Wochenchronik: Vorsicht, spitze Feder!

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    TRIER. Heute schauen wir mal, was Triers OB machen könnte, müsste, sollte. „Wer soll das bezahlen, wer hat das bestellt?“ Wir hingegen machen mal gute, alte Blattkritik – wie weiland, als der Seitenumbruch noch mit Filzstift auf ein großes Stück Papier gekrakelt wurde, vornehmlich in der Mittagspause bei einem süffigen Schluck. Natürlich bei, mit und für unsere Freunde vom Heimatblatt. Und da war ja auch noch die gute, alte Krim, wo zum Schluss die Puppen tanzten – aber nur bis zur Geisterstunde. Lach- und Sachgeschichten – nicht mit der Maus, aber mit lokalos Wochenchronik.

    Hätte, sollte, dürfte, könnte er? Oder wollte er nicht? Nix Genaues weiß man nicht. Trier ist pleite. Ach, ich bitte Sie, das ist ja nichts Neues. Bald peilen wir die Milliarden-Euro-Grenze an. Nur mal so im Vorbeigehen: Das sind 1000 Millionen Euronen. Oder ausgeschrieben: 1.000.000.000 Eus. Da kann einem schon schwindelig werden, blümerant, ein wenig schlecht dazu.

    „Wer soll das bezahlen, wer hat das bestellt?“, hieß es doch in grauer Vorzeit in einem weltbekannten Schlager zur fünften Jahreszeit. Nicht verbürgt ist, dass der Schunkel-Otto seit Monaten rauf und runter, runter und rauf, rauf und runter am Augustinerhof läuft. Vorstellbar ist es durchaus. Jensen, Kaes-Torchiani, Birk und Egger in trauter Runde, Arm in Arm, das „Bit“ auf dem Tisch, den Ghetto-Blaster auf volle Bass-Vibration gedreht – nach uns die Sintflut. Was lacostet die Welt? Geld spielt keine Rolex. Schön wär’s.

    Es ist ja nicht ihr Geld, das da in Bund, Land und Kommunen verbraten wird. Nein, es ist unser Geld. Unser aller Penunze. Zwangsenteignet über Steuern, Beiträgen zu den Sozialversicherungen, Mehrwertsteuer auf Steuern (gibt’s nur in Deutschland) beim Benzin, und die ganze Palette rauf und runter, runter und rauf. Jensen sagt, die Kommunen hätten kein Ausgabe-, sondern ein Einnahmeproblem. Stimmt. Kein Widerspruch.

    Stopp. Irgendetwas kann doch da nicht stimmen? Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik sprudelten die Steuereinnahmen derart wie derzeit. Schäuble muss sich ja vorkommen wie Dagobert Duck in seinem Geldspeicher. Alles mein, alles mein, alles mein. Jetzt ist Jensen an der Reihe: „Aber er gibt mir nichts ab!“ Stimmt. Kein Widerspruch. Und was sagt uns das, uns, dem dummen Stimmvieh? Da läuft irgendetwas gerade verflucht schief und krumm.

    Das Problem ist nur, dass diese vermaledeite „Political Correctness“ klare Worte nicht zulässt. Oder liegt es an Jensen selbst? Dessen Kritiker sprechen ja nicht erst seit gestern vom „Kuschel-Klaus“ aus dem Rathaus. „Und der liebe Klaus gibt Euch allen Einen aus.“ Der Satz stammt von Klaus-Michael Nix, dem Schauspieler des Trierer Theaters, der mit dem Rotstift in der Hand den OB mimte – beim Theaterfest auf dem Kornmarkt. Lieb, nett, höflich, zuvorkommend – unverbindlich.

    Manchmal murrt er auf, wie jetzt beim Städtetag in Trier geschehen. Mehr als ein leises Wimmern ist das aber nicht. Schreien müsste er, laut hinaus, jeden Tag: Ceterum censeo, Carthaginem esse delendam! „Wenn Ihr Hunderte von Millionen im Nürburgring-Grab verbuddelt, will ich mindestens zehn Prozent davon!“ „Wenn Ihr Milliarden für die Rettung der Banken verschleudert, will ich mindestens ein Prozent davon!“ „Wenn Ihr noch mehr Milliarden nach Griechenland überweist, will ich für mein Trier einen Anteil!“ „Und von Euch Ostdeutschen will ich unser Geld zurück – die Millionen, die Ihr bisher bekommen habt, um neue Stadien zu bauen und Marinas anzulegen an Seen, auf denen nie ein Boot fahren wird.“

    Nein, das alles geht nicht, weil die „Political Correctness“ es verbietet. Da schüttelt man dem Parteifreund Beck die Hand, speist mit der Gattin, der Ministerpräsidentin in spe, man empfängt die Würdenträger aus Weimar: „Schön, Sie zu sehen, wie geht’s der holden Frau Gemahlin? Aber natürlich stehen wir nach wie vor zum Solidarpakt.“ Blablablabla.

