„Das Wohl der Menschen muss im Vordergrund stehen“

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DAUN. Der Wahlkampf um den Landratsposten in der Vulkaneifel hat begonnen, beide Kandidaten präsentieren sich derzeit bei Vor-Ort-Terminen und im Gespräch. Für lokalo führte Angelika Koch ein Interview mit dem derzeitigen Dauner Polizeichef Heinz-Peter Thiel, der als unabhängiger Kandidat von FWG, Grünen und SPD unterstützt wird.

Als Erster Kriminalhauptkommissar und Polizeichef haben Sie einerseits Führungserfahrung in Bezug auf eine Behörde, andererseits sind Ihnen die Schattenseiten der Gesellschaft vertraut. Welches sind Ihrer Ansicht nach die wesentlichen sozialen Probleme, die in der Vulkaneifel mit entsprechender Führungskompetenz gelöst werden müssen?

Thiel: Ich kenne die Probleme und Erwartungen der Menschen nicht nur aus meiner Erfahrung als Behördenleiter einer „Bürgerpolizei“, sondern vor allem, weil ich hier lebe. Die Schönheit und Vielfalt unserer Region ist eine Sache, doch die andere ist das berechtigte Anliegen der Menschen, in unserer Heimat gesund und geborgen leben zu können. Da gibt es natürlich immer Handlungsbedarf, etwa in der nachhaltigen Jugendpflege oder in der Absicherung von benachteiligten Menschen aller Altersgruppen und deren Eingliederung in die Gesellschaft. Die aufsuchende Sozialarbeit wäre daher weiter zu stärken. Weil ich behördenübergreifende Abstimmungen initiiere und bei der Krisenintervention berate, weiß ich um die Bedeutung konkreter Brennpunkte. Verwahrlosung, Jugendarbeitslosigkeit und Jugenddelinquenz oder Suchtgefahren stehen als Probleme nie im Vordergrund der allgemeinen Aufmerksamkeit, aber es sind Themen, die gelöst werden müssen, damit alle sich in der Vulkaneifel geborgen fühlen können.

Sie sind ein parteiloser Landratskandidat und haben in den letzten Monaten erlebt, dass ein parteiloser Landrat trotz eines Rückhalts von 67,5 Prozent der Wahlberechtigten das Handtuch warf. Was werden Sie tun, um die Gefahr einer Wiederholung im Falle eines Wahlsieges für sich selbst auszuschließen?

Thiel: Ich schätze – wie viele Menschen im Landkreis – Heinz Onnertz vor allem wegen seiner Menschlichkeit und bürgernahen, ehrlichen Art. Das verbindet uns. Aber jeder Landrat wird seine eigene Handschrift entwickeln und immer wieder neue Aufgaben bewältigen. Als unabhängiger, unparteiischer und unbelasteter Kandidat bin ich frei von parteitaktischen Überlegungen und kann mich ganz darauf konzentrieren, das Beste für die Vulkaneifel und ihre Bewohner zu schaffen. Ich stehe allen beteiligten Bürgern, Mitarbeitern und politischen Mandatsträgern für eine sachorientierte Arbeit zur Verfügung. Mit kooperativer Führung, demokratischen Spielregeln und Fairness sollte es möglich sein, den Vulkaneifelkreis zu stärken und den Bürgerwillen umzusetzen.

Sie werden von der FWG, den Grünen und der SPD unterstützt. Auf der anderen Seite stehen bislang eindeutig CDU und BUV, welche Frank Bender (CDU) unterstützen. Dabei eint Sie mit Ihrem Wettbewerber laut Medienberichten das Bemühen, integrierend zu wirken und den politisch zerstrittenen Landkreis wieder an einen Tisch zu bringen. Wo sehen Sie die wesentlichen Stellschrauben, um ein konstruktives Klima aufzubauen?

Thiel: Der Eindruck, wegen der Zerstrittenheit gebe es einen Stillstand in der Gestaltung des Landkreises, täuscht: Die Arbeit geht tagtäglich professionell weiter. Allerdings erwarten die Menschen zu Recht, dass der neue Landrat in der Lage ist, Konflikte zu lösen. Sie wollen das Vertrauen in eine sachorientierte Kreispolitik zurückgewinnen. Das werde ich mit Hilfe eines neu einzurichtenden und ausgewogen besetzten Ältestenrates erreichen. Der wird für einen koordinierten und reibungslosen Arbeitsablauf zwischen Landrat und Kreistag sorgen und einen Vertrauensbereich aufbauen, in dem grundsätzliche Fragen abgestimmt und Spannungsfelder offen besprochen und geschlichtet werden. Die Transparenz von Entscheidungen nach innen und außen wird verbessert, der Bürgerwille wird aktiv in meine Arbeit als Landrat und der kommunalen Gremien einbezogen sein. Das Wohl der Menschen muss erkennbar wieder im Vordergrund stehen, nicht die persönlichen Auseinandersetzungen.

