Verkehrsverbund: Austritt Triers zeichnet sich ab

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TRIER. Stetig wachsende Preise, Rückgang der Fahrgastzahlen: Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) in Trier gehört nach Aussage des Sprechers der CDU-Ratsfraktion, Thomas Albrecht, zu den teuersten in Deutschland. Schuld sei der Bevölkerungsrückgang in den ländlichen Regionen, während die Fahrgastzahlen in der Stadt stabil blieben. Die CDU forderte im Rat, den Gesellschaftsvertrag mit dem Verkehrsbund Region Trier (VRT) mit Ablauf des Jahres 2014 zu kündigen und fand dafür breite Zustimmung. FDP und Linke mahnten jedoch an, dass das davon betroffene Semesterticket für neue, innerstädtische Probleme sorgen könnte.

Der ÖPNV bestehe fast ausschließlich aus dem Schülerbeförderungsverkehr, nur in der Trierer Innenstadt sei dies laut Albrecht ganz anders. „Der VRT war traumhaft, und alles lief sehr gut. Mittlerweile ist dieser Traum allerdings zum Albtraum geworden.“ Ständige Preiserhöhungen und die geringsten Kundenzuwächse in ganz Deutschland machten den VRT zu einem Verlustgeschäft. Die Landkreise kündigten schon an, dass der ÖPNV nicht aus öffentlichen Mitteln finanziert werde. Die Folge: Weitere Preiserhöhungen sind denkbar. Die im Gesellschaftervertrag festgelegte lange Kündigungsfrist sorge für Handlungsbedarf – schon jetzt müsse gekündigt werden. Die Zeit bis zum Wirksamwerden der Kündigung solle man mit Vertragsverhandlungen nutzen.

Weitestgehende Zustimmung gab es von der SPD. Die Sozialdemokraten ergänzten den Antragstext der CDU-Fraktion und teilten mit, dass unter Federführung eines externen Moderators die bereits installierte Arbeitsgruppe ÖPNV, die mit Vertretern aus Politik, Verwaltung und der Stadtwerke besetzt ist, den Erneuerungsprozess konsequent angehen werde. Rainer Lehnart sah das eigentliche Problem nicht beim VRT, sondern bei der Organisation. So sei es nicht verwunderlich, dass der VRT kaum Fahrgastzuwächse zu verzeichnen habe, da der ÖPNV „zukunftsfähig, attraktiv und bezahlbar sein muss“. Es sei kurz vor zwölf – der Handlungsspielraum werde immer kleiner. Es müsse mehr Gestaltungsräume geben und nach Alternativen Ausschau gehalten werden.

„Stutzig“ wurde hingegen Reiner Marz von den Grünen. Die Schieflage sei nicht von der Hand zu weisen, allerdings solle man nur in Nuancen einen anderen Weg einschlagen. „Wir sollten schon eine neue Lösung haben, bevor wir den Vertrag mit dem VRT kündigen.“ Zudem sei es auch lohnenswert, über die Grenzen zu schauen. „Wir müssen Gespräche mit potenziellen, neuen Partnern für einen Verkehrsverbund führen und den VRT neu strukturieren.“ Die Ergebnisse müsse man dann dem Steuerungsausschuss darstellen. Marz begründete die Forderung nach einer Neustrukturierung mit dem undurchsichtigen Tarifsystem und der mangelnden Stimmgewichtung der Stadt Trier im bisherigen VRT.

Hans-Alwin Schmitz (FWG) sagte, dass man die Preiserhöhungen für nicht tragbar halte und die sofortige Kündigung mit dem VRT die Folge sein müsse. Auch die FDP ist grundsätzlich für eine Kündigung mit dem VRT. Tobias Schneider wies aber auf Probleme der Neustrukturierung hin. „Von der Auflösung des VRT wären auch das Semesterticket betroffen. Viele Studenten müssten dann entweder für den Bus zahlen oder zum Auto greifen.“ Alternativ würde es wohl noch mehr Studenten aus der Region in die Stadt treiben – die Konsequenzen für den ohnehin völlig leergefegten Wohnungsmarkt seien nicht absehbar.

Zustimmung zu den erläuterten Problemen mit dem „Semesterticket“ gab es von Seiten der Linken. Linde Andersen teilte zudem die Ansicht der Grünen, dass Alternativen vorliegen müssten, bevor man den Vertrag kündige. Eine nachhaltig kostengünstigere Anbindung müsse gegeben sein. „Die Anbindung des bisherigen VRT-Netzes in die Region Trier sollte zu sozial verträglichen Preisen erhalten bleiben. Zudem sollte man über ein den Stadtkreis übergreifendes Sozialticket nachdenken.“ Das Beispiel Erfurt zeige, dass das Sozialticket keine Kosten verursache, sondern Mehreinnahmen generiere. Mobilität müsse sozialverträglich gestaltet werden.

