Protest in Pfalzel: „Die Schule bleibt im Dorf!“

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TRIER-PFALZEL. Die Pfalzeler kämpfen weiter für ihre Grundschule – über die Generationen hinweg. Bei der Protestaktion am Samstag machte Ortsvorsteher Werner Pfeiffer (FWG) erneut deutlich, dass der Beirat notfalls gegen die Stadt klagen werde, um so die Zusagen aus dem Eingemeindungsvertrag von 1969 durchzusetzen. Damals wurde Pfalzel das Recht auf eine eigene Grundschule garantiert. Das Schulkonzept des Bonner Büros „Biregio“ sieht jedoch die Zusammenführung der Grundschulen am Standort Biewer vor.

Der Stuhl war verwaist – und blieb auch leer. Pfiffe und lautstarke „Pfui“-Rufe hallten durch den großen Saal. Dicht an dicht standen und saßen die Pfalzeler am Samstag in ihrer Schule, als Ortsvorsteher Werner Pfeiffer dem leeren Stuhl symbolisch die Mappe mit 1.712 Unterschriften übergab. 1.712 Stimmen gegen die Schließung der Schule. Als die Namen Klaus Jensen und Angelika Birk fielen, schwoll der Protest lautstark an. „An diesem leeren Stuhl kann man sehen, wie wichtig der Stadt Trier unser Anliegen ist“, sagte Pfeiffer unter den Pfiffen der Zuhörer. Gedacht war der Stuhl für den Oberbürgermeister oder die Schuldezernentin – doch weder Jensen noch Birk waren in der Gregor-von-Pfalzel-Grundschule erschienen.

Die Pfalzeler meinen es ernst – über die Generationen hinweg. Hier die bereits ergrauten Ureinwohner des Ortsteils, die sicher längst keine Kinder mehr in der Schule haben, die sich den kommenden Generationen aber verpflichtet fühlen. Für Pfalzel, für die Schule im Dorf. Dort die kleinen „Wackelzähne“ der Kindertagesstätte, die mit der Grundschule kooperiert. Sie alle nickten, applaudierten und jubelten, als Pfeiffer ankündigte, die Stadt notfalls verklagen zu wollen, sollte das Rathaus den Eingemeindungsvertrag von 1969 ignorieren. Damals wurde den Pfalzelern der Erhalt der Grundschule garantiert – in Paragraph neun.

„Die CDU-Fraktion fühlt sich moralisch an den Vertrag gebunden“, betonte denn auch der Bundestagsabgeordnete der Union, Bernhard Kaster, unter dem Applaus der Zuhörer. Kaster, Chef der CDU im Kreis Trier, forderte Birk auf, „endlich eine Entscheidungsgrundlage“ vorzulegen. Das Biregio-Gutachten selbst könne allenfalls eine Beratungsgrundlage sein. Die Schulpolitik sei ein Feld, auf dem man die Bürgerinnen und Bürger mitnehmen müsse, ohne sie könne es nämlich keine Entscheidungen geben.

„Trier hat in seinen Ortsteilen eine eigene Struktur“, sagte Kaster. „Manchmal aber hat man schon den Eindruck, dass diese gewachsene Struktur nur als lästiges Anhängsel gesehen wird.“ Die Schule in Pfalzel habe einen klaren Mehrwert für die Lebensqualität im Stadtteil. „Und ich kann Ihnen sagen, dass die CDU-Fraktion bei ihrem Besuch in Pfalzel mächtig beeindruckt davon war, wie hier Schule gelebt wird.“

Wo Kaster bei aller Kritik noch diplomatisch blieb und auch die anderen Fraktionen des Rates lobte („Alle machen sich ernste Gedanken über die Zukunft der Trierer Schulen.“), sparten Pfeiffer und seine Mitstreiter nicht mit Schelte für die Stadtführung und Schulplaner Wolf Krämer-Mandeau. Die Kosten für die notwendige Dachreparatur von angeblich 400.000 seien von der Stadt künstlich hochgerechnet worden, kritisierte Pfeiffer. „Wir haben das von einem selbstständigen und unabhängigen Dachdeckermeister prüfen lassen.“ Der aber komme zu einem ganz anderen Ergebnis, habe die veranschlagten Kosten als „unsachgemäß und überzogen“ bezeichnet.

„Warum will die Stadt uns für dumm verkaufen?“, fragte Pfeiffer. „Will sie das Gebäude lukrativ veräußern? Das dürfte schwierig werden, da das Gebäude unter Denkmalschutz steht.“ Für den Ortsvorsteher von Pfalzel gibt es nur eine Logik in den Planungen: „Das, was hier betrieben wird, ist nichts anderes als städtischer Schuldenabbau auf dem Rücken unserer Kinder.“ Dabei habe der Ortsbeirat erst jüngst beschlossen, das Stadtteilbudget der nächsten zwei Jahre – rund 32.000 Euro – komplett für den Erhalt der Grundschule einzusetzen.

Für das „Wirrwarr des Schulentwicklungsplanes von Krämer-Mandeau“ sei nur einer verantwortlich: Dezernentin Angelika Birk. „Sie kann anscheinend nicht mehr zwischen Sinn und Unsinn entscheiden“, griff Stefan Feltes als Sprecher der Kita-Eltern die Grüne direkt an. Ungeklärt ist nämlich auch, ob Krämer-Mandeau von der Verwaltung über den bestehenden Eingemeindungsvertrag zwischen Rathaus und Pfalzel überhaupt informiert worden war. Der Bonner Schulplaner regt in seinem Konzept ungeachtet des Vertrages die Zusammenführung der Grundschulen am Standort Biewer an.

„Und wie sollen unsere Kinder sicher dahin kommen?“, schob Feltes nach. Das Motto des Mainzer Ministeriums laute „Kurze Beine, kurze Wege“. Die Beförderung der Kinder aus Pfalzel aber würde die Stadt alleine rund 60.000 Euro im Jahr kosten. „Daran hat wohl niemand gedacht“, kritisierte auch Pfeiffer. In Pfalzel aber seien erst jüngst 120.000 Euro investiert worden, um die Zusammenarbeit von Kita und Grundschule noch besser zu verzahnen.

„Wir sind Sinus- und Tandemschule“, sagte die Elternsprecherin Christina Trouet. Vorbildlich sei das Konzept, gewürdigt auch vom Jugendamt der Stadt. Die steigenden Anmeldezahlen in der Kita würden in den nächsten zwei Jahren auch zu steigenden Schülerzahlen führen. „Hier in Pfalzel wird den Kindern der Übergang von Kita zur Grundschule leicht gemacht“, betonte Feltes.

Aktuell aber geht die Angst in Pfalzel um – im Ort, aber auch in der Schule. „Täglich fragen mich die Kinder, was aus ihrer Schule, aus ihren Freunden wird“, berichtete Trouet. Damit müsse endlich Schluss sein. Alle Pfalzeler aus der „großen Gemeinschaft“ seien sich einig: „Die Schule bleibt im Dorf – zum Wohle unserer Kinder.“ (et)

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