Eintracht Trier: Mit 45.000 Euro bei der Stadt in den Miesen

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TRIER. Immer wieder hagelte es Kritik: Die Stadt tue zu wenig für den Verein Eintracht Trier, mokierten sich die Verantwortlichen des Klubs intern und auch via Medien in der Öffentlichkeit. Parkplatzprobleme und der marode Zustand des Moselstadions wurden hauptsächlich moniert. Klar ist jetzt allerdings, dass die Stadt dem Verein weit mehr Unterstützung zukommen lässt, als bisher bekannt ist. So belaufen sich die aktuellen Sanierungskosten für das Stadion auf rund 1,7 Millionen Euro – knapp 700.000 Euro davon trägt alleine die Stadt. Insgesamt waren ursprünglich 2,3 Millionen Euro für die Baumaßnahmen veranschlagt.

Anfang Mai, nach dem unrühmlichen Aus des Regionalligisten im Halbfinale des Rheinland-Pokals gegen den Rheinlandligisten TuS Mayen, holte Vorstandssprecher Ernst Wilhelmi wieder einmal zu einem verbalen Rundumschlag aus. Man brauche sich ja nur mal den Zustand des Stadions anzusehen, dann wisse man, warum nicht mehr Zuschauer zu den Spielen kämen, wetterte der Unternehmer. „Ich glaube kaum, dass eine Frau Soundso – den Namen will ich mal nicht nennen – hier durch den Matsch waten würde“, echauffierte sich Wilhelmi. Nur zwei konnten gemeint sein: Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani (CDU) oder aber ihre Kollegin Angelika Birk (Grüne) vom Sportdezernat. Gegen welche der beiden Dezernentinnen sich sein Unmut richtete, verschwieg Wilhelmi.

Obwohl während einer Pressekonferenz geäußert, drang von Wilhelmis Pauschalkritik am Rathaus nichts in die Öffentlichkeit. Wäre dem so gewesen, hätten Birk und auch Kaes-Torchiani kontern können. Schließlich wird der Verein, der aktuell in der vierten Liga bei seinem Heimspielen vor durchschnittlich 1400 Zuschauern brutto – eingerechnet alle Dauerkarteninhaber – spielt, aus der chronisch klammen Stadtkasse nicht unerheblich unterstützt.

Die mobilen Verkaufsstände im Moselstadion wurden inzwischen ebenso entfernt wie die gemieteten Toiletten. Dafür stehen heute neue, schmucke Kioske im Stadion – die meisten davon ungeöffnet und ungenutzt, weil für rund 1400 Zuschauer kein Bedarf an großer Gastronomie besteht und der Klub das in Eigenregie auch nicht leisten kann. Die Umkleideräume und die Toilettenanlage im Bereich der Sitztribünen wurden saniert. Im Eingangssektor an der Zurmaiener Straße wurden die Gebäude einschließlich der Kassenhäuser so angeordnet, dass eine größtmögliche Sicherheit gewährleistet ist.

„Alle Neubauten wurden in einer Gesamtkonzeption, in der sicherheitstechnische Aspekte berücksichtigt wurden, integriert“, teilte das Rathaus jetzt auf Anfrage von lokalo mit. „Neben erhöhten Sicherheitsstandards hat sich insofern auch die sanitäre Situation für die Stadionbesucher deutlich verbessert.“

Als Wilhelmi am 10. Mai zu seinem Rundumschlag ausholte, waren die Baumaßnahmen bereits im vollen Gange. Der Vorstandssprecher des Klubs hätte es aber auch ohne sichtbare Zeichen besser wissen müssen. Schließlich heißt es in einem internen Papier der Vereinsführung von März 2010, das lokalo vorliegt: „Das Stadion wird zur Zeit durch die Stadt Trier mit einem Aufwand von rund einer Million Euro renoviert, so dass den Zuschauern ein deutlich besserer Service geboten werden kann.“ Zu diesem Zeitpunkt im März 2010 wurde allerdings auch noch vom mittelfristigen Aufstieg in die dritte Liga gesprochen, was Wilhelmi später stets dementierte.

Inzwischen ist die vom Verein angegebene Zahl von einer Million Euro längst überschritten. Insgesamt rechnet die Stadt noch mit Kosten von rund 1,7 Millionen Euro für die Sanierung des Stadions. Die ursprünglich geplanten Landeszuwendungen in Höhe von 846.000 Euro wurden jüngst erst – wegen sicherheitstechnischer Anpassungen – um 170.000 Euro auf knapp über eine Million Euro aufgestockt. Ursprünglich waren die geplanten Gesamtkosten mit 2,3 Millionen Euro veranschlagt worden. Investieren muss die Stadt noch in weitere Maßnahmen – unter anderem auch für die vorgesehene neue Beschallungsanlage.