    Andererseits kann man vielleicht auch nicht mehr erwarten. Wie auch, bei einer Bürgermeisterin, die schon Mühe hat, der dreistündigen Stadtratsdebatte auf ihrem Stuhl mit offenen Augen zu folgen. Birks Kopf knickte am Dienstag sehr oft gefährlich zur Seite. Fehlte eigentlich nur noch, dass sie sich beim lieben Klaus an der Schulter angelehnt hätte. Klaus Augenthaler von der Bank der Münchener Bayern lässt grüßen – wie damals neben Trappatoni. Aber vielleicht war Frau Bürgermeisterin ja auch nur hochkonzentriert. Möglich ist das, wenn auch nicht sehr wahrscheinlich.

    Birks Parteifreund Reiner Marz war da schon wacher. Der Grüne glaubte nicht daran, dass der Stadtrat Demonstrationen erleben werde – wie bei den Kürzungen zum Jugendetat etwa -, sollte das mit dem Kommunalen Entschuldungsfonds (KEF) in die Hose gehen. Wie wahr, wie wahr. Und wenn doch, gibt der liebe Klaus eben allen Einen aus. „Wolle mer se reilasse?“ Tarätaräää! Für Forderungen ist es jetzt zu spät. Trier hat sich abhängig gemacht. Nix bestellt, aber alles bezahlt. So geht’s natürlich auch.

    * * * * *

    Sie sind noch Abonnent des Heimatblattes? Selbst schuld. Aber gut, lassen wir das. Suum cuique. Nach Wochen der Ruhe, falschen Berichterstattung und versäumten Fakten hat der Trierische Volksfreund sich am Donnerstag gnädigst dazu herabgelassen, über die vom Stadtrat beschlossene Auflösung der gemeinsamen Orientierungsstufe von Friedrich-Spee-Gymnasium und Realschule plus am Mäusheckerweg zu berichten – und den Sachverhalt sogar noch zu kommentieren.

    Und was lesen wir da? Eliteförderung sei das in Ehrang, vorgeschoben seien die Gründe, die Schüler, Eltern und Lehrer auf die Barrikaden brachten, weil die Anmeldezahlen nach der Zwangsfusion mit der ehemaligen Hauptschule massiv eingebrochen waren und die Zukunft der Schule fraglich schien. Wir berühren das grottenfalsche Deutsch („Unsinn ist das nicht nur wegen des grundfalschen Gedankens, dass Bildung bedeute, möglichst viel Wissen in möglichst kurzer Zeit abzuspeichern – sondern zum Beispiel auch soziale und charakterliche Kompetenz.“ Den Satz soll ein Mensch verstehen!) der Schreiberin (Namen schenken wir uns wie immer: Schall und Rauch.) nur kurz. Müßig, näher darauf einzugehen.

    „Das Argument, Eltern wollten die gemeinsame Orientierungsstufe (GOS) in Ehrang nicht, ist vorgeschoben“, bekommen die unbedarften Leser des Blattes da um die Ohren geschlagen. Holla die Waldfee – das rumpelt aber. Wird einem ja ganz Angst und Bange. Da lehnt sich Eine ziemlich weit aus dem Fenster – wahrscheinlich sogar, ohne jemals mit einem Elternteil gesprochen zu haben. Wie gehabt: Journalismus à la TV.

    Jetzt aber – Achtung! – kommt’s. Im „Extra“, in dem das Blatt gewöhnlich seinen vermeintlich dummen Lesern die Welt erklärt („Der TV erklärt…“ à la BILD), als seien diese nicht in der Lage, selbst und eigenständig zu denken, heißt es plötzlich: „Bis zur Verschmelzung der ehemaligen Real- und Hauptschule zur Realschule plus im Jahr 2011 lief die GOS gut. Seitdem sind die Anmeldezahlen eingebrochen (der TV berichtete).“

    Ja wie, ja wo, ja was denn nun?, Frau Schreiberin? Sind die Eltern nun auf die Barrikaden gegangen, weil sie Eliteförderung wollen, wie im Kommentar behauptet wird, oder sind sie es, weil die Anmeldezahlen einbrachen, wie im „Extra“ zu lesen ist? Der Satz im „Extra“ pulverisiert die „Meinung“ ja geradezu, macht sie lächerlich und führt sie ab absurdum. Natürlich sind die Eltern auf die Barrikaden gegangen, weil die Anmeldezahlen einbrachen. Und wer mit den Eltern spricht, erfährt das auch allenthalben.

    Trösten wir uns damit, dass der TV wieder einmal – wie stets – Politik statt Journalismus gemacht hat und sich dafür rächen wollte, dass er wochenlang in der Berichterstattung hinterher gehechelt ist. Dann kommt eben ein solcher Unfug dabei heraus – und ein Affront gegenüber all jenen, die sich ernsthaft Gedanken über die Schulen am Mäusheckerweg gemacht haben und immer noch machen.

