TBB Trier: Fünf Sekunden für Howells Inferno

0

TRIER. Fünf Sekunden – so lange hat ein Basketballer Zeit, den Ball ins Spiel zu bringen. Dass diese fünf Sekunden eine intensive, über zweistündige Partie entscheiden können, haben am Samstagabend 5914 Zuschauer in der ausverkauften Arena erleben müssen. Basketball-Bundesligist TBB Trier verlor nach starker Leistung in der Verlängerung mit 80:88 gegen Alba Berlin und hatte in Brian Harper mit 21 Punkten den stärksten Akteur. Bei Berlin wussten vor allem Deon Thompson (18 Punkte) und der wieselflinke MVP der Saison 2010/2011, DaShaun Wood (16 Punkte), zu überzeugen. Trier rangiert trotz der Niederlage weiterhin auf dem vierten Tabellenplatz. Von Christoph Witt (VIDEO)

„Ich zähle immer in meinem Kopf mit, und das waren niemals fünf Sekunden. Das waren eher drei Sekunden. Jedenfalls die schnellsten fünf Sekunden meines Lebens.“ Jarrett Howell ist die Enttäuschung nach dem Spiel deutlich anzumerken, sein Gesichtsausdruck spricht Bände. Er war es, der 16 Sekunden vor Schluss den Ball nicht rechtzeitig ins Spiel brachte und damit den Berliner Gästen die Verlängerung ermöglichte. „Ich würde die Szene gerne nochmal auf Video sehen, ob das wirklich fünf Sekunden waren“, blies Henrik Rödl bei der Pressekonferenz ins gleiche Horn. Gebracht hatte es nichts. Schiedsricher Dr. Enrico Streit hörte auf seine innere Uhr – eventuell läuft die etwas schneller als die gängigen Modelle. Am Ende stand eine diskussionswürdige Entscheidung, mit der die Trierer leider leben mussten.

Anzeige

Sparkasse Trier

Dabei war alles vorbereitet für einen denkwürdigen Abend. Die Arena ausverkauft, alle Bierstände in Betrieb und die Stimmung überragend. Trier startete mit der bewährten Fünf ins Spiel und verzückte schnell das Publikum. Ein Putback-Dunk von Brian Harper nach verlegenem Korbleger von Andreas Seiferth brachte Trier in Führung (4:3), wenig später legte der 2,06-Meter große Amerikaner mit seinem ersten erfolgreichen Dreipunktwurf in der aktuellen BBL-Saison nach (7:3). Auf der Gegenseite machte vor allem DaShaun Wood Betrieb und war von Jarrett Howell kaum zu halten. Acht Punkte legte der Spielmacher der Albatrosse im ersten Abschnitt auf, der mit 19:19 endete. Bei Trier hatte man aber zu diesem Zeitpunkt noch die Hoffnung, dass Barry Stewart nach desaströsen Würfen im ersten Viertel schon noch zu seiner Form finden würde.

Auch im zweiten Viertel ging es äußerst intensiv weiter – zunächst einmal sportlich. Brian Harper erwischte einen Sahnetag und wurde immer wieder von seinen Teamkameraden gesucht. Ob mit dem athletischen Move am Korb, aus der Distanz oder wie beim 23:23 per Alley-Oop – Air Harper hatte Lust darauf, die Berliner zum ersten Mal seit acht Jahren ohne Punktgewinn zurück an die Spree zu schicken. Zwei weitere Dreier von Harper, der in der ersten Halbzeit auf überragende 17 Punkte kam, hielten die Trierer in einer schwierigen Phase, als beiden Teams kaum herausgespielte Punkte gelangen, im Spiel (35:33). Morley glich mit zwei Freiwürfen 20 Sekunden vor der Halbzeitsirene aus.

