TBB Trier: Trauriger Spaßvogel – Howells falsche Entscheidung

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TRIER. Viel hatten sich die Schützlinge von Henrik Rödl vor der Heimpremiere in einer mit 3041 Zuschauern mäßig gefüllten Arena vorgenommen. Nach der denkbar knappen 70:72-Niederlage von Basketball-Bundesligist TBB Trier gegen die Phantome aus Braunschweig bleibt die Erkenntnis, dass man es selbst in der Hand hatte – am Ende jedoch mit denkbar schlechten Entscheidungen den Norddeutschen in die Karten spielte. Topscorer auf Trierer Seite war der überragende Andreas Seiferth mit 17 Punkten. Der 19-jährige Nachwuchsspieler Dennis Schröder überzeugte bei den Phantoms mit 16 Zählern. Von Christoph Witt

„Über meine Leistung kann ich mich nach dieser Niederlage nicht richtig freuen. Es wäre mehr drin gewesen“, gab ein enttäuschter Andreas Seiferth einen Einblick in seine Gefühlswelt. Mit hängendem Kopf steht er auf dem Parkett. Der 2,09-Meter große Center machte ein überragendes Spiel in der Offensive und spielte mit seinen Gegenspielern Katz und Maus, die Mannschaft stand jedoch nach 40 intensiven Minuten mit leeren Händen da.

Dass die Partie am Ende überhaupt so knapp werden würde, war nach dem unglaublichen Dreierfeuerwerk, das die Phantoms im ersten Spielabschnitt abbrannten, gar nicht zu erwarten. Sechs Mal bei acht Versuchen landete der Ball aus 6,75-Metern Entfernung im Trierer Korb, lediglich einer von fünf Korbversuchen am Brett fand den Weg ins Ziel. Dabei stach besonders Casey Mitchell heraus. Der Shooting Guard der Löwenstädter war nur per Foul zu stoppen und schenkte den Trierern im ersten Viertel dreizehn Punkte, darunter drei Dreipunktwürfe, ein. Zwischenzeitlich lagen die Braunschweiger mit 20:10 in Front. Dass die TBB nur mit einem 18:24-Rückstand in die erste Viertelpause gingen, hatte sie Andreas Seiferth zu verdanken. Elf Punkte gingen auf das Konto des gebürtigen Berliners. Die neu gewonnene Muskelmasse wirkt sich nicht negativ auf seine Beweglichkeit aus – weder Eric Boateng noch Nick Schneiders hatten Seiferth etwas entgegen zu setzen.

Im zweiten Viertel machte ein anderer Spieler auf sich aufmerksam. Dennis Schröder, vor kurzem 19 Jahre alt gewordener Spielmacher in Reihen der Phantoms, drückte dem Spiel mit 13 Zählern seinen Stempel auf. Egal ob sich Bastian Doreth oder Jarrett Howell an der Verteidigung des Youngsters versuchten – das große Talent im Phantoms-Trikot war nicht zu halten.  Als Schröder mit Ablauf der 24-Sekunden-Uhr auch noch einen unglaublichen Dreipunktwurf im Trierer Korb unterbrachte und sich die Braunschweiger auf elf Punkte (24:35) absetzen konnten, schwante vielen Trierer Fans Böses. Doch Nils Mittmann brachte Trier wieder zurück ins Spiel, als er Brian Harper am Trikot festhielt und ein unsportliches Foul kassierte. Harper verwandelte die fälligen Freiwürfe, Linhart nutzte den Ballbesitz für weitere zwei Punkte.

Die Mannen vom ersten griechischen BBL-Coach Kostas Flevarakis hatten das Spiel unter Kontrolle. Immer wenn Trier auf Tuchfühlung kam und sich das Momentum auf Seiten der Moselstädter zu drehen schien, hatten die Phantoms die richtige Antwort. So auch beim Stand von 30:35. Nate Linhart erobert den Ball, passt auf dem Hosenboden sitzend zu Brian Harper. Der Amerikaner läuft den Fastbreak, lässt seinen Gegenspieler aussteigen, setzt zum Dunking an – und wird von Eric Boateng hart geblockt. Erst kurz vor der Halbzeitpause legte Trier einen weiteren Zahn zu und kämpfte sich ins Spiel zurück. Fast mit der Halbzeitsirene sorgte Linhart mit sehenswertem Korbleger für den knappen 43:45-Pausenrückstand. 

