ „Ist die Kontrolle mit der notwendigen Sorgfalt vorgenommen worden?“ Diese Fragen will Jensen jetzt ebenfalls klären lassen.

    Für Kaes-Torchiani gibt es trotz des Unglücks keinen Grund, an der gängigen Praxis der Kontrollen etwas zu ändern. „Würden wir das jetzt tun“, betonte die zuständige Dezernentin, „hieße das ja, wir hätten bisher etwas falsch gemacht.“ Die mehr als 30.000 Bäume in Trier, die der Aufsicht der städtischen Mitarbeiter unterliegen, würden zwischen Juli und Dezember überprüft. „Durch Augenscheinnahme“, wie Kaes-Torchiani sagte. Auffälligkeiten erfasse man elektronisch in einem Raster. Dann werde der betreffende Baum halbjährlich kontrolliert.

    Ein Restrisiko sei niemals auszuschließen, betonte die Beigeordnete ferner und bemühte den Vergleich mit einem Dachziegel: „Der kann auch jederzeit einem Menschen auf den Kopf fallen.“ Ihre Mitarbeiter seien speziell geschult. „Das sind Fachleute, die den Zustand eines Baumes sehr gut beurteilen können.“ Dass Franz Kalck, der Leiter des städtischen Grünflächenamtes, der Pressekonferenz am Freitag fernblieb, sei auf ihren ausdrücklichen Wunsch hin geschehen. Kalck stehe ebenso unter Schock wie der Mitarbeiter, der den Baum Anfang Oktober kontrolliert habe.

    Warum die Kastanie am Mittwoch auf die Straße krachte, soll jetzt ein Gutachten klären. Die Staatsanwaltschaft hat das in Auftrag gegeben und die Ermittlungen übernommen. Frühestens in drei Wochen rechnet Kaes-Torchiani mit dem Bericht der Fachleute. Bis dahin will die Dezernentin keine außerplanmäßigen Maßnahmen einleiten – etwa durch die Überprüfung ähnlicher Bäume in den kommenden Tagen. Es gäbe keine Verdachtsmomente im städtischen Bestand. „Unsere Bäume sind scheckheftgepflegt.“ Auch von einem Pilzbefall analog zu den Bäumen in Duisburg sei ihr nichts bekannt. „Wüssten wir etwas, würden wir auch reagieren“, betonte Kaes-Torchiani.

    Jensen sah das ähnlich. „Wir wissen ja nicht, wonach wir suchen sollen. Hätten wir eine Erkenntnis, könnten wir suchen“, sagte der OB. Erst das Gutachten könne Aufschluss darüber geben, warum der Baum umstürzte. „Und dann sehen wir, was zu tun ist.“ Am Samstag will der Stadtchef den beim Unglück Verletzten im Krankenhaus besuchen. Den Angehörigen der getöteten Seniorin sprach Jensen erneut sein Mitgefühl aus. „Ich habe der Familie gestern auch persönlich kondoliert.“

    Gerüchten, wonach die 70-jährige Triererin noch am Leben gewesen sei, als die Einsatzkräfte am Unglücksort eintrafen, trat Feuerwehr-Dezernent Thomas Egger entschieden entgegen. „Der Tod der Frau wurde von einer fachkundigen Person festgestellt“, sagte Egger. Bei der Integrierten Leitstelle sei ein Unfall mit einem Toten und zwei Schwerverletzten gemeldet worden. „Drei Minuten später waren die Einsatzkräfte vor Ort. Es gab keine Verzögerung“, betonte der Dezernent. Auch darüber hatte es Gerüchte gegeben. „Das ist falsch“, sagte Egger. (et)

    1 KOMMENTAR

    1. „Durch Augenscheinnahme“, wie Kaes-Torchiani sagte.
      Ich glaube es ja nicht; spart die Stadt jetzt schon am Schutz für die Bürger? Gibt es keine Geräte um das zu überprüfen?

      Ein Restrisiko sei niemals auszuschließen, betonte die Beigeordnete ferner und bemühte den Vergleich mit einem Dachziegel: „Der kann auch jederzeit einem Menschen auf den Kopf fallen.“

      Geschmacklos Frau Torchiani ….

    2. Als selbst betroffener, direkter Anwohner kann ich nur unterstreichen, dass die Rettungskräfte sehr schnell vor Ort gewesen sind und alle eine herausragende Leistung vollbracht haben!

      Dass Frau Kaes-Torchiani in dieser Pressekonferenz „den Vergleich mit einem Dachziegel bemühte“, ist in meinen Augen eine Frechheit uns es macht mich wütend!

      Frau Kaes-Torchiani:
      Sie waren doch selbst am Unglücksort und haben es gesehen! Dieser Baum wog einige Tonnen und hat in Sekundenschnelle alles unter sich begraben! Was ich von Ihnen vermisst habe, sowohl im Interview als auch in Pressezitaten, war Mitgefühl – DAS hätten Sie anstelle der direkten Dementis bzgl. der „Fachkundigkeit einer Baumkontrolle“ zeigen müssen!
      Im Nachhinein habe ich erfahren, dass diese Kontrolle in Ihren Zuständigkeitsbereich fällt, was dahingehend einiges klarer macht.

