HWK-Konjunktur-Umfrage: Regionales Handwerk krisenfest

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TRIER. Die konjunkturelle Lage der regionalen Handwerksbetriebe ist trotz hoher Unsicherheiten im Zuge der Staatsschulden- und Euro-Krise sehr robust. Das teilt die Handwerkskammer Trier (HWK) mit. 83 Prozent der Handwerksbetriebe beurteilen die aktuelle Geschäftslage im Rahmen der Herbst-Konjunkturumfrage der HWK mit gut oder befriedigend – und damit auf einem vergleichbaren Niveau wie im Herbst 2010. Der sehr gute Wert des vergangenen Herbstes, der mit 93 Prozent zufriedenstellenden Angaben überdurchschnittlich hoch war, konnte nicht gehalten werden.

Aus den Beurteilungen der derzeitigen Geschäftslage sowie den Erwartungen für die künftige Geschäftslage ergibt sich im Rahmen der aktuellen Umfrage ein Geschäftsklimaindex von 83 Punkten. Dieser wird errechnet aus dem Mittelwert aus „guter“ und „befriedigender“ Geschäftslage, aktuell und erwartet. Im Herbst des vergangenen Jahres wurde mit einem Geschäftsklimaindex von 90 Punkten der Höchstwert seit Erfassung erzielt.

Die besten Lagebeurteilungen kommen auch dieses Mal aus dem Bauhauptgewerbe, dem Ausbaugewerbe sowie den Handwerken des gewerblichen Bedarfs (Metallbauer, Feinwerkmechaniker, Elektromaschinenbauer). Das Bauhauptgewerbe wird gegenwärtig noch immer durch die gute Wohnungsbaukonjunktur aufgrund eines niedrigen Zinsniveaus und eines stabilen Arbeitsmarktes geprägt, wenngleich der Wirtschaftsbau und der öffentliche Bau eher stagnieren. 94 Prozent (Vorjahr identisch) der Betriebe des Baugewerbes geben gute oder befriedigende Geschäftslagebeurteilungen ab, bei 90 Prozent (Vorjahr identisch) der Betriebe, die eine gute Auslastung über 70 Prozent haben. Die durchschnittliche Auftragsreichweite hat sich jedoch von 12,3 Wochen im Vorjahr auf aktuell 9,7 Wochen deutlich reduziert.

Die Ausbauhandwerker profitieren nach wie vor von der Verunsicherung über die Folgen der Staatsschuldenkrise, wodurch Investitionen in heimische Immobilien vorteilhaft erscheinen. Die derzeitige Geschäftslage wird von 94 Prozent (Vorjahr: 93 Prozent) mit gut oder befriedigend angegeben, wobei der prozentuale Anteil der „gut“-Bewertungen im Vergleich zum Vorjahr gesunken ist. Die Betriebe sind nach wie vor gut ausgelastet (81 Prozent der Betriebe haben eine Auslastung von über 70 Prozent – Vorjahr: 88 Prozent), wenngleich sich auch hier, ebenso wie bei der Auftragsreichweite, eine etwas rückläufige Entwicklung beobachten lässt. Die durchschnittliche Auftragsreichweite liegt aktuell bei 7,8 Wochen (Vorjahr: 9,4 Wochen).

Die Entwicklung im Bereich der Handwerke für den gewerblichen Bedarf (Metallbauer, Feinwerkmechaniker, Elektromaschinenbauer) ist ebenfalls leicht rückläufig. Dies spiegelt sich sowohl bei der Bewertung der derzeitigen Geschäftslage wider (aktuell beurteilen 86 Prozent der Betriebe ihre Geschäftslage als mindestens zufriedenstellend – Vorjahr: 95 Prozent) als auch in der Betrachtung der Betriebsauslastung und der durchschnittlichen Auftragsreichweite. Eine gute Betriebsauslastung (über 70 Prozent) wird von 73 Prozent der Betriebe (Vorjahr: 82 Prozent) angegeben, bei einem durchschnittlichen Auftragsbestand von 8,4 Wochen (Vorjahr: 13,7 Wochen).

Im Kraftfahrzeuggewerbe ist die Stimmungslage am deutlichsten abgeschwächt. Nur noch 63 Prozent der Betriebe (Vorjahr: 91 Prozent) geben aktuell gute oder befriedigende Geschäftslagebeurteilungen ab. Nach einem optimistischen Start in das Jahr machten sich bereits im Sommer deutlich geringere Absätze durch sinkende Neuwagenzulassungen bemerkbar. Im Werkstattgeschäft gibt es derzeit kaum nennenswerte Auftragsvorläufe.

Mehr Beschäftigte als im Vorquartal

Die Geschäftslage im Nahrungsmittelgewerbe der Fleischer, Bäcker und Konditoren wird von 77 Prozent (Vorjahr: 82 Prozent) mindestens zufriedenstellend beurteilt. 63 Prozent (Vorjahr: 64 Prozent) der Betriebe geben an, eine gute Auslastung (über 70 Prozent) zu haben. Die Preise im Einkauf steigen im Nahrungsmittelgewerbe nach wie vor an, bei nur schwer durchzusetzenden Preiserhöhungen im Verkauf.

Im Gesundheitsgewerbe (Augenoptiker, Zahntechniker, Hörgeräteakustiker) sind die positiven Geschäftslagebeurteilungen ebenfalls etwas rückläufig. 67 Prozent sind mit ihrer derzeitigen Geschäftslage zufrieden, wohingegen dies im vorangegangen Jahr noch 83 Prozent vermeldeten.

Im Bereich der persönlichen Dienstleistungen (Friseure, Damen- und Herrenschneider, Fotografen) fallen die Geschäftslagebeurteilungen wiederum recht positiv aus. 82 Prozent (Vorjahr: 94 Prozent) geben gute und befriedigende Geschäftslagebeurteilungen ab.

Branchenübergreifend ist die Umsatz- und Auftragsentwicklung im Handwerk auf einem guten Niveau. Immerhin 75 Prozent der Betriebe (Vorjahr: 85 Prozent) geben gestiegene oder zumindest gleiche Umsätze gegenüber dem Vorquartal an.

Eine gute Betriebsauslastung (über 70 Prozent) melden insgesamt 71 Prozent (Vorjahr: 77 Prozent) aller Betriebe bei einer durchschnittlichen Auftragsreichweite von 7,9 Wochen (Vorjahr 9,7 Wochen).

Hinsichtlich der Beschäftigungssituation in der Region Trier haben 17 Prozent der Betriebe mehr Personal gegenüber dem Vorquartal beschäftigt, während nur 11 Prozent Personal freisetzten (Vorjahr: 21 Prozent Einstellungen, 9 Prozent Entlassungen). Für das kommende Quartal erwarten trotz des bevorstehenden Winters 84 Prozent aller Betriebe (Vorjahr: 92 Prozent) einen gleich bleibenden oder gar steigenden Personalbestand.

Auch wenn über die Branchen hinweg eine leicht rückläufige Tendenz erkennbar ist, zieht die Handwerkskammer Trier das Fazit, dass die Situation im Handwerk stabil ist und sich die meisten Betriebe als krisenfest bewährt haben. (red)

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