Dann wurde es hektisch und unübersichtlich. Spielmacher Howell übernahm Verantwortung, zog zum Korb und wird von Heiko Schaffartzik gefoult. Dabei reißt Howell die Arme nach oben und trifft den Nationalspieler wuchtig an der Nase. Schaffartzik fällt nach hinten, hält sich das Gesicht. Die Geste der Schiedsrichter deutet an: keine Absicht. Dennoch kommt es zur Rudelbildung. Turbulente Minuten in der Arena Trier brechen an. Sasa Obradovic, das gesamte Spiel über gefühlt als wild gestikulierender, sechster Mann der Berliner auf dem Feld unterwegs, fordert das unsportliche Foul.

Vor lauter technischen Fouls verlieren wohl fast alle Unbeteiligten in der Halle die Übersicht, ehe der Hallensprecher aufklärt: Jarrett Howell bekommt, wohl wegen des Schubsens bei der Rudelbildung, ein unsportliches Foul, Obradovic sowie die Bank der Berliner je ein technisches. Trier darf zweimal an die Freiwurflinie und bekommt Ballbesitz, weil die Fouls gegeneinander aufgewogen werden. Schaffartzik wird an der lädierten Nase behandelt.

Barry Stewart geht an die Linie, kann jedoch nur einen Freiwurf verwandeln. Auch sein Buzzer-Beater beim anschließenden Ballbesitz passt ins Bild. Mit den Backsteinen, die Stewart in den ersten 20 Minuten fabrizierte, hätte man wohl mühelos ein Einfamilienhaus bauen können. Der Shooting Guard im TBB Dress schien übermotiviert. So ging es mit einem denkbar knappen 36:35 in die Kabine.

Auch in der Halbzeit schienen die Diskussionen weiterzugehen. Mithat Demirel bekam im Kabinengang ein weiteres „T“ – er und Obradovic mussten die Halle verlassen. Hoffnung bei den Trierer Fans: Stewart kam besser aus der Kabine und verwandelte die fälligen Freiwürfe sicher (38:35). Doch Berlin ist eine Spitzenmannschaft, ließ sich vom Trierer Aufwind und der Euphorie in der Halle nicht aus der Ruhe bringen. Trotz lediglich zwei Tagen Vorbereitungszeit funktionierte die Berliner Defense hervorragend, und auch in der Offensive konnte man sich auf starkes Teamplay verlassen. In der zweiten Hälfte pfiffen die drei Unparteiischen zudem auch sehr kleinlich gegen die harte Trierer Defensive, sodass elf Punkte alleine an der Freiwurflinie erzielt werden konnten. Die Flut an Entscheidungen gegen die Berliner hatte wohl Spuren in der Linie des Trios hinterlassen – strittige Entscheidungen wurden nun stets zu Gunsten der Gäste ausgelegt.

Doch Trier schien trotz dieser Vorzeichen bereit, den Traum vieler TBB Fans zu erfüllen. Stewart riss das Heft des Handelns an sich, und Trier führte das komplette dritte Viertel knapp, aber kontinuierlich. Nach einem Dreier von Mathis Mönninghoff konnte sich die TBB sogar auf fünf Punkte (49:44) absetzen, doch Berlin verkürzte mit Freiwürfen von Heiko Schaffartzik und Nihad Djedovic auf drei Punkte (53:50).

Dann schien plötzlich alles für die Schützlinge von Henrik Rödl zu sprechen. Ein Dreier von Jarrett Howell, Harper am Korb und ein weiterer, schier unfassbarer Dreipunktwurf ins Gesicht des Verteidiger von Barry Stewart: 6,5 Minuten vor Schluss schien die Sensation beim Stand von 63:53 in greifbarer Nähe. Schien. Denn fortan stotterte der Angriffsmotor der Moselstädter bedenklich. Barry Stewart wollte es zu sehr erzwingen, trug den Ball meist bis kurz vor Ablauf der Shotclock spazieren, um dann einen schlechten Abschluss zu suchen. Berlin machte es besser, attackierte das Brett und wurde mit Foulpfiffen und einfachen Punkten belohnt. Deon Thompson machte in dieser Phase einen bärenstarken Job bei den Albatrossen. Trier ließ zudem Punkte an der Freiwurflinie liegen. Andreas Seiferth erwischte einen rabenschwarzen Tag und konnte nur zwei von acht Würfen vom „Wohltätigkeitsstreifen“ einnetzen. Punkte, die am Ende über Sieg oder Niederlage entscheiden. Berlin traf in der zweiten Hälfte 26 seiner 29 Versuche. Ein überragender Wert.