CDU-Sprecher Albrecht wies noch einmal eindringlich darauf hin, dass es wichtig sei, noch in diesem Jahr zu entscheiden. Die Vertragslage mit dem VRT verhindere ein Mitspracherecht. Lehnart zeigte sich im Anschluss zufrieden mit der „gut funktionierenden gemeinsamen Linie“. Der Steuerungsausschuss der Stadt Trier wird sich des Themas nun annehmen. (cw)

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Der Ausbau der Treveris-Passage kommt – wie vom Baudezernat geplant. Der Rat lehnte am Donnerstagabend einen Antrag der Freien Wähler (FWG) ab, das Großprojekt aus Kostengründen vorerst auszusetzen. Pater Spang hatte argumentiert, die Stadt könne nicht auf die Finanzierungszusage des Landes warten, sondern müsse sofort handeln. „Deswegen plädieren wir dafür, die Trasse mit städtischen Mitteln zügig herzurichten, weil die Sperrung auf unabsehbare Zeit nicht zumutbar ist.“

Widerspruch erfuhren die Freien Wähler von allen Fraktionen. „Das Projekt muss weitergehen“, sagte Thomas Albrecht für die CDU. Das gelte auch für die geplante Fahrradquerung. Dominik Heinrich von den Grünen kritisierte die FWG. „Wenn es um Autos geht, sind Sie bei allen Maßnahmen schnell dabei. Geht es aber um den Radverkehr, haben Sie wie immer nichts verstanden.“ Dem schloss sich Rainer Lehnart von der SPD an. „Das Erbe Maximinis wird von Ihnen fortgesetzt – das zeigt sich in der Einstellung.“ (et)

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Bis zum Frühjahr wird sich die Entscheidung über die Zukunft der Skate-Halle wohl noch hinziehen. Ursprünglich sollte der Rat in seiner gestrigen November-Sitzung darüber entscheiden, wo die Skater künftig ihre Heimat haben werden. Bürgermeisterin Angelika Birk (Grüne), die dafür ebenso zuständig ist wie für das Schulkonzept, musste am Donnerstagabend einräumen, dass „die Suche nach einem Ausweichquartier voraussichtlich bis zum Frühjahr dauern wird“.

Das aktuelle Quartier der Skater in der Aachener Straße ist allerdings nur bis Ende 2012 garantiert. Im Februar hatte der Rat jedoch einstimmig beschlossen, das Projekt lückenlos fortzusetzen. Laut Birk ist das aber auch eine Frage der Finanzierung. Die Verhandlungen mit potenziellen Sponsoren liefen. Die Öffentlichkeit und die Skater wurden über die Terminverschiebung übrigens vorab nicht informiert. Erst am Donnerstagabend ließ die Dezernentin die Katze aus dem Sack. (et)

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1 KOMMENTAR

  1. Semesterticket abschaffen?!?!?

    Sehr nette Idee mal zu überlegen, wie Geld gespart werden könnte. Wenn die Stadt Trier schon 3,2 Millionen Euro für das Südbad mehr ausgibt als geplant, muss es von anderen Posten umgebucht werden. Vielleicht möchte die Stadt Trier aber auch weitere Studenten bewegen als Wohnsitz „Trier“ anzugeben, damit der nächste Status und Zuschuss des Bundes für die nächst höhere Einwohnerzahl ausgeschüttet wird.

    Aber nur Spekulationen. Fakt ist, ich wohne nicht in Trier. Also Bleistift raus, Tasse Kaffee und überlegen wie ich nach Trier komme:

    Plan A: Auto kaufen, jeden Tag schlanke 25 Kilometer zur Hochschule fahren, für grob 2,50¤ Benzin. Ach ja, zurück müsste ich ja auch noch. Also mal zwei. Belastung Geldbeutel, 100 Euro im Monat, ohne Verschleiß und wenn ich ein Auto hätte.

    Plan B: Ich fahre mit’m Bus. Das würde mich knappe 5,25 pro Fahrt kosten. Aber es gibt ja Monatskarten. Diese liegt für Schüler bei 108,60¤ oder für Nichtschüler bei 144,00¤, eines von beiden wird ja zutreffen.

    Plan C: Ich suche mir eine Wohnung in Trier. Da die Trierer Vermieter nicht blöde sind, lassen sie sich ihren, den Studenten großzügigerweise zur Verwendung bereitgestellten Wohnungen, für gutes Geld bezahlen. Da ich meine Möbel nicht stückchenweise mit dem Bus (noch gilt das Semesterticket) nach Trier karre möchte, brauch ich nen Umzugswagen. Dann gilt es noch abzuwägen, meinen Budget gegenüber, ob ich die vorhandene Tapete oder kahle Wand so mag oder nicht.

    Plan D: Ich kann mir eventuell werden Plan A, B oder C leisten. Dann verabschiede ich mich vom Hörsaal und leckerem Mensaessen und sage „Hallo Arbeitswelt“. Ist ja auch ne Idee. Aber kommt mir dann nicht mit „…Fachkräftemangel….wir brauchen gute ausgebildete Leute….“. Da könnt ihr woanders klingeln.

    Aber vielleicht haben die 4 anderen Studenten, welche jeden Morgen mit mir im Bus sitzen noch ne tolle Idee. Fragen kostet ja nix, oder?

  2. unfassbar. die FDP hat hier zum ersten mal seit langer zeit einen sehr wichtigen punkt angebracht. es muss eine lösung gefunden werden, die auch weiterhin die ländlichen regionen mit ins boot nimmt. ohne semesterticket droht trier im chaos zu versinken.

    mein sohn wohnt noch zu hause – ich könnte ihm keine wohnung im teuren trierer mietsumpf zahlen. allerdings wären auch die kosten für die busfahrten mit vielen einschränkungen für ihn verbunden. als student will man ja auch feiern gehen. hoffe der stadtrat findet eine lösung, die die region stärkt und nicht trier zum epizentrum eines mietsturmes werden lässt.

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