Romney ist „Flip-Flopper“

Romney ist „Flip-Flopper“

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TRIER. Wer gewinnt die Präsidentschaftswahl in den USA: Barack Obama oder Herausforderer Mitt Romney? In der aktuell brennendsten Frage zu Amerika wollte sich Klaus Scherer nicht festlegen. Der frühere USA-Korrespondent der ARD und Buchautor diskutierte am Dienstag zwei Stunden lang an der Universität Trier mit Moderator Hanns W. Maull, Professor für Internationale Beziehungen und Außenpolitik, und rund 450 Besuchern – überwiegend Studierende.

„Ich hatte lange Zeit das Gefühl, dass Barack Obama der sichere Sieger der Wahl sein wird“, sagte Scherer, der nach dem Parteitag der Republikaner und aktuellen Prognosen nunmehr ein knappes Wahlergebnis erwartet. Wen er lieber als Sieger sehen würde, darüber ließ der Fernsehjournalist die Zuhörer im Audimax nicht im Zweifel. Scherer stellte Obama in ein weit helleres Licht, als dies die Öffentlichkeit und die Medien in den Vereinigten Staaten tun. „Wem vertraut man: Einem, dem man vier Jahre lang zuschauen konnte, was und wie er es macht oder einem, der jedem schon alles versprochen hat?“, reichte er seine rhetorische Frage an das Auditorium weiter.

Scherer stellte Romney als den sprunghaften „Flip-Flopper“ dar, der nicht sage, wofür er steht. Obama hingegen werde vorgeworfen, er sei an vielen seiner Ziele gescheitert. „Er hat aber auch vieles erreicht, was nun nicht mehr zählen soll.“ Obama habe wohl den Fehler begangen, in seiner ersten Amtszeit zu viele Ziele auf die To-Do-Liste zu schreiben und zu viele Probleme anzupacken. „Andere tun das erst in der zweiten Amtsperiode.“ Das politische Programm der Republikaner habe hingegen darin bestanden, Angst vor der Regierung zu schüren und Gerüchte gegen Obama zu streuen.

Der ARD-Journalist ging mit amerikanischen Kollegen hart ins Gericht. „Die durchkommerzialisierten Medien, aber auch das Internet“, so Scherer, seien für die verstärkte Polarisierung in den USA mitverantwortlich, weil in großen Teilen der Berichterstattung nicht mehr zwischen Nachricht, Kommentar und Gerücht unterschieden werde.

Außenpolitik spielt nach übereinstimmender Meinung von Uni-Professor Hanns W. Maull und Scherer im US-Wahlkampf eine untergeordnete Rolle. In den TV-Debatten, bemerkten die beiden Experten gleichlautend, seien in der außenpolitischen Linie keine markanten Unterschiede zwischen den Kandidaten erkennbar gewesen.

Moderator Maull richtete auch den Fokus auf die amerikanische Gesellschaft und die wachsende soziale Ungleichheit, die „schockierende Ausmaße“ annehme. Scherer verbildlichte diese Diskrepanz durch die Lesung eines Abschnittes aus seinem Buch „Wahnsinn Amerika“. Die klaffende soziale Schere, aber auch so manche Alltagserfahrung mit der amerikanischen Kultur und den Menschen ließen selbst den weit gereisten Journalisten Klaus Scherer mitunter überrascht zurück: „Ich war oft begeistert von diesem Land, ich habe aber auch oft den Kopf geschüttelt.“ (red)

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