Was für ein „Ting“! – Mit 62-Meter-Hammer in die Sportschau

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TRIER. 22. September: Der SV Mehring hat grade das 0:1 gegen Borussia Neunkirchen hinnehmen müssen. Als Sebastian Ting, Kapitän der Mehringer, beim Spiel der Oberliga beim darauffolgenden Anstoß in der 36. Minute am Mittelkreis stand und den Ball aus 62 Metern Richtung Gästetor drosch, rechnete er wohl nicht damit, dass dieser Schuss wenig später in der ARD Sportschau laufen würde. „Ich habe das schon öfter versucht, und es hat natürlich nie funktioniert. Dass es geklappt hat, als die Fernsehkameras des saarländischen Rundfunks vor Ort waren, ist natürlich ein toller Zufall“, kann Ting sein Glück kaum fassen. Von Christoph Witt

Ting sah, dass der Torhüter der Borussia den Torerfolg weit außerhalb seines Kastens feierte, und versuchte sein Glück. Ein gutes Gefühl hatte er schon, als der Ball den Fuß verließ – mit dem Torerfolg rechnete er trotzdem nicht. „Ich habe direkt gemerkt, dass ich den Ball sehr gut erwischt hatte. Trotzdem musste ich mich erstmal orientieren und konnte den Ball nicht richtig einschätzen. Erst, als meine Mitspieler im Sturm jubelnd in meine Richtung liefen, war klar: Der war tatsächlich drin!“ Sein Team verlor das Spiel trotz des Traumtores noch mit 1:2. Für die Nominierung zum „Tor des Monats“ hatte das aber keine Auswirkung. Wer das Video an die Redaktion der Sportschau geschickt hat, weiß er nicht.

Dass er im selben Atemzug mit Stars wie Marco Reus und Rafael van der Vaart genannt wird, kann der defensive Mittelfeldspieler allerdings immer noch nicht glauben. „Ich hätte das nie zu träumen gewagt, war total perplex, als mein Onkel mir gesagt hat, dass ich in der Sportschau lief. Es haben zwar viele Freunde und Mitspieler behauptet, dass es das Tor bestimmt in die Sportschau schafft – glauben tut man es aber erst, wenn es soweit ist.“

Seine ersten fußballerischen Schritte machte Ting in der F-Jugend der SG Butzweiler-Newel, wo er bis zur C-Jugend spielte. „Da es in Butzweiler auch keine Bambinis gab, habe ich mit drei Jahren gleich in der F-Jugend angefangen“, plaudert der aus Aach stammende 23-Jährige aus dem Nähkästchen. Es folgte der Wechsel zu Eintracht Trier, wo er die restlichen Jugendteams durchlief, sich aber nie durchsetzen konnte. Ambitionen, es nochmal eine Spielklasse höher zu versuchen, hat Ting nicht. „Momentan steht ganz klar meine berufliche Ausbildung zum Physiotherapeut im Vordergrund, der Fußball steht hinten an. Ich lasse mich da auch nicht unter Druck setzen.“

Auch wenn er nicht gerne darüber redet, so sieht Ting den Grund dafür, dass er den Durchbruch bei Eintracht Trier nie geschafft hat, in seinem schwachen Kopfballspiel und dem linken Fuß. „Das Kopfballspiel lerne ich in diesem Leben nicht mehr. Der Zug ist abgefahren“, scherzt Ting beim Gespräch mit lokalo. In den linken Fuß müsse er ebenfalls viel Arbeit investieren, wenn er dort auf ein ansprechendes Niveau kommen will. Auch das Zweikampfverhalten sei laut eigener Aussage in einigen Situationen noch verbesserungswürdig. Ting ist selbstkritisch, kennt aber auch seine Stärken.

„Meine Spielübersicht, das Passspiel und meinen Schuss würde ich als meine größten Stärken bezeichnen. Ich kann sowohl lange, als auch kurze Pässe spielen.“ Sein großes Vorbild ist Xavi vom FC Barcelona. „Er spielt auf der gleichen Position und kann einfach alles. Zidane habe ich auch immer bewundert.“ Einen Lieblingsverein hat der sympathische Rechtsfuß nicht. „Mit sieben bis zwölf Jahren, als ich noch die Bravo Sport gekauft habe, war ich Fan des 1. FC Kaiserslautern. Jetzt habe ich eher Sympathien für mehrere Vereine.“

Eine dieser Sympathien dürfte seinem jetzigen Club SV Mehring gelten, mit dem er sich in der Oberliga etablieren will. Für die Mehringer ging es in den letzten Jahren steil nach oben. Von der A-Klasse in die Oberliga in nur neun Spielzeiten. „Das Ziel heißt ganz klar Klassenerhalt, auch wenn wir eine tolle Truppe haben. Was in Zukunft in Mehring passiert, hängt unter anderem von dieser Saison ab. Wir wollen uns langfristig in der Oberliga etablieren.“ Kein einfaches Unterfangen, aber mit elf Punkten aus elf Spielen steht man auf einem ordentlichen 13. Tabellenplatz. Der Vorsprung auf die Abstiegsplätze beträgt fünf Punkte.

Ein erstes Highlight könnte es allerdings schon demnächst geben, wenn das „Tor des Monats September“ im Rahmen der Sportschau bekanntgegeben wird. Bis zum 20. Oktober, 19 Uhr, läuft die Abstimmung noch. Seine Freunde machten beim letzten Heimspiel mit Flyern auf die Abstimmung aufmerksam, seine Freundin rief bei facebook dazu auf, für Tor Nummer vier zu voten. Große Chancen rechnet sich Sebastian Ting trotzdem nicht aus. „Da sind Spieler dabei, die immer vor 50.000 bis 80.000 Zuschauern spielen und eine noch viel größere Fangemeinde hinter sich wissen. Ich habe höchstens eine Außenseiterchance. Alleine bei der Abstimmung dabei zu sein, ist aber schon eine Ehre und ein tolles Gefühl.“

Mit viel Glück und der Unterstützung der Region kann Sebastian Ting vielleicht die Medaille entgegen nehmen und in bester Oliver-Kahn-Manier in die Kameras brüllen: „DA IST DAS TING!“

Verdient hätte er es sich.

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