„Auf diese neue Beschallungsanlage warten wir bis heute“, tönte Wilhelmi im Mai. Die Geduld des Vorstandssprechers wird wohl noch bis 2013 strapaziert werden. „Die Herstellung einer neuen Beschallungsanlage ist im Jahr 2013 vorgesehen“, heißt es aus dem Rathaus. „In Kürze erfolgen auch noch Änderungen und Ergänzungen an den Zaunanlagen, um anschließend diverse Antrittsflächen zu befestigen.“ Soll heißen: Das Rathaus befestigt auch die Wege in und am Moselstadion, um den durchschnittlich 1400 Zuschauern von Eintracht Trier in der vierten Liga einen besseren Service zu bieten.

Dafür muss die hochverschuldete Stadt (über 700 Millionen Euro), die zeitgleich erwägt, die Höhe der Etats der Ortsbeiräte um 100.000 Euro zu kürzen, und zudem das Budget für die Jugendhilfe um 160.000 Euro rasiert, tief in die leere Kasse greifen. Kritiker sprechen demnach auch von einer kaum zu akzeptierenden Unverhältnismäßigkeit angesichts der städtischen Haushaltslage. Zum Vergleich: Die Trierer Eissporthalle wurde von der Stadt geschlossen, um den jährlichen Zuschuss von rund 148.000 Euro einzusparen und um so dem Kommunalen Entschuldungsfonds (KEF) beitreten zu können.

Zumindest rechnet man im Rathaus nicht mit einer Erhöhung der Folgekosten nach Abschluss der Sanierungsarbeiten im Moselstadion. „Gegenüber der ursprünglichen Situation werden keine wesentlichen Steigerungen der Folgekosten erwartet“, heißt es am Augustinerhof, „zumal der SV Eintracht Trier die Stromkosten für die Betreibung der Verkaufsräume selbst trägt.“

Am Augustinerhof geht man also noch davon aus, dass der Verein dann seinen Verpflichtungen auch nachkommen wird. Aktuell steht der Klub nämlich bei der Stadt wegen nicht bezahlter Betriebskosten in den vergangenen Jahren hoch in der Kreide. Rund 45.000 Euro sind inzwischen aufgelaufen – mit diesem Betrag ist Eintracht Trier nach Angaben des Rathauses in den Miesen. Nicht eingerechnet seien dabei „die Nutzungsentgelte für die Zusatztribünen, die gemäß Stadtratsbeschluss vom 16. Dezember 2008 unter Berücksichtigung diverser Bedingungen erlassen wurden“ – bis zur Rückkehr des Klubs in die zweite Fußball-Bundesliga.

Jetzt stottert der Verein die Schulden bei der Stadt in monatlichen Raten ab. Mehrere Gespräche zwischen Vereinsführung und Dezernentin Birk hatte es dazu gegeben – und auch Ermahnungen seitens der Stadtspitze an den Vorstand. Denn die Raten gingen zunächst nur sporadisch beim Rathaus ein. Mittlerweile hält sich der Klub anscheinend an die Vereinbarung, monatlich 2.600 Euro an die Stadtkasse zu überweisen.

Von all dem war im Rundumschlag Wilhemis Anfang Mai übrigens keine Rede. Auch nicht von der Bürgschaft der Stadt für ein Darlehen über 101.000 Euro, das der Klub bei der Sparkasse Trier aufgenommen hatte. Stattdessen liebäugelte der Vorstandssprecher mit dem Bau eines neuen Stadions. „Die werden ja überall gebaut, auch in der vierten Liga“, sagte Wilhelmi, „nur halt in Trier nicht.“ (et)

1 KOMMENTAR

  1. Na klar. Kaum läuft es mal wieder Rund bei der Eintracht muss der liebe Herr Thielen Salz in die Wunden streuen………
    Was will Herr Thielen damit bezwecken????

  2. Ich liebe diesen Verein einfach – man kann sich immer sicher sein, dass alles peinlich und daneben ist wenn es aus dem Moselstadion kommt… Super, da werden sich andere Sportvereine, deren Hallen etc. dringend renoviert werden müssen, aber sehr freuen, wenn sie das lesen! Übrigens: Wieviel Zuschüsse, Kredite etc. bekommt denn eigentlich der Erstligist TBB mit durchschnittlich mehr als 3.000 Zuschauern…? Meine Vermutung: keine!!

  3. Super klasse, toll, Applaus!!! Was ist eigentlich mit den übrigen Vereinen in Trier? Werden die auch so bevorzugt behandelt? Die Bevorzugung des dieses Klubs, wo man nur mit assozalem Verhalten zb der „Fans“ aufmerksam auf sich macht, ist mit nichts mehr zu fechtfertigen.
    Man muß sich ja nur einmal die Berichterstattung im TV ansehen. Da wird diesem Amateurverein mehr Platz eingeräumt wie dem Bundesligisten TBB. Unfassbar eigentlich…

  4. Unfassbar!
    Kein Geld für nix, aber Kohle für die Eintracht! Könnte die Stadt auch für mich bürgen, damit ich mir ein Häuschen kaufen kann?