„Wir haben bewiesen, dass wir mit einem Spitzenteam mithalten können. Dennoch ist es eine harte Niederlage und unsere Schwäche von der Freiwurflinie hat uns wehgetan. Schade, dass wir unseren tollen Fans keinen Sieg schenken konnten, aber wir werden uns weiter verbessern und noch stärker zurückkommen“, resümierte Jarrett Howell nach der Partie.

Trotz der Schwächen hatte Trier es 16 Sekunden vor Schluss selbst in der Hand. Kein Zuschauer saß mehr auf seinem Platz, die Auszeit sollte das richtige System für den Einwurf sicherstellen. Doch es folgte ein Fünf-Sekunden-Pfiff, der Berlin endgültig zurück ins Spiel und in die Verlängerung brachte. Howell wurde von seinen Teamkollegen im Stich gelassen, fand keine Anspielstation. DaShaun Wood scort, Avdalovic foult. Bastian Doreth konnte auch nur einen Freiwurf verwandeln, Deon Thompson macht nach einer Auszeit die Verlängerung für Berlin perfekt. Mathis Mönninghoff hätte zum Helden des Spiels werden können, doch sein Dreier mit der Schlusssirene ist zu lang  – 72:72 und fünf zusätzliche Minuten.

In der Verlängerung hatte Trier den Berlinern nichts mehr zuzusetzen. Die Enttäuschung über die vertane Chance während der regulären Spielzeit schien im Kopf zu stecken, zudem war Barry Stewart ausgefoult. Berlin zeigte keinerlei Nerven und verwandelte alle fälligen Freiwürfe sicher. „Berlin hat das im Stile einer Spitzenmannschaft heruntergespielt, und die Verlängerung ging verdient an Berlin“, musste auch Henrik Rödl, der vor dem Beginn der Pressekonferenz mehrmals kopfschüttelnd auf das Scouting schaute, die Leistung der Berliner anerkennen. Am Ende steht eine 80:88-Niederlage gegen ein Topteam. Dennoch bleibt die Gewissheit, dass mehr möglich gewesen wäre. Fünf Sekunden können eben doch entscheidend sein.

Das nächste Topteam wartet schon am kommenden Samstag. In München geht es gegen den FC Bayern, und viele Trierer Fans hoffen dann auf eine weitere starke Leistung dieses aufopferungsvoll kämpfenden Teams – dann vielleicht sogar mit Happy End. (cw)

ZUR KOLUMNE von Eric Thielen

STATISTIK

1 KOMMENTAR

  1. Kopf hoch Jungs, das war eine tolle Leistung nur das Happy End hat gefehlt. Dafür zieht ihr am nächsten Samstag den Bayern die Lederhosen aus. Die Play Offs sind mit der Leistunh allemal drin.

  2. Oh TBB knapp daneben ist auch vorbei…. Aber Jungs, Ihr ward klasse einfach so weitermachen und die Liebe Eurer Fans ist Euch sicher!!!

  3. Trotz der Niederlage haben wir allen Grund stolz auf unser Team zu sein!
    Wenn die Jungs diese Leistung über die Saison weiter abrufen können und die (auch ihrer Unerfahrenheit geschuldeten) leichten Fehler vermeidet nd daraus lernt ist noch viel möglich diese Saisony,
    Ich hoffe, dass die Zuschauer, die gestern in der Arena waren, dass ebenso sehen und die Leistung des Teams mit einem erneuten Besuch in der Arena beim nächsten Heimspiel der TBB am 18. November gegen Gießen honorieren!

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Klarname ist nicht erforderlich. Eine E-Mail-Adresse muss angegeben werden, wird aber nicht veröffentlicht.