Unabhängig von der Landratswahl bleiben die Kreistagsmandate vorerst unverändert. Jeder Landrat hat es also im Prinzip mit denselben Machtverhältnissen im Gremium zu tun wie bisher. Wo sehen Sie Chancen, die derzeit noch nicht fest positionierte FDP und den Linken für eine Unterstützung zu gewinnen, um für Projekte eine ausreichende Mehrheit zu bekommen?

Thiel: Die Macht geht von den Wählern aus, und die haben die Mandatsträger so gewählt, wie sie derzeit im Kreistag vertreten sind. Dass ich als Unabhängiger mit dem Ziel einer neutralen Neupositionierung von drei politischen Gruppierungen einstimmig als Kandidat unterstützt werde, zeigt, dass ich bei den Menschen im Landkreis eine hohe Akzeptanz habe, um den unbelasteten Dialog für die zukunftsfähige Kreispolitik zu führen. Mit allen im Kreistag vertretenen Parteivorsitzenden oder Geschäftsführern der Gruppierungen habe ich Hintergrundgespräche gehabt – für die Moderation zwischen den verschiedenen Interessensgemeinschaften stehe ich also bereits. Auch mit der FDP und den Linken gibt es Kontakte, um die Positionen kennen zu lernen.

Sie haben seit Ihrer Nominierung bereits viele Vor-Ort-Termine bei Vereinen, Institutionen oder thematischen Brennpunkten absolviert, andere dürften Ihnen aus den regionalen Medien vertraut sein. Welche Themen werden Sie im Falle eines Wahlsiegs als erste angehen?

Thiel: Nach dem Amtsantritt wird es zunächst viele vertrauensbildende Gespräche mit den Abteilungsleitern und Mitarbeitern der Kreisverwaltung geben, mit den Ministerien und vielen anderen Gremien. Es stehen dann Entscheidungen an, die bis zur Amtsübernahme des neuen Landrates ausgesetzt sind. Ich arbeite mich bereits jetzt in die laufenden Prozesse ein und mache mir ein Bild vor Ort, auch außerhalb von Aktenvorlagen. Da bin ich gerne bei den Menschen und höre ihnen genau zu, denn wer ein Problem hat, ist meist auch Teil der Lösung. Auf meiner Website www.heinzpeterthiel.de können sich die Bürgerinnen und Bürger informieren, welche Themen ich konkret angehe, und dort auch Anregungen geben, welche Dinge noch unter den Nägeln brennen.

Wie stehen Sie konkret zu den meistdiskutierten Sachthemen Kommunalreform, Verkehrsinfrastruktur, Wirtschaftsförderung und Windkraft im Wald?

Thiel: Meine Leitlinien sind klar: Wir brauchen eine Balance zwischen dynamischer Wirtschaftsentwicklung und verantwortungsvollem Umgang mit der Natur. Daher setze ich mich für den Erhalt der einzigartigen Landschaft mit ihrem Lebens- und Arbeitsraum, aber auch mit ihrem großen Potenzial für den Tourismus ein. Ich unterstütze eine aktive ressourcenschonende Wertschöpfung aus erneuerbaren Energien, was ein vorausschauendes ökonomisches Denken ebenso wie ein nachhaltiges ökologisches Handeln erfordert. Ich plädiere dafür, sparsam zu wirtschaften, ohne mit falsch verstandenem Sparwillen unsere Zukunftschancen zu verspielen. Bewährte Strukturen sollen also erhalten bleiben. Verwaltung muss ein bedarfsorientierter und bürgernaher Dienstleister sein, daher sollen digitale Portale und Bürgerbüros in der Fläche noch besser dafür sorgen, dass die Verwaltungsaufgaben effektiv erledigt werden. Die von Ihnen genannten Einzelthemen sind jedoch so komplex und wichtig, dass es viel zu pauschal wäre, sie hier auf die Schnelle zu beantworten.

Herr Thiel, besten Dank für das Gespräch!

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