    Ein Stadtrat, der dies toleriert, sollte sich selbst auflösen!
    Ein OB, der Sparen predigt und dies unterstützt, sollte zurücktreten!

    Übergebt die Stadtschlüssel und kapituliert!

  5. @Maik Schuster
    Meine Rede schon seit Jahren; und macht den Club gleich mit zu so viel schlechtes Image wie der Trier beschert, das braucht niemand.

  6. „Was will Herr Thielen damit bezwecken????“

    So eine dumme Frage kann auch nur ein Fan von Eintracht Trier stellen. Der Mann macht seinen Job, nicht mehr und nicht weniger.

    Und wenn noch 1000 Jahre -Anspielung auf die vielen mit rechtem Gedankengut in dem Stadion – ins Land gehen, Ihr werdet es nie kapieren. Ihr seid hoffnungslose Fälle.

  7. Herr Thielen äußert wieder mal seinen Haß auf Verein und Vorstand, welcher nach wie vor gute Arbeit macht. Das ist einfach nur billig. Eintracht Trier ist immer noch der Vorzeigeverein in der Stadt und die Nummer 1 beim Interesse.

  8. @ Rainer: „Der Vorzeigeverein in der Stadt ist immer noch Eintracht Trier… Oh Gott, geht’s noch? Wenn dieser abgehalfterte Verbund DER Vorzeigeverein von Trier ist, möchte ich kein Trierer mehr sein. Wie peinlich ist das denn…? Kann man als Eintracht-Fan wirklich so abgeschirmt von der Realität leben? Wahrscheinlich, wenn man sich nur noch auf dem Eintracht-Forum und der vereinsnahen Homepage (die mit den Postleitzahlen) bewegt, könnte man tatsächlich meinen, Eintracht Trier sei noch der Stolz der alten Stadt. Aber das ist wirklich lange, lange her – dafür haben gewisse Herren gründlich gesorgt!!!

  9. Ist doch erstaunlich wie in die Hand die einen füttert gebissen wird. In den letzten Jahren hat die Stadt mit erheblichen Zuschüssen beim Bau von Trainingsplätzen und Tribünen die Eintracht unterstützt. Der jetzige Vorstand ist es nicht Wert die Eintracht zu führen. Die vorherigen Vorstände wie Brand, Jochem und Gritzmacher haben die Investitionen der Stadt sehr wohl honoriert und durch ihr Verhalten zum positiven Image beigetragen. Die jetzigen Vereinsführer sind wirtschaftlich, persönlich und sportlich Nichtskönner.

  10. @peer insider: das mit seriöse vereinsführung, in verbindung mit dem bankrotteur gritzmacher, kann doch wohl nicht dein ernst sein! wenn heute schon leute wie dieser schuldenmacher als seriös bezeichnet werden ,dann fehlen mir die worte!

  11. @peer insider:wenn man den bankrotteur gritzmacher mit seriöser vereinsführung(posites image) in zusammenhang bringt ,fehlen mir einfach nur die worte!fragen sie mal die gläübiger des ehemaligen riverside was sie von ihren thesen halten!!!also bitte bei der wahrheit bleiben.

  12. Gritzmacher hat“s aber geschafft mit dem Verein in die 2. Liga aufzusteigen im Gegensatz zu allen andern. Und Bankrotteure sind die alle. So what?

  13. @helm deckenleier.
    Ich schliesse mich quanten hauz an.
    Nicht nur in die 2. Liga aufgestiegen; sondern unsere Eintracht auch Schuldenfrei gemacht.
    Soweit ich mich erinnern kann hat G. damals das Insolvenzverfahren mit einem vergleich abgeschlossen und auch noch das Riverside weiter gemacht. Soweit ich informiert bin gehört Gritzmacher sogar noch die Immobilie. Als Bankrotteur wäre das garnicht möglich gewesen.
    War dabei als Gritzmacher seine Rede bei der Hauptversammlung hielt und von den Mietgliedern mit langem stehenden Ablaus verabschiedet wurde. Das war einem Präsi bei der Eintracht noch nie passiert.

  14. warum wird brommenschenkel eigentlich nicht vorsitzender der eintracht? mit jakobs zusammen wär das ja wohl das „skrupelloseste dreamteam“ deutschlands.

  15. Ahhhh. Und die TBB spielt in der selbst errichteten TBB Arena(ironie) und profitiert nicht von öffentlichen Mitteln?

    Und noch ne kleine Frage. Wem gehört noch gleich die Sportsbar in der Trier Arena????

    Denkt mal drüber nach….

  16. Na,na,na,na, tummeln sich hier etwa Antisemiten?

    Nun zur TBB/Germania,Herzöge,oder wie auch immer in der Zukunft sich dieser Verein benennen wird.
    In einer Operettenliga wie der BBl, welche sich medial, so etwa zwischen Wasserball,und Paarlauf
    vermarkten lässt, jeweils nur per Freikarte zu behaupten,spricht für sich.
    Jedem das seine, lasst den Dom in Trier, aber auch die EINTRACHT!!!

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