„Navigationsgeräte sind friedensstiftend“

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PRÜM. Der Mann, der im Fernsehen in seinen Shows Erkenntnisse aus der Wissenschaft preisgibt, der alles hinterfragt und experimentiert, war als Gast des Eifel-Literatur-Festivals in Prüm: Ranga Yogeshwar. Mehr als 700 wissbegierige Zuhörer lauschten dem luxemburgischen Staatsbürger in der ehemaligen Wandalbert-Hauptschule. Ein Andrang, der nicht größer hätte sein können, standen doch noch fast 400 Interessenten auf der Warteliste, die keine Karte mehr für diesen Abend bekommen konnten, um das „wandelnde Fragezeichen“, wie der Organisator des Festivals Josef Zierden Yogeshwar bezeichnete, live auf der Bühne zu sehen.

Und wer nun eine streng wissenschaftliche Veranstaltung erwartet hatte, war hier fehl am Platz. Das wussten wohl auch die Kinder und Jugendlichen, die den Wissenschaftsredakteur, Moderator und Buchautor aus den Fernsehsendungen „Kopfball“, „W wie Wissen“ oder „Die große Show der Naturwunder“ kannten, denn diese Altersklasse war in Prüm stark vertreten. Yogeshwar nehme in seinen Sendungen „alltägliche Phänomene, die wir alle kennen, aber noch lange nicht erklären können“, unter die Lupe, sagte Zierden, und er habe Lust Fragen zu stellen wie: Mögen Stechfliegen Käsefüße; warum dreht sich der Knödel im Topf; warum quietscht die Kreide auf der Schultafel oder warum hat man runzlige Finger nach dem Baden?

Das und vieles mehr beschreibt der Diplom-Physiker Yogeshwar unter anderem in seinen Büchern „Ach so“ oder „Sonst noch Fragen“, aus denen er in Prüm vorlas. Die Zuschauer begrüßte er teilweise auf luxemburgisch, „weil ich weiß, dass man das hier versteht“, sagte der Vater von vier Kindern, und wohl auch, weil sein ehemaliger Französisch-Lehrer, René Hübsch, aus Luxemburg nach Prüm gekommen war, um ihn zu sehen.

Bevor Ranga Yogeshwar sein erstes Buch aufschlug, setzte er eine rahmenlose Brille auf, denn „ich bin 50 geworden“, scherzte er. Zwar ist die Wissenschaft ein ernstes Thema, doch der Festival-Gast ist nun mal auch ein Entertainer und bewies dies meisterhaft.

Er sei alleine aus Luxemburg nach Prüm gekommen, gestand er, und leitet damit zum Thema Navigationssystem über. Wie kommt die Karte ins Navigationssystem? Dazu erklärte er zunächst einmal, wie es ist, wenn man eben keines besitzt. Äußerst amüsant beschreibt er eine Autofahrt, bei der die Dame als Beifahrer die Straßenkarte lesen soll, dem Fahrer aber nicht wirklich helfen kann und beide mehr oder weniger in Streit geraten. „Navigationsgeräte sind friedensstiftend“, stellte er fest. Die Antwort, wie denn nun die Karte in dieses Gerät kommt, wusste er natürlich auch: Für zwei große amerikanische Firmen werden alle Daten mit GPS ausgestatteten Messfahrzeugen gesammelt, die alle Straßenverläufe bis auf wenige Zentimeter genau misst.

Anderes Thema: Vorurteile. „Sie prägen unser Miteinander“. Schon der Vorname eines Menschen könne ein Vorurteil hervorrufen. Schüler mit dem Namen Chantal… Pause … Gelächter im Publikum, Mandy …. noch mehr Gelächter oder Kevin würden von den Lehrern als leistungsschwach in eine Schublade gesteckt. „Ist ein Kevin hier?“, fragte er vorsichtig. Niemand meldete sich, und er kam zur Schlussfolgerung: „Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose“, habe er mal gehört. Da konnte niemand mehr im Saal sich das Lachen verkneifen.

Weiter ging es unter anderem mit der Frage „Wie herum dreht sich der Wasserstrudel im Abfluss?“ Rätselraten beim Publikum. Na, ganz einfach: nach der Corioliskraft (sogenannte Trägheitskraft) entgegen dem Uhrzeigersinn, was auf der anderen Seite der Erdkugel nicht stimme, erklärte Yogeshwar. „Dort ist es genau anders herum.“ Und wie ihn eine seiner Mitarbeiterinnen, eine „bekennende Nichtphysikerin – und damit bin ich noch sehr nett“, belehrte, funktioniere das bei der kleinsten Kalkablagerung im Becken nicht mehr.

Was wäre ein Ranga Yogeshwar ohne Experimente. Abweichend von einer typischen Lesung, zeigte er den Besuchern einen Versuch mit einem Blatt Papier, das er in drei gleiche Teile zerschnitt, zwei davon als Kreis zusammenfügte, übereinander klebte und so zerschnitt, dass ein viereckiger Rahmen heraus kam. Und auf eine weitere alltägliche Beobachtung wies der Wissenschaftler hin. Völlige Einbildung sei es, eine Münze zu reiben, wenn sie im Automaten immer wieder durchfalle. „Wir könnten sie genauso gut hochwerfen.“ Ebenso unsinnig sei die Verehrung exotischer Kulturen wie magische Kristalle, Ayurveda oder etwa Hopi-Kerzen, die brennend ins Ohr gesteckt würden. Um der Sache auf den Grund zu gehen, schrieb er einen Häuptling der Hopi Indianer an und erfuhr, dass es dort diese Tradition gar nicht gebe. Die Hopi-Indianer distanzierten sich ausdrücklich von diesem Humbug.

Mit einer anderen Erkenntnis schloss Yogeshwar seine Ausführungen. „Es scheint so, als habe jeder von uns eine gewichtige Rolle bei der Suche nach der Wahrheit“, sagte er, nachdem er von einem Experiment berichtete, bei dem die Fernsehzuschauer erraten sollten, wie viele Liebesperlen sich in einem Glas befänden. Mehrere Tausend Menschen hätten geantwortet und ihre Zahlen genannt. Natürlich lagen einige voll daneben. Aber der Durchschnitt von allen zusammen lag haarscharf am richtigen Ergebnis. Bei so viel Spannung und Amüsement gab es auch entsprechenden Applaus bis der Star des abends auf luxemburgisch sagte: „lo ass et gutt.“ (cin)

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