Halloween oder Reformationstag?

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TRIER. Am 31. Oktober ist… Na? Es hängt vermutlich vom Lebensalter und vom Grad kirchlicher Sozialisation ab, ob einem da zunächst der „Reformationstag“ oder „Halloween“ einfällt. Beides ist richtig. Während man sich mancherorts in der evangelischen Kirchenwelt noch ziemlich über den amerikanischen Grusel-Import ärgert, haben findige Württemberger die Doppelbelegung des protestantischen Feiertages kreativ verarbeitet und die Idee der „ChurchNight“ ersonnen.

Ein Team aus der Kirchengemeinde Trier, von CVJM und der Evangelischen Studierendengemeinde hat diese Idee aufgegriffen und veranstaltet am Mittwoch, 31. Oktober 2012 ab 21.30 Uhr erstmals eine „ChurchNight“ in der Konstantin-Basilika. Das Motto dieses Abends lautet: „Stimme im Dunkeln“. Auf alles andere darf man gespannt sein.

Der aus den USA stammende Gruselbrauch Halloween wird in der Nacht vom 31. Oktober zum 1. November begangen – also zwischen dem evangelischen Reformationstag und dem katholischen Hochfest Allerheiligen. Inzwischen ziehen auch in Deutschland in der Dämmerung als Geister, Monster oder Hexen verkleidete Kinder durch die Straßen und fordern von ihren Nachbarn Süßigkeiten. Jugendliche kostümieren sich und gehen auf Halloween-Partys. Beliebt sind dabei etwa künstliche Spinnennetze, Vampir-Zähne, Hexen-Hüte und schauerlich-blutig geschminkte Gesichter.

Ob sich Reformationstag und Halloween vertragen, ist in der Evangelischen Kirche umstritten. Die ehemalige Bischöfin Margot Käßmann hält den Halloween-Brauch allein für einen Ausdruck der Spaßgesellschaft. „Es ist schon der Versuch, abzulenken von den ernsten Fragen des Lebens“, sagte Käßmann einst in einem Radio-Interview. Es sei anstrengender, sich mit der Reformation auseinanderzusetzen, als um einen Kürbis herum zu tanzen.

Auch der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, warnt vor einer Vermischung: „Die Vorstellung, dass die Geister Verstorbener als böse Geister wiederkehren, verträgt sich nicht mit dem christlichen Glauben.“

Der Bischofs-Kollege Jürgen Johannesdotter von der schaumburg-lippischen Landeskirche mit Sitz in Bückeburg empfahl dagegen, Halloween zu einem christlichen Brauch zu machen. Das Licht in einem ausgehöhlten Kürbis, der von einer Kerze erleuchtet wird, könne auch als Symbol für Christus stehen, sagte der Bischof in einer evangelischen Zeitschrift. „Es ist schön, wenn dahinter eine Botschaft steht, die mit Christus und Licht der Welt und Nächstenliebe zu tun hat. Nur Erschrecken ist mir zu wenig“, so der evangelische Theologe. Johannesdotter wies darauf hin, dass Halloween ursprünglich auf den christlichen Feiertag Allerheiligen am 1. November bezogen war. Laut Johannesdotter war es in der Geschichte immer üblich, Bräuche umzudeuten. Wenn der Brauch wieder einen christlichen Inhalt habe, könne Halloween ins kirchliche Leben einbezogen werden.

Irische Einwanderer hatten das aus alten keltischen Wurzeln stammende Brauchtum nach Amerika gebracht. Halloween leitet sich ab von „All Hallow’s Eve“, dem Abend vor Allerheiligen. In der Nacht, so glaubten die vorchristlichen Bewohner des heutigen Irland und Wales, betraten die Seelen Verstorbener und böse Geister die Menschenwelt. Fackeln und Feuer halfen, das Böse zu vertreiben. Im Laufe der Zeit kam die passende Verkleidung hinzu. Der „Jack o’Lantern“, der ausgehöhlte Kürbis mit eingeschnitzter Fratze, geht möglicherweise auf eine irische Legende zurück: Der Nachtwächter Jack schaffte es, kurz vor seinem Tod dem Teufel ein Schnippchen zu schlagen. Er ritzte ein Kreuz in die Rinde eines Baumes, und der Teufel saß im Geäst fest. Dennoch erhielt Jack vom Teufel ein Geschenk, nämlich eine glühende Kohle in einer ausgehöhlten Rübe als Wegbeleuchtung ins Totenreich.

Mehr als 100.000 vor allem junge Besucher werden auch in diesem Jahr in ganz Deutschland erwartet zu rund 1000 „ChurchNight“-Veranstaltungen im In- und Ausland.

Außerdem gibt es zwei weitere Gottesdienste anlässlich des Reformationsfestes am 31. Oktober 2012 in der Konstantin-Basilika. Am Morgen, um 8.30 Uhr, sind alle Schülerinnen und Schüler der Klassen eins bis sechs zu einem Schulgottesdiensteingeladen. Um 19 Uhr feiert die Gemeinde einen festlichen Abendmahlsgottesdienst. Die Predigt hält der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Trier, Pfarrer Christoph Pistorius. (red)

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