TBB Trier: Wichtig ist auf dem Parkett!

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TRIER. Die Vorbereitung von Basketball-Bundesligist TBB Trier für die BEKO BBL Saison 2012/13 fand am Samstagabend mit dem 72:65-Erfolg gegen die Port of Antwerp Giants einen erfolgreichen Abschluss. Im ersten Teil der großen lokalo-Saisonvorschau gibt es einen Rückblick auf das Spiel und die bisherige Vorbereitung. Im zweiten Teil stellen wir dann alle Spieler im Portrait mit Leistungseinschätzung vor. Von Christoph Witt

72:65 leuchtete es am Ende von der Ergebnisanzeige in der Arena. Ein Spiel, das alle Höhen und Tiefen dieses Sports aufzeigte, hatte ein versöhnliches Ende gefunden. Zwischenzeitlich lagen die bis zur 25. Spielminute meist konfus aufspielenden Trierer mit 17 Punkten zurück. Mit einem 24:2 Lauf zeigten die Schützlinge von Headcoach Henrik Rödl dann ihr Kämpferherz und rissen das Spiel wieder an sich.

Der erst am Freitag gelandete Neuzugang Jermaine Bucknor feierte mit 13 Punkten, sechs Rebounds und vier Assists ein starkes Debüt. Vor allem in der zweiten Halbzeit zeigte der Kanadier, dass er Kapitän Dragan Dojcin adäquat ersetzen kann. Doch das Testspiel offenbarte auch einige Schwächen, an denen bis Mittwoch noch gefeilt werden muss, damit man den Walter Tigers aus Tübingen ein Bein stellen kann.

20 Turnovers, der überwiegende Teil nicht einer starken Verteidigung des Gegners geschuldet, sprechen eine deutliche Sprache. Viele Abläufe in der Offensive liefen unrund, ab dem zweiten Viertel fehlte zudem die Bewegung bei den nicht ballführenden Spielern. Als dann auch noch Bryan Hopkins im dritten Viertel heiß lief, drohte Trier beim Stand von 30:47 ein Debakel. Von der neuen Offensivstärke war kaum etwas zu sehen, defensiv durchkreuzte der bärenstarke Hopkins die Pläne der Trierer Verteidigung.

Erst mit der Aufbruchstimmung Mitte des dritten Viertels kam die Dynamik ins Trierer Spiel zurück, die dieses schnelle und athletische Team benötigt, um die Gegner vor Schwierigkeiten zu stellen. Die Ganzfeldpresse generierte einige Ballverluste des Gegners, und in der Offensive wurde der Korb attackiert. Allen voran der neue Spielmacher Jarrett Howell agierte in der ersten Hälfte viel zu passiv und zeigte erst ab dem dritten Spielabschnitt seine Qualitäten. Der Korb wurde konsequent attackiert und der gegnerische Spielmacher schon ab der Mittellinie unter Druck gesetzt. Die Belohnung: ein 24:2-Lauf und die Kontrolle über das Spiel. Dank eines starken Barry Stewart, mit 14 Punkten Topscorer der Trierer, sowie 13 Punkten von Neuzugang Jermaine Bucknor und Andreas Seiferth reichte es zu einem hart erkämpften 72:65 Erfolg.

Es ist der positive Schlussakzent einer durchwachsenen Vorbereitung. Niederlagen gegen das japanische Team Toyota Alvark, die belgischen Topteams Okapi Aalstar und Telenet Oostende, sowie das serbische Spitzenteam Radnicki KG stehen Siege gegen Verviers Pepinster, USC Heidelberg und die Antwerp Giants gegenüber.

Das Prunkstück der vergangenen beiden Jahre, die Defense, soll auch in dieser Saison der Grundpfeiler für einen Verbleib in der höchsten deutschen Spielklasse sein. Aus einer aggressiven Verteidigung heraus soll dem Gegner das Leben schwer gemacht werden.

Da Headcoach Henrik Rödl vor dieser Saison das Offensivspiel umstellte, wurde zum Beginn der Vorbereitung das Hauptaugenmerk auf den neuen Spielstil gelegt. Resultat: Schnellerer Basketball mit mehr Punkten auf der Habenseite, aber auch wesentlich mehr Gegenpunkten, als man dies bisher gewöhnt war. Beim heutigen Testspiel gab es vor allem in der Zonenverteidigung noch Abstimmungsprobleme, die schnellstmöglich behoben werden sollten.