    Aber was will man auch von einem Blatt erwarten, das für die Berichterstattung zum Stadtrat mit drei Schreibern und einer Schreiberin im Ratssaal anrückt – und dann doch die eigene Berichterstattung korrigieren muss, weil – wieder einmal – falsch zitiert wurde? Diesmal Christiane Probst von der FWG. Quantität ist eben nicht gleich Qualität. Oder das erst jüngst twitterte: „Heute vor 20 Jahren wurde Helmut Kohl zum Bundeskanzler gewählt.“ Das war am 1. Oktober 2012. Veröffentlicht und in die Welt hinausposaunt von „Lokales Trier“. Wir wussten ja schon immer, dass das Blatt seiner Zeit hinterherhinkt. Aber gleich zehn Jahre? Das ist schon ein starkes Stück.

    Vielleicht ist es hohe Zeit für einen „TVblog“ analog zum „BILDblog“ – auf lokalo. Nein, das ist dann doch zu viel der Ehre.

    * * * * *

    Die „Krim“ in der Glockenstraße ist Geschichte. Leider. Schmackhaftes aus südlichen Regionen Europas tischte Ulrich M. Jung seinen Gästen über 23 Jahre hinweg auf. Das ist vorbei. Jung musste ‚raus, weil der Pachtvertrag nicht verlängert wurde.

    Neuer Pächter ist – Peter Brommenschenkel, Anzeigen-Großkunde und Liebling des Heimatblattes. Da kommt es auch schon mal vor, dass der PR-Artikel für Brommenschenkel auf der ersten Seite des Lokalteiles unverschämt mit der großflächigen Anzeige des Unternehmers auf derselben Seite korrespondiert. Honi soit qui mal y pense!, hätte der frankophile Glocken-Jupp wohl gesagt.

    Apropos „Glocke“. Die gehört Brommenschenkel bekanntlich auch. Nach wie vor weigert sich die Stadtverwaltung, Auskunft zu erteilen. Auskunft darüber nämlich, mit welcher Konzession Brommenschenkel die „Glocke“ inzwischen bewirtschaftet. Ursprünglich hatte er nur eine vorläufige. Ob die verlängert oder gar in eine endgültige umgewandelt wurde – darüber will das Rathaus keine Angaben machen. Das seien interne Angelegenheiten, heißt es.

    Nun wird es spannend: Wie bewirtschaftet Brommenschenkel die „Krim“ demnächst? Mit der Konzession der „Glocke“, die ja zunächst einmal umziehen soll? Oder wieder mit einer vorläufigen? Oder gar mit einer endgültigen? Sicher ist auf jeden Fall, dass er sich auf die publizistische Unterstützung des Heimatblattes wird stützen können. Und dass lokalo erneut im Rathaus nachfragen wird, wie es sich mit den Konzessionen verhält. Steter Tropfen höhlt vielleicht dann doch irgendwann den Stein.

    Ulrich M. Jung jedenfalls hat Abschied gefeiert – in seiner „Krim“. Aber nur bis 24 Uhr am 30. September. Dann mussten seine Gäste vor die Türe, weil Brommenschenkel vom 1. Oktober an Pächter war. Der Schlüsseldienst stand schon parat. Honi soit qui mal y pense!

    * * * * *

    Zugegeben: Wir wiederholen uns. Soll vorkommen, wir bitten um Entschuldigung. Positiv sollst du den Tag beenden, respektive die Wochenchronik. Also gehen Sie wieder hinaus, genießen Sie den sommerlichen Herbst, erfreuen Sie sich an der Farbenpracht in den Trierer Alleen oder bei einem Waldspaziergang. lokalo gibt es auch noch morgen – versprochen. Und, ja, damit wir es nicht vergessen: Während der Ferien gibt es keine Wochenchronik. Das wird so bleiben – trotz der vielen Nachfragen, ob wir nicht vielleicht doch eine machen könnten.

    In diesem Sinne – eine schöne neue Woche und bis demnächst!

    1 KOMMENTAR

    1. User „Hosenbandorden“ bitten wir um Angabe einer korrekten E-Mail-Adresse zwecks Kontaktaufnahme. Siehe dazu auch Richtlinien zur Kommentarveröffentlichung.

    2. Köstlich! Die unbeschreibliche Arroganz des omniponten Moderatorenschreiberlings unseres Heimatblattes war auch in der politisierten AVG-Aula Anfang der Woche wieder phänomenal. Herr Thielen, es wäre ein Fest für Sie gewesen!

    3. Man sollte die Kirche im Dorf lassen, Fehler passieren überall, auch wenn der Volksfreund die Kritik sicher verdient hat.

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