      In Katastrophenfällen sieht man eben leider, abgesehen von den schrecklichen Ereignissen, ob jemand zurecht auf seinem Stuhl sitzt oder nicht – bloßes Flagge zeigen am Unglücksort reicht dafür nicht aus!

    3. Wenn ich als Hausbesitzer im Winter den Schnee nicht vom Bürgersteig wegräume und sich jemand verletzt,, bin ich dran und haftbar. Hier ist ein Mensch umgekommen und die Verantwortlichen weisen die Verantwortung von sich. Wer bei der Behörde arbeitet, hat halt immer Recht und ist nie Schuld.

    4. Zu Frau KT erübrigt sich schon lange jeder Kommentar. Mich würde aber interessieren, wie man durch Augenscheinnahme feststellen kann, dass ein Baum morsch und faul ist. Und dass dieser Baum, der umgefallen ist, morsch und faul war, hat man an den Bildern gesehen, die lokalo veröffentlicht hat. @ Bürger: Ich gebe dir in allen Punkten recht. Zur Abrundung: Es gibt Geräte, mit denen man Bäume „röntgen“ kann. Aber wahrscheinlich hat Trier so was nicht, weil sie zu teuer sind. Ich hoffe nur, dass alle Betroffenen die Stadt wegen Vernachlässigung der Sorgfaltspflicht verklagen. Eine andere Sprache versteht diese selbstherrliche Behörde nicht.

    5. @Bachelor
      falsch !Sage mir, mit wem du umgehst ,und ich sage dir….!
      Bitte um Verständnis für KT: dieser „Dame“ ist augenscheinlich mehr als ein Ziegel auf das ehrenwerte Haupt gefallen, und nicht erst seit diesem traurigen Anlass.

    6. Wenn ein Baum ein hohes Alter erreicht hat, ist eine Inaugenscheinnahme absolut nicht ausreichend, denn dafür gibt es sichere Möglichkeiten der Überprüfung und das ist ein Muß!Die Stadt spart, das ist Fakt!

      Persönliche Beleidigungen einiger Kommentatoren hier lösen nicht das Problem und Herr Jensen meint, man wisse nicht wonach man suchen soll. Hätten wir eine Erkenntnis, würden wir danach suchen. Die Stadt ist ihrer Sorgfaltspflicht nicht nachgekommen so einfach ist das.

      Ein Mensch zahlt diese Lässigkeit mit dem Leben, ein anderer ist schwer verletzt und womöglich ein Leben lang traumatisiert.

      Sie wissen nicht wonach sie suchen sollen?

    7. Liebe Bürger,

      JETZT grade im Moment werden im Wilhelm-Rautenstrauch-Park Trier Bäume teilweise gefällt und manche werden gestutzt.
      Diese Aktion kommt, nach den Geschehnissen des letzten Donnerstages, doch sehr scheinheilig daher.
      Warum sollte die Stadt dies tun, wenn Frau Kaes-Torchiani die Wahrheit gesagt hat und alle Bäume während der letzten Kontrolle als „gesund“ bzw. „stabil“ oder was auch immer eingestuft worden sind???

    8. Oh man… was geht denn hier ab? Mit Verlaub, was soll die Stadt denn bitte machen? Jetzt alle Bäume in der Innenstadt fällen lassen?

      Die Stadt wird ganz sicher eine entsprechende Haftpflichtversicherung haben.

      … man kann ja Bäume röntgen… wie wird denn ein Baum in Augenschein genommen?…

      Wahrscheinlich wird das so gemacht wie man es immer schon gemacht hat. Es gibt wohl seit geraumer Zeit (schon immer!) Möglichkeiten das auch ohne Röntgenapparat zu schaffen.

      Man man man… wann ist denn zum letzten Mal in Trier einem Passanten ein Baum auf den Kopf gefallen? 20, 50, 100 Jahre, nochlänger, oder evtl. gar noch nie?
      Es gibt nun mal Ereignisse die sich UNFALL nennen.
      Wer glaubt, dass er immer vor allem sicher ist, wird evtl. enttäuscht sein. Aber so ist nun mal der Lauf der Dinge.

      Empfehlung: Alle mal wieder runter kommen und nach wirklichen Problemen in Trier ausschau halten… da gibt’s nämlich eine ganze Menge zu tun!

      Mein Beileid an die Angehörigen der Dame die leider ums Leben gekommen ist. Gute Besserung an den Verletzten.

    9. Wenn von meinem Privatgrundstück ein Baum auf die Straße fällt, bin ich dafür voll verantwortlich. Nach der Logig von Frau KT bin ich nicht verantwortlich, wenn ich mich 6 Wochen vorher von der Standfestigkeit des Baumes überzeugt habe.
      Das ganze rumgeeiere der Stadt beweist es gibt zuviel unfähiges Personal im Rathaus!

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