Allerdings war das Glück auch nicht auf Trierer Seite. Kapitän Dragan Dojcin verletzte sich gleich zu Beginn der Vorbereitung, konnte noch an keinem Testspiel teilnehmen. Auf dem Flug zum Trainingslager erkrankte Jone Pedro Lopes an einer Lungenentzündung, Vitalis Chikoko knickte gleich zu Beginn des Trainingslagers um. Damit wurde ohne drei der fünf Spieler aus der langen Garde trainiert – ein Trainingsspiel war gar nicht möglich.

Beim Testspiel gegen Radnicki KG mussten viele Spieler außerhalb ihrer eigentlichen Position spielen, da nur Andreas Seiferth als Center zur Verfügung stand. Man reagierte auf die langwierige Verletzung von Dojcin und verpflichtete mit Jermaine Bucknor einen bundesligaerfahrenen Spieler. Er konnte dem Team schon im ersten Test mit seiner ruhigen Art und starkem Rebounding helfen. Seine Spielweise scheint wie geschaffen für das Rödl’sche System.

Der große Sponsor fehlt noch

Auch außerhalb des Platzes tat sich einiges. Das Marketing wurde ausgelagert, und die Pyramid Sports Marketing SE kümmert sich ab dieser Saison um die Akquise neuer Partner. Ehemalige Partner konnten weiter gebunden werden, aber auf den ganz dicken Fisch warten die Fans und das Management noch immer. Vor der Saison war man laut Vorstand Sascha Beitzel in aussichtsreichen Verhandlungen mit einem Namenssponsor – spruchreif ist immer noch nichts. Teams mit einem geringen Budget, wie eben die TBB Trier, brauchen einen solchen Coup, um Rödl und damit den Vater des Trierer Projektes weiter an sich zu binden. Denn an der Mosel ist der Headcoach der Star.

Durch das geringe Budget musste man in diesem Jahr gleich zwei Stars aus dem Trierer Projekt ziehen lassen: Maik Zirbes zog es nach Bamberg, Phillip Zwiener an die Nordsee zu den Eisbären Bremerhaven. In ihre Fußstapfen sollen Mathis Mönninghoff, Bastian Doreth und Andreas Seiferth treten. Seiferth spielt eine starke Vorbereitung, hat körperlich zugelegt. Doreth und Mönninghoff suchen noch nach ihrer Rolle im Team und dem neuen System.

Spielmacher Dru Joyce, der ab sofort seine Sneaker für die Oldenburger Farben schnürt, spielte in seiner zweiten Saison in Trier nicht mehr so stark, Jarrett Howell soll die Lücke schließen. Der 28-jährige US-Amerikaner bringt Führungsqualitäten mit, die Vorbereitung lief aber auch eher durchwachsen. Vitalis Chikoko und Jone Pedro Lopes fehlten bei den letzten drei Testspielen und mussten längere Zeit mit dem Training aussetzen. Brian Harper hat große Qualitäten im „Eins gegen Eins“ und könnte mit seiner spektakulären Spielweise auch Gelegenheitszuschauer von den Sitzen reißen.

Das Prunkstück bildet aber die Flügelzange. Das Duo Nate Linhart und Barry Stewart gehört defensiv zum Besten was die BEKO BBL zu bieten hat. An ihnen werden sich einige Gegner die Zähne ausbeißen, weil jeder Pass in Richtung der beiden begabten Ballklauer ein Risiko ist. Zudem hat sich Stewart in Giessen extrem weiterentwickelt – sowohl spielerisch als auch menschlich. Seine Würfe wirken weniger überhastet: Stewart strahlt heute auf und neben dem Feld mehr Selbstvertrauen aus.

Die vielen Verletzungen in der Vorbereitung und die Umstellung des Systems machen eine Einschätzung, wo die Reise für die Trierer hingehen könnte, unmöglich. Gegen Antwerpen für viele Zuschauer Mitte des dritten Viertels ein sicherer Absteiger, träumten nach dem 24:2-Lauf einige Fans wieder von den ersten Playoffs seit 2004. Allerdings ist die Vorbereitung ein Muster ohne Wert. Die Telekom Baskets Bonn spielten 2010 in der Preseason viele Teams an die Wand, um dann beim ersten Saisonspiel gegen Gießen zu verlieren. Am Mittwoch gibt es einen ersten Fingerzeig über die wahre Leistungsstärke des neuen Teams. Oder um noch zwei Euro für das Phrasenschwein zu spendieren: Wichtig ist auf dem Parkett.

Im zweiten Teil der großen lokalo-Saisonvorschau stellen wir alle Spieler im Einzelportrait mit Einschätzung der bisherigen Leistungen vor. (cw)
           

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