Im dritten Viertel legten beide Teams noch einmal an Intensität zu. Die Dreierquote der Phantoms sank, aber auch sie legten an Intensität in der Defensive zu. Jarrett Howell brachte die Trierer mit fünf schnellen Punkten bis auf einen Zähler heran, ehe Barry Stewart mit aller Macht zum Korb zog und die TBB per Dreipunktspiel zum ersten Mal seit der dritten Minute in Führung brachte(51:49). Es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch auf Augenhöhe mit ständig wechselnden Führungen. Mit einer knappen 59:57 Führung ging es ins Schlussviertel.

Bastian Doreth, der einen guten Job als Backup von Jarrett Howell machte, traf zwei Dreier, doch Braunschweig ließ sich nicht abschütteln. Thaddeus McFadden, bis dahin unsichtbar, hält Braunschweig mit einem Dreipunktwurf und einem Assist im Spiel (68:68). In dieser Phase offenbart Trier eine der Schwächen, die auch schon in der Vorbereitung für Kopfzerbrechen sorgten. Die Verteidigung beim Pick’n’Roll ist zu einfach auszuhebeln, Seiferth und Harper können Harding Nana nicht von den leichten Punkten abhalten.

Dennoch hat Trier alle Möglichkeiten, das Spiel für sich zu entscheiden. Doch die Nervosität und Unkonzentriertheit im ersten Heimspiel ist spürbar. Allen voran Leader Jarrett Howell. der Spaßvogel im Team, machte hier eine unglückliche Figur. Erst dribbelt er sich den Ball auf den eigenen Fuß, wenig später versucht er beim Fastbreak einen Traumpass zu spielen, anstatt selbst die leichten Punkte zu machen. Kurze Zeit später schließt der unglücklich spielende Brian Harper einen Angriff überhastet per Fadeaway ab. Resultat: statt 72:68 Ballbesitz Braunschweig und 1,5 Minuten vor Schluss der abermalige Ausgleich durch Harding Nana. Per Pick’n’Roll versteht sich. So ist es auch nicht verwunderlich, wie die letzten und entscheidenden Punkte im Spiel fallen. Der Kameruner Nana setzt einen Block, rollt ab und macht die einfachen Punkte zum 70:72. Auszeit Trier bei noch 2,6 Sekunden auf der Spieluhr.

Howell hätte trotz der schwerwiegenden Fehler zum Held des Abends werden können. Einwurf Howell auf Seiferth, Seiferth gibt den Ball zurück an Howell, der zentral vor dem Korb den Wurf antäuscht. Der Verteidiger fliegt vorbei, Howell drückt rechtzeitig ab – doch der Wurf verfehlt sein Ziel. „Braunschweig hat am Ende einfach die besseren Würfe erspielt. Wir haben zu überhastet abgeschlossen und uns schwer getan“, sieht Henrik Rödl die Niederlage ebenfalls kritisch, fügt aber zugleich an: „Wir haben eine junge und entwicklungsfähige Mannschaft, und wir werden aus dieser ärgerlichen Niederlage lernen, hart arbeiten und es in Zukunft besser machen“.

Am Ende eines intensiven und unterhaltsamen Spiels blieb so der fade Beigeschmack, dass viel mehr möglich gewesen wäre. Doch schwerwiegende Fehlentscheidungen in der Schlussphase verhinderten einen perfekten Saisonstart. Die Chance auf Wiedergutmachung gibt es aber schon am nächsten Sonntag. Dann sind die Frankfurt Skyliners zu Gast in der Arena, die mit dem Rückenwind eines Auswärtssieges bei den Artland Dragons nach Trier kommen. Keine leichte Aufgabe also für das junge Team von Henrik Rödl. (cw)

ZUR TBB-KOLUMNE von Eric Thielen

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1 KOMMENTAR

  1. Völlig unnötige Niederlage…. Wir hatten die Phantoms trotz der 3er-Quote im Griff und geben den Sieg aus der Hand. Das ist schade, aber auch ärgerlich, denn mit einem Sieg im Rücken wären gegen Frankfurt 4000 Fans gekommen.

  2. Verdiente und unnötige Niederlage. Braunschweig hat in der ersten Hälfte NULL Inside-Präsenz gehabt, aber anstatt diese Schwäche auszunutzen war die TBB zu sehr von der hohen 3er Quote beeindruckt. Nachher haben dann Unkonzentriertheiten & Nachlässigkeiten den Ausschlag gegeben.

  3. Am Sonntag gegen FR muss die Mannschaft eine entsprechende Reaktion zeigen. Solche Fehler wie gegen Braunschweig am Ende werden auf dem Niveau bestraft. Da kämpft man sich ins Spiel zurück und gibt es dann leichtfertig aus der Hand, was nicht zu verstehen ist. Henrik wird aber bestimmt die richtigen Worte finden.

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