Vertrauen ist gut, Kontrolle ist nötig

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TRIER. Der ganz große Fisch war nicht dabei. Den zu finden, war aber auch nicht Sinn jener Überprüfung, die von der Polizei am Donnerstag auf dem Rastplatz „Markusberg“ durchgeführt wurde. Der gewerbliche Schwerlastverkehr wurde kontrolliert, Reisebusse ebenso. Insgesamt war es ein doch geruhsamer Tag für die mehr als 20 Beamten des Schwerlastkontrolltrupps der Polizeidirektion Wittlich: 31 Fahrzeuge wurden überprüft, 20 beanstandet. Alle durften weiterfahren, weil die festgestellten Mängel keineswegs gravierend waren.

Marek Kucharski nimmt die Fragen der Polizisten mit der stoischen Ruhe eines echten Brummi-Fahrers hin. Der Mann aus Polen sitzt auf einer Zugmaschine mit Schweizer Kennzeichen. Sein Auflieger ist in Deutschland zugelassen. Er kommt aus Frankreich und Luxemburg über die Grenze. Der europäische Schwerlastverkehr ist längst international. Kucharski hat Gefahrgut geladen. Das ist an den Schildern auf seinem Vierzigtonnner zu erkennen.

Grund genug für die Polizisten, ihn auf den Rastplatz am Markusberg zu führen. Als Kucharski seinen Brummi mit einem lauten Stöhnen der Hydraulikbremsen stoppt, warten bereits zwei Beamte auf ihn. Die Papiere werden überprüft, die digitalen Aufzeichnungen der Lenk- und Ruhezeiten am Computer ausgelesen. Der Pole schwingt sich von seinem Fahrersitz auf den Asphalt und zuckt leicht mit den Schultern. „Kann man nichts machen“, sagt er in fast perfektem Deutsch. „Die Kontrollen müssen sein, weil sich immer noch zu viele Kollegen nicht an die Vorschriften halten.“

Kucharski hat alles im Griff – auch, als er die schweren Türen seines Anhängers öffnet. Gefahrgut. Da schauen die Beamten dann lieber doch zweimal und ganz genau hin. Ist die Ladung ausreichend gesichert? Wo gibt es Mängel? Was ist zu beanstanden? Ein Polizist spricht mit dem Polen; der Kollege steigt in den Laderaum. Der Daumen geht nach oben: Alles in Ordnung! „Nein, ärgerlich ist das nicht, dass wir überprüft werden“, sagt Kucharski. Nur der Zeitverlust stört ihn etwas, obwohl er bereits nach einer knappen halben Stunde ohne Verwarnung oder Anzeige weiterfahren darf.

Der Zeitfaktor ist eines der Hauptprobleme im gewerblichen Güterverkehr. Das weiß auch Polizeihauptkommissar Ludwig Huber, der die Aktion auf dem Rastplatz „Markusberg“ leitet. „Vor allem auf den Fahrern aus Osteuropa lastet ein enormer Druck“, sagt Huber. „Zeit ist Geld.“ Schwarze Schafe aber seien überall zu finden. „Das zieht sich quer durch die Nationen und ist nicht auf Osteuropa beschränkt.“

Seit Jahren nimmt der gewerbliche Güter- und Personenverkehr auf den deutschen Autobahnen sowie überregionalen Bundesstraßen zu. Unangepasste Geschwindigkeit, zu geringer Sicherheitsabstand und Missachtung der Vorfahrt sind die häufigsten Ursachen von Verkehrsunfällen, an denen Lastkraftwagen oder Reisebusse beteiligt sind. Aber oft sind auch falsch gesicherte Ladungen oder die Überschreitung der zulässigen Lenkzeiten Ursachen für einen Unfall. 2247 Unfälle mit Fahrzeugen des Schwerlastverkehrs ereigneten sich im vergangenen Jahr im Bereich des Polizeipräsidiums Trier, 47 Mal verunglückten Reisebusse. Bei 212 Unfällen kamen Menschen zu Schaden. Fünf Unfallbeteiligte wurden getötet; 282 Menschen erlitten zum Teil schwere Verletzungen.

„Deswegen sind solche Kontrolltage wie heute sehr wichtig“, sagt Huber. „Wir können natürlich nur Stichproben machen, aber die Kollegen haben schon ein geschultes Auge dafür, wen sie herauswinken und wen sie fahren lassen.“ Wie jenen Fahrer aus Italien, der auf seinem Brummi Glaselemente für das Ford-Werk in Köln geladen hat. Via Frankreich und Luxemburg wollte der Italiener an den Rhein. Auf dem Markusberg muss er erst einmal eine unfreiwillige Pause einlegen.

Die Paletten auf dem Anhänger sind nicht ausreichend gesichert; an den Seiten des Aufliegers fehlen ein paar Längsstreben. Der Italiener muss nachbessern – vorher darf er seine Fahrt zum Ford-Werk nach Köln nicht fortsetzen. „Es geht uns aber nicht darum, die Fahrer zu schikanieren“, sagt einer von Hubers Kollegen. Er spricht mit dem Brummi-Lenker von der Apenninenhalbinsel in aller Ruhe, erläutert und erklärt. „Uns ist vielmehr daran gelegen, dass die Fahrer begreifen, wie wichtig die Sicherheit ist, und dass sie die Vorschriften eben auch aus eigenem Interesse einhalten müssen.“ Manchmal genüge eine Ermahnung, manchmal sei allerdings auch ein Bußgeld fällig.

Hin und wieder komme es mal vor, dass Fahrer uneinsichtig seien. „Aber das ist wirklich die große Ausnahme“, sagt Huber. Grundsätzlich habe sich das Bewusstsein für die Sicherheit bei den Speditionen und den Fahrern in den letzten Jahren deutlich gesteigert – trotz des hohen Kostendrucks und der großen Konkurrenz. „Den dicken Molli macht hier keiner, und wenn doch, dann können wir auch dagegenhalten.“

Diskussionen aber bleiben dennoch nicht aus. Diesmal ist ein Brummilenker aus Deutschland betroffen. Auch er hat seine Ladung nicht genügend gesichert. Auch er muss nachbessern. Was in dem Fall nicht ganz einfach ist, weil er seine Fracht mit zusätzlichen Gurten befestigen muss. Das dauert, kostet Zeit und auch ein paar Nerven. Die Polizisten bleiben freundlich, aber ebenso konsequent. Da gibt es keine Ausnahme. „Wir helfen aber, wo wir können“, sagt ein Beamter. „Auch das gehört dazu.“ (et)

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