TBB Trier: Harpers Alley-Oop krönt furioses Spektakel

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TRIER. 3484 Zuschauer – Saisonrekord, aber gefühlt immer noch viel zu wenige für dieses Team. Der beste Saisonstart für die TBB Trier seit 13 Jahren ist nach dem 72:55 über die Eisbären Bremerhaven perfekt, der zweite Tabellenplatz erobert. Die Trierer Mannschaft hinterließ dabei über die vollen 40 Minuten einen überzeugenden Eindruck. Schwächste Akteure auf dem Spielfeld waren die in orange gekleideten Unparteiischen, die insbesondere in der ersten Halbzeit keine erkennbare Linie in ihren Entscheidungen zeigten. Auf Trierer Seite stachen Brian Harper (18 Punkte, 9 Rebounds) und Nate Linhart (13 Punkte, bärenstarke Defense) heraus (VIDEO).

Trier startete mit der gewohnten Fünf in die Partie und machte den norddeutschen Gästen direkt klar, dass in der ältesten Stadt Deutschlands keine 114 Punkte wie in Gießen möglich sind. Starke Defense, haufenweise Hustle-Plays und ein bestens aufgelegter Brian Harper sorgten für einen gelungenen Start. Nach den ersten vier Trierer Punkten brachte man sich durch verworfene Freiwürfe und leichtsinnige Fehler höchstens selbst in Schwierigkeiten, ehe Harper mit spektakulärem Alley-Oop das 6:2 erzielte. Auch die Punkte sieben und acht, erfolgreiche Freiwürfe, gingen auf das Konto der dünnsten Beine der Liga.

Von den Eisbären war kaum etwas zu sehen. Viele Einzelaktionen, auch der starken Trierer Defense geschuldet, prägten das Bild in der Offensive. Insbesondere Justin Stommes dürfte heute Nacht schlecht schlafen. Nate Linhart ließ ihm keinen Zentimeter Raum zum Atmen. Erst mit der Einwechslung von Rückkehrer Phillip Zwiener kam die Offensive der Bremerhavener besser ins Laufen. Fünf Punkte erzielte der „Most Improved Player“ von 2010 in knapp drei Minuten Einsatzzeit.

Dass Trier das Viertel dennoch mit 17:13 für sich entschied, lag auch an den starken Aktionen von Jermaine Bucknor. Mit vier Punkten, darunter ein wunderschöner Korbleger, und starker Defense zeigte er abermals, wie viel Glück die Trierer damit haben, die nächsten zwei Jahre auf seine Fähigkeiten bauen zu können.

„Ich bin unglaublich stolz auf das Team und das Trainergespann, das uns perfekt auf dieses Spiel vorbereitet hat. Es macht einfach Spaß, jeden Tag hart mit diesen Jungs zu arbeiten und auch die Fans haben uns heute unglaublich viel Energie gegeben“, lobte Bucknor nach dem Spiel Coaching Staff, Team und Fans.

Das zweite Viertel lieferte viel Diskussionsbedarf. Trier startete fokussiert und mit viel Energie in den Spielabschnitt, belohnte sich selber mit zwei erfolgreichen Dreipunktwürfen von Mathis Mönninghoff und Bucknor (23:15). Die Auszeit der Bremerhavener brachte nicht den erhofften Erfolg. Stattdessen setzte sich Trier durch starkes Teamplay und herausragende Defense sogar mit 14 Punkten ab (36:22). Gleichgültig wen Trier auf das Parkett schickte – einen Bruch im Spiel der Moselstädter suchte man vergebens. „Wir haben das Glück, dass sich unser Vertrauen in die Zehn-Mann-Rotation auszahlt. Wenn ein Spieler schwächelt, springt ein anderer in die Bresche, und jeder kämpft für den anderen“, weiß auch Rödl um den großen Vorteil, den das diesjährige Team mitbringt.

Doug Spradley sah sich zu einer weiteren Auszeit gezwungen und auch die Schiedsrichter, angeführt von Boris Schmidt, schienen jetzt endgültig in eine Parallelwelt eingetaucht zu sein. Sie pfiffen Fouls, wo keine waren, ließen aber auf der anderen Seite drei Spieler auf Harper einschlagen, ohne dass es einen Call gegen die Gästemannschaft gab. Rödl platzte aufgrund der hohen Anzahl an Fehlentscheidungen der Kragen und kassierte von Enrico Streit ein technisches Foul. Die Bremerhavener witterten wieder Morgenluft, verkürzten den Rückstand bis zur Halbzeit auf 38:31. Gefühlt lag Trier mit weit über zehn Punkten in Front, doch die unklare Linie der Unparteiischen verunsicherte die Trierer Spieler sichtlich.

Im dritten Viertel hatten sich die Gemüter der Fans wieder beruhigt. Trier aber traf wieder bessere Entscheidungen bei eigenem Ballbesitz. Barry Stewart, der bis dato nur defensiv glänzte, konnte sich erstmals und an diesem Abend einmalig auf das Scoreboard eintragen. Offensiv war es nicht der Tag des Mannes aus Shelbyville. Während der Woche musste er mit dem Training aussetzen und kam nie in den gewohnten Rhythmus.

Der Vorsprung belief sich immer auf rund acht Punkte. Angst, dass die Partie kippen könnte, hatte man nie. Zu souverän agierten die in Grün gekleideten Mannen von Henrik Rödl in der Defensive und auch die Schiedsrichter hatten ihre nicht vorhandene Linie wieder einmal geändert. Mit 52:45 aus Trierer Sicht ging es ins Schlussviertel.

Hier wurde noch einmal alles geboten, was dieses Trierer Team auszeichnet. Bärenstarke Defensive mit viel Energie und vielen Ballgewinnen, spektakuläre Aktionen in  der Offensive und der Beweis, dass Henrik Rödl ein echtes Team geformt hat. Die Art und Weise, wie mit kleinen Rückschlägen in den Spielen umgegangen wird, ist imponierend. Linhart und wenig später Jarrett Howell sorgten mit erfolgreichen Dreiern für Standing Ovations und die erste La-Ola-Welle in der Arena. Als wenig später Seiferth, Linhart, Howell und Harper auf 70:51 erhöhten, war auch den größten Pessimisten unter den knapp 3500 Zuschauern klar, dass hier nichts mehr anbrennen würde.

Spradley indes war sichtlich angefressen von der Leistung seines Teams, monierte später bei der Pressekonferenz, dass selbst im Training eine höhere Intensität zu sehen sei als bei diesem Spiel. Früh wechselte er die zweite Garde ein, und auch bei Trier kam der frischgebackene deutsche Staatsbürger Jone Pedro Lopez zu seinem BBL-Debüt. Harper sorgte mit einem der spektakulärsten Alley-Oops in der Arena-Geschichte für einen glanzvollen Schlusspunkt eines tollen Basketballabends, an dessen Ende ein eiskalter 72:55-Erfolg über beeindruckte Eisbären aus Bremerhaven steht.

Am nächsten Samstag steht wieder Basketball in der Arena auf dem Programm. Gegen Alba Berlin sollte dieses Team endlich die nötige Aufmerksamkeit bekommen. So viel Kampfgeist, so viel Spaß gab es sehr, sehr lange nicht mehr in der Arena. Man könnte sogar sagen: „Sowas hustle hier noch nicht gesehen.“

„Alba hat ein tolles Team, und wir werden diese Woche ganz hart arbeiten, um auch sie zu ärgern. Wir müssen jetzt fokussiert bleiben und hoffen auf die Unterstützung unserer tollen Fans“, freut sich auch Bucknor auf das Spiel gegen den Hauptstadtclub.

Stimmen zum Spiel:

Henrik Rödl: „Ich bin sehr froh über unseren Sieg. Wir konnten das ganze Spiel die Energie hochhalten, alle Spieler wurden eingesetzt und haben defensiv und offensiv eine klasse Leistung abgeliefert. Bremerhaven hat am Mittwoch ein schweres Spiel in Oldenburg gehabt, das kam uns entgegen. Die Leistungsträger haben über 30 Minuten gespielt, vielleicht waren sie heute etwas müde. Trotz der Erfolge bleiben wir gelassen, die schweren Spiele kommen noch.“

Douglas Spradley (Bremerhaven): „Glückwunsch an die Trierer Mannschaft. Sie hat mit viel Herz und Energie gespielt und verdient gewonnen. Ich bin mit unserer Leistung nicht zufrieden, es war das siebte Spiel in kurzer Zeit, aber das darf keine Ausrede sein. Im Aufbau hat es an Tempo und Spielwitz gefehlt, das hat sich durch das ganze Spiel gezogen. Wie man spielen muss, hat uns heute Trier gezeigt.“ (cw)

ZUR KOLUMNE von Eric Thielen

STATISTIK

1 KOMMENTAR

  1. war ein wahnsinnig tolles spiel und ich gebe euch recht: das team hat mehr zuschauer verdient.

    danke für eure berichterstattung

  2. Musst zwar erst nachkucken was hustle bedeutet aber der Bericht versetzt einen schön ins Spiel. Schade, dass es keinen Livestream hier gibt. In England muss der Ticker herhalten ^^

  3. Deutscher Meister wird nur die TBB Ole Ole Ole
    Kann Pit nur Recht geben . Euch ist es in erster Linie zu verdanken das die TBB wieder ein so positives Standing hat. Lokalo hat in der kurzen Zeit geschafft was andere in Jahren nicht geschafft haben.
    Danke und weiter so…….

  4. Klar sind es gefühlt viel zu wenige Zuschauer. Aber vielleicht sollte die TBB, bzw. der Caterer einen Besuch in der Arena etwas attraktiver gestalten. Meine Kritikpunkte: Keine Stehplätze, Kinder ab 4 Jahren zahlen Preise wie 17 jährige, alle Getränkestände bis auf einen ab dem letzten Viertel geschlossen (wird hier darauf spekuliert, dass die Leute Ihr fand nicht abgeben weils zu lange dauert), keine Platz- sondern nur Kategoriewahl beim Kauf der Tickets an der Abendkasse. Und zu guter letzt…. In der ganzen Arena gibts keinen Kaffee!!!!!!! Aber die Mannschaft spielt echt geil und wird mit dem Abstieg dieses Jahr nix zu tun haben.

  5. @Andy
    Das ist was wahres dran. Hier gibt es noch ziemlich viel Potenzial für Verbesserungen. Wenn ich zb mal Frankfurt sage, was da in der Halle geboten wird dagegen ist die Arena eine Wüste. Der Sevice für die Zuschauer ist ganz miserabel. Ich jedenfalls hab keine Lust mich ewig lange in einer Schlange anzustellen um was zu trinken zu bekommen und das Spiel geht währenddessen weiter.

  6. Zurzeit spielen die Jungs echt klasse Basketball. Ich muss mich aber Andy anschließen, in Sachen Catering. Es kann auf jeden Fall nicht schlechter werden !!!!!

  7. @Andy @Manni: mit dem Service in der Arena geb ich euch recht! Nur das liegt nicht an der TBB!
    Der Arena-Caterer (Pfeiffer Catering) ist einfach, auf gut deutsch, Mist!
    Da hat die TBB als Mieter leider keinen Einfluss drauf!
    Was Platzwahl angeht: ärgerlich ja, aber auch verständlich! Wenn einige hundert Abendkassengäste alle auf m Bilschirm sich ihre Plätze aussuchen aber alle auch erst 20 Minuten vor m Spielen beginnt jedes Spiel mit ner halben Stunde Verspätung! Wer sich seinen Block oder Platz aussuchen will kann ja auch den Vorverkauf nutzen! VVK-Stellen gibt s in Trier, Bitburg, Wittlich etc. sowie online unter http://www.tbb-trier.de/tickets

  8. @Heiko
    Da hast du Recht, aber man müsste von Seiten des Vereins doch etwas mehr Druck auf Arena und/oder Caterer ausüben können. Ehrlich gesagt, ist es nicht gerade gute Werbung für uns wie das in der Halle abläuft. Sicher ist das nicht der Hauptgrund, aber bestimmt einer warum nicht mehr Zuschauer kommen. Da muss einfach was passieren, weil das so nicht weitergeht, wenn wir mehr Zuschauer haben wollen. Heutzutage ist der Service total wichtig.

  9. Klar liegt das in erster Linie am Caterer.Aber das mit den Tickets könnte man wirklich mit geringem Aufwand vereinfachen und verbessern.Aber ich habe auch schon die TBB per Email angeschrieben. Und KEINE Antwort bekommen. Soviel zu TBB-Fans Kommentar: Heutzutage ist der Sevice total wichtig. Aber ich bin ja selber schuld. Ärgere mich jedesmal und gehe trotzdem beim nächsten Spiel wieder hin 🙂

  10. Ja, Danke für die sehr freundliche Mailantwort, Tom! Da versteht man einige Sachen doch direkt besser. DAS war